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Trip nach Davos : So schlägt Trump seinen Wählern ins Gesicht

Was diese Trump-Fans wohl von seinem Trip nach Davos halten? Bild: dpa

Noch vor einem Jahr wetterte Donald Trump gegen die „Party von Davos“. Nun will er selbst zum Weltwirtschaftsforum in die Schweizer Berge reisen. Das darf man als beruhigende Rückkehr zur Normalität betrachten. Aber Normalität ist langweilig.

          Dass Donald Trump zum Weltwirtschaftsforum nach Davos reisen will, ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die ihn gewählt haben. Noch im vergangenen Jahr haben die Teilnehmer des Elitetreffens in Davos am letzten Tag der Veranstaltung gebannt auf den Fernseher gestarrt, um sich Trumps Rede zur Amtseinführung anzuschauen – und sie waren schockiert. „America first“ hieß es dort nicht nur einmal – und für alles, wofür Davos steht, war Trump die Antithese: für eine bessere Welt durch freien Handel, für Versöhnung und zu einem nicht geringen Grad auch das, was man gemeinhin Gutmenschentum nennt.

          Die Wähler Trumps hatten denjenigen, die in Davos den Zustand der Welt verbessern wollen, im übertragenen Sinne einmal richtig gezeigt, was sie von dem Treffen und seinen Ideen halten: nichts. Steve Bannon, Trumps in Ungnade gefallener ehemaliger Chefstratege und –Berater hatte es selbst auf den Punkt gebracht: Die arbeitenden Männer und Frauen der Welt seien müde, sich dem Diktat der „Party von Davos“ unterwerfen zu müssen.

          Stundenlange Diskussionen über eine Welt, die viele der Manager, Politiker und Wissenschaftler, die sich in den Schweizer Bergen treffen, nur noch aus der Abgeschlossenheit ihrer schwarzen Limousinen betrachten, die dort die Straßen verstopfen? Das ist nichts für Trumps Wähler. Auch das Nachdenken über komplizierte Zusammenhänge im Klimaschutz oder im Welthandel, das in Davos seit Jahren kultiviert wird, spricht sie nicht an. Sie machen sich Sorgen um Arbeitsplatzverluste durch die Globalisierung und den technischen Wandel. Das ist zwar ein Thema, das auch Davos stets bewegt, aber davon haben sie im Zweifel noch nichts mitbekommen. Nicht nur in Amerika, auch für viele Menschen in Europa schien mit der Wahl Trumps die Zeit der einfachen Antworten gekommen zu sein.

          Sich darüber zu erheben, wäre schon damals ein Fehler gewesen. Kurz vor der Veranstaltung des vergangenen Jahres hatte eine Umfrage gezeigt, dass auf der ganzen Welt das Vertrauen in die sogenannten Eliten erodiert: Eine Mehrheit von 38.000 im „Edelman Trust Barometer“ befragten Personen in 28 Ländern hielt Manager, Politiker, Nichtregierungsorganisationen und Medien nicht mehr für glaubwürdig. In den Vereinigten Staaten von Amerika waren zu jenem Zeitpunkt 57 Prozent der Befragten derart skeptisch, in Deutschland 62 Prozent, und in Italien und Frankreich jeweils 72 Prozent.

          Nur noch 37 Prozent der Befragten hielten die Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens in ihren Aussagen für glaubwürdig, und mit Blick auf Vertreter der Regierung glauben das sogar nur noch 29 Prozent. Insgesamt äußerten 53 Prozent der Befragten, das gegenwärtige System sei unfair und biete ihnen nur geringe Hoffnungen auf künftige Verbesserungen.

          Ein Jahr nach Scaramucci

          Was steht in diesem Jahr auf der Agenda in der Schweiz? Das Forum findet vom 22. bis 26. Januar unter dem Motto „Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt“ statt. Konkret sollen dabei nach Angaben der Veranstalter „innovative Ideen“ vorgelegt werden, um etwa den Freihandel beizubehalten und den Umweltschutz zu stärken. Tatsächlich aber wurschtelt sich „Davos“ höchst unkonzentriert durch eine ganze Flut von Themen. Die Veranstaltung ist groß, mit dem Erscheinen von Trump vermutlich noch überfüllter, auch wenn „nur“ 3000 offizielle Teilnehmer zugelassen sind – denn für den Rest sorgt die Entourage. Jeder Teilnehmer bringt Geld. Einer dieser Teilnehmer wird nun ausgerechnet Trump sein, und er wird damit seinen Wählern zeigen, dass man auch seine Wort nicht so ganz ernst nehmen sollte. Vielleicht hat es Trump als begnadetem Showtalent einfach missfallen, dass im vergangenen Jahr Anthony Scaramucci die amerikanische Bühne in Davos für sich hatte – ein nebulöser Berater, der es später tatsächlich für zehn Tage zum Kommunikationschef des Weißen Hauses bringen sollte. Vielleicht hat Trump noch mehr gestört, dass ausgerechnet der chinesische Präsident Xi Jinping in Davos für Globalisierung und Freihandel werben konnte: ein Chinese!

          Nun kommt Trump. An dem Forum hat schon seit Jahren kein amerikanischer Präsident mehr teilgenommen. Der bislang letzte Staatschef aus den Vereinigten Staaten, der zu der Versammlung in Davos kam, war Bill Clinton im Jahr 2000. Laut Ankündigung des Weißen Hauses wird es Trump in Davos natürlich noch immer um „America First“ gehen. Der Präsident freue sich darauf, bei dem Forum für seine Politik zur Stärkung amerikanischer Unternehmen und Arbeiter zu werben. Das übrigens ist am Ende nichts anders als das, was rund 60 andere Staats- und Regierungschefs, die nach Davos reisen, dort ebenfalls tun werden. Das darf man als beruhigende Rückkehr zur Normalität betrachten. Aber Normalität ist langweilig. Deshalb dürfte es gerade Trump vor allem um sich selbst gehen. Davos ist der Ort schlechthin, um Eitelkeiten zu pflegen. Es wird zu häufig gelästert, als sich an die eigene Nase zu fassen. Über die Sorgen der Menschen wird in Davos zu wenig geredet. Und das wird sich mit dem Besuch von Donald Trump ganz gewiss nicht ändern.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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