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Drei Tage Gefangenschaft in Kongo : Freiwillig will ich meinen Sarg nicht besteigen

  • -Aktualisiert am

Nach dem Angriff: Zerstörte Hütten in Kiwanja am Donnerstag, dem 6. November Bild: AFP

In der vergangenen Woche wurde unser Afrika-Korrespondent Thomas Scheen im Kriegsgebiet Ostkongos von Milizen der Maï-Maï verschleppt. Scheen und seine Begleiter müssen um ihr Leben fürchten, erleben Gewaltmärsche und Scheinhinrichtungen. Hier ist seine Geschichte.

          Théophile Mpabuka ist noch dabei, die Rebellion des Laurent Nkunda in den höchsten Tönen zu loben, als plötzlich mit Speeren, Messern und Schnellfeuergewehren bewaffnete Jugendliche im Innenhof des kleinen und verlassenen Hotels in Kiwanja auftauchen. Einer kommt in den Raum, in dem wir uns mit dem neuen Kreisverwalter von Nkundas Gnaden unterhalten, schaut sich wortlos um und geht wieder. „Das sind Maï-Maï“, flüstert mein Übersetzer Charles. Draußen wird geschossen.

          Es ist Dienstag, 4. November, 13 Uhr, und nichts hatte auf einen Angriff der regierungsnahen Miliz der Maï-Maï auf die Ortschaften Rutshuru und Kiwanja im Osten Kongos hingedeutet, wo sich Nkunda vor nahezu zwei Wochen festgesetzt hat. Im Gegenteil: Die Hilfsorganisationen aus Goma standen Schlange bei Nkundas Würdenträgern, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, so friedlich wirkte die Region nach dem Rückzug der kongolesischen Armee.

          Wir gehen in Deckung

          Die Gefechte rund um das Hotel Grefamu, in dem wir festsitzen, nehmen zu. Wir gehen in Deckung. Zwei Stunden später verlagert sich der Gefechtslärm nach Osten. Die Hauptstraße in Richtung Goma aber verläuft im Westen von Kiwanja. Ich will es riskieren. Wir - mein Fahrer Roger Bamkana, mein Übersetzer Charles Ntiricya, der Nkunda-Gefolgsmann Théophile Mpabuka und ich - besteigen das Auto und fahren nach Süden in Richtung Rutshuru. Es ist 15 Uhr.

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          Dann geht alles ganz schnell: Das Auto wird gestoppt, die Insassen werden herausgeholt, ihre Taschen geleert. Wir werden gefesselt und liegen verschnürt im Dreck der Hauptstraße. Der Anführer der Gruppe der Maï-Maï, die uns nach nur 300 Meter Fahrt gefangenengenommen hat, will von Akkreditierungen nichts wissen und befiehlt, dass zwei von uns in den Kofferraum klettern. Ich weigere mich. Er bedroht mich mit einem Speer, dann mit einer Kalaschnikow. Ich weigere mich. Freiwillig will ich meinen eigenen Sarg nicht besteigen. Ich werde zusammen mit Charles auf den Rücksitz verfrachtet. Neben uns quetschen sich Kinder mit Schnellfeuerwaffen in das Auto, auf dem Beifahrersitz sitzen gleich drei. Auf dem Dach sitzen zwei weitere, auf der Motorhaube kauert der zehn Jahre alte Späher. Der Anführer quetscht sich hinters Steuer.

          Ein Kugelhagel empfängt uns

          Wir fahren in Richtung Rond-Point, der Kreuzung an der Straße, die Kiwanja von Rutshuru trennt und an der die Nkunda-Kämpfer die Angreifer der Maï-Maï zum Stehen gebracht haben. Ein Kugelhagel empfängt uns. Der Maï-Maï reißt das Steuer herum, zwei Kugeln durchschlagen den Kofferraum, eine davon trifft Theóphile am Kopf. Es ist zum Glück nur ein Streifschuss. Charles betet laut.

          Die Maï-Maï rasen mit uns durch den umkämpften Ort, halten schließlich vor einer Schule. Wir werden in einen Klassenraum gesperrt. Wir dürfen die Fesseln abnehmen. Mein Rucksack wird durchsucht. Ich versuche, das Problem „à la congolaise“ zu regeln, mit Geld, und biete dem Anführer die 1500 Dollar an, die ich bei mir trage. Er nimmt es, dazu noch unsere Handys und mein Satellitentelefon und verschwindet. Wir warten.

          Wir halten den Mund

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