https://www.faz.net/-gpf-rwi5

Drei Jahre Irak-Krieg : „Wir werden diese Mission zu Ende bringen“

  • Aktualisiert am

Bush redet nicht über Kriegsgründe, aber die instabile Lage im Irak Bild: AP

Mehr als 2.300 amerikanische Soldaten wurden im Irak schon getötet, mehr als 17.000 verwundet. Zum Jahrestag des Einmarsches vor drei Jahren hat Präsident Bush die Entscheidung zum Krieg gegen wachsenden Unmut in der Bevölkerung verteidigt.

          3 Min.

          Der amerikanische Präsident George W. Bush hat die Amerikaner in seiner Rundfunkansprache zum dritten Jahrestag des Irak-Krieges auf mehr Kämpfe und weitere Opfer eingestimmt. Der Sieg im Irak werde erreicht sein, wenn Terroristen und Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein nicht länger mehr die irakische Demokratie bedrohten, sagte Bush am Samstag.

          „Mehr Kämpfe und Opfer werden notwendig sein, um das zu erreichen“, erklärte er. De Entscheidung zum Krieg hat er gegen wachsenden Unmut in der amerikaniscen Bevölkerung verteidigt. „Wir werden diese Mission zu Ende bringen. (...) Indem wir die Terroristen besiegen, machen wir unser eigenes Land sicherer.“ Die Entscheidung der Vereinigten Staaten und ihrer Bündnispartner zur Entmachtung des irakischen Präsidenten Saddam Hussein sei schwierig, aber „die richtige Entscheidung“ gewesen, betonte Bush. Die Welt sei hierdurch sicherer geworden.

          Der Präsident führte aus, Saddam Hussein „unterdrückt nicht mehr das irakische Volk, fördert nicht mehr den Terrorismus und bedroht nicht mehr die Welt. Er wird jetzt für seine Verbrechen zur Verantwortung gezogen, und mehr als 25 Millionen Iraker leben jetzt in Freiheit.“

          Bush ging in seiner Ansprache nicht auf die angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen ein, mit deren Existenz er 2003 den Krieg gerechtfertigt hatte. Auf die instabile Lage im Land nahm er aber Bezug. Es sei „manchmal schwer zu verstehen, wie wir sagen können, daß es Fortschritte gibt“, räumte er ein. Die Gewalt im Irak habe aber nach Einschätzung des amerikanischen Botschafters, Zalmay Khalilzad, dazu geführt, daß die irakischen Politiker sich der Notwendigkeit bewußt gewoden seien, so schnell wie möglich eine Regierung der nationalen Einheit bilden zu müssen. Die Reaktionen der irakischen Amtsträger auf die jüngsten Gewaltakte seien „ein klares Zeichen“ dafür, daß der Irak auf die Demokratie setze.

          Von Stabilität im Irak keine Rede

          Das Pentagon bemüht sich inzwischen, die amerikanischen Soldaten mehr und mehr aus der Schußlinie zu nehmen und den irakischen Streitkräften die Verantwortung für die Sicherheit im Land zu übertragen. Ob das gelingt und ob damit eine größere Reduzierung der Truppen eingeleitet werden kann, ist offen. Mehr als 2.300 amerikanische Soldaten wurden bislang getötet, über 17.000 wurden verwundet. Von Stabilität kann im Irak keine Rede sein. Der Bombenanschlag vom 22. Februar auf einen schiitischen Schrein hat die Spannungen sogar noch einmal deutlich steigen lassen. Das Pentagon kündigte deshalb an, weitere 700 Soldaten aus Kuwait in den Irak zu verlegen. Damit soll verhindert werden, daß die Gewalt während des schiitischen Aschura-Fests noch zunimmt. Vor drei Jahren, nach dem schnellen Sieg über die irakischen Truppen und dem Sturz von Saddam Hussein, habe im Pentagon niemand damit gerechnet, daß die Kampfhandlungen noch so lange anhalten würden, sagt Anthony Cordesman vom Zentrum für strategische und internationale Studien. Die Schwierigkeiten, den besiegten Irak zu stabilisieren, seien von der Regierung Bush massiv unterschätzt worden.

          „Wir stellen jetzt fest, daß wir eine Ausweitung des Aufstands zwar verhindert haben, aber nicht die Gefahr eines Bürgerkriegs“, sagt Cordesman. „Wir haben in keiner Hinsicht verloren, man kann aber auch nicht sagen, daß wir - zumindest im Augenblick - gewinnen.“

          Das Pentagon äußerst sich nur noch ganz vorsichtig zur Möglichkeit einer größeren Reduzierung der Truppenzahl im Irak. Das letzte Mal wurde im Januar 2004 eine größere Zahl von Soldaten abgezogen, damals sank die Truppenstärke auf unter 110.000. Kurz darauf kam es zu verstärkten Angriffen der Aufständischen und zum völligen Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung in Falludscha. Danach wurde die Zahl der amerikanischen Soldaten wieder auf 142.000 erhöht, und auf dem Niveau ist sie auch ungefähr geblieben. Die Truppenstärke schwankt derzeit zwischen 135.000 und 160.000. Dauerhaft so viele Soldaten im Kampfeinsatz im Ausland zu halten, beansprucht die Streitkräfte auf das Höchste - besonders das Heer und die Marineinfanterie, die den Großteil der Soldaten stellen. Während die Zustimmung zum Irak-Krieg in der Bevölkerung in Amerika immer mehr sinkt, bleibt die Moral der Truppen im Irak aber auf einem bemerkenswert hohen Niveau, zumindest wenn man den Vergleich mit dem Vietnamkrieg heranzieht.

          Hilfe ausgerechnet aus Teheran?

          Seitdem hat sich aber auch viel verändert. Statt aus Wehrpflichtigen bestehen die Streitkräfte jetzt aus Freiwilligen. Auch gab es im Irak bei weitem nicht so viele Opfer wie in Vietnam, wo insgesamt fast 60.000 amerikanische Soldaten getötet oder als vermißt registriert wurden.

          Um die Stimmung in der Bevölkerung zu verbessern, kann Bush nur acht Monate vor den nächsten Kongreßwahlen jede Hilfe gebrauchen. Und die könnte ausgerechnet von Iran kommen, denn die Regierung in Teheran hat sich grundsätzlich zu Gesprächen über den Irak bereit erklärt (Iran bietet Amerika diplomatische Kontakte an). Die Bush-Regierung ist überzeugt, daß der Iran in seinem Nachbarland eine unrühmliche Rolle spielt. So verdächtigen die Vereinigten Staaen den Iran, schiitische Milizen und auch Teile der Aufständischen zu bewaffnen. Ob die Gespräche überhaupt ein Ergebnis bringen können, ist völlig unklar. Die amerikanische Regierung ist aber auf jede Unterstützung angewiesen, die sie bekommen kann - und sie will sich nicht vorwerfen lassen, es nicht wenigsten versucht zu haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.