https://www.faz.net/-gpf-8v2gt

Angeblicher Vorfall : Trump versucht Aussage über Schweden aufzuklären

  • Aktualisiert am

Donald Trump hat Beobachter mit einer Aussage über Schweden irritiert. Bild: AP

„Seht, was letzte Nacht in Schweden passiert ist“, sagte der Präsident vor Tausenden Anhängern – und nicht nur in Schweden wusste niemand, was er meint. Jetzt hat Trump erklärt, er habe sich auf einen Fernsehbericht bezogen.

          Nach Kritik an seinen Äußerungen über einen angeblichen Flüchtlingsvorfall in Schweden hat der amerikanische Präsident Donald Trump Stellung bezogen. In einer Botschaft beim Kurzmitteilungsdienst Twitter schrieb Trump am Sonntag, er habe sich auf einen Bericht des Fernsehsenders Fox News über Einwanderer in Schweden bezogen.

          Trump hatte zuvor bei einer Rede vor Anhängern im Bundesstaat Florida am Samstag einen Anschlag in Schweden herbeizitiert, der gar nicht verübt wurde. Zur Rechtfertigung seiner restriktiven Einwanderungspolitik stellte er einen Zusammenhang zwischen der Einwanderung und Terror-Anschlägen her. Dann sagte er: „Seht, was in Deutschland passiert, seht, was letzte Nacht in Schweden passiert ist. Schweden, wer hätte das gedacht? Schweden – sie haben ganz viele reingelassen, nun haben sie Probleme, wie sie es nie für möglich gehalten hätten.“

          Wiederholte Fehlinformation

          Offenbar bezog sich Trump in seiner „Erklärung“ auf ein Interview mit dem amerikanischen Dokumentarfilmer Ami Horowitz in der Sendung „Tucker Carlson Tonight“ vom Freitagabend auf Fox News. In dem Gespräch brachte Horowitz Migranten in Schweden mit einer Gewaltwelle in Verbindung und sagte, die Verbrechen würden oft vertuscht, weil Menschen, die „die Wahrheit“ über die Situation erzählten, als Rassisten und Xenophobe „niedergeschrien“ würden. „Schweden hat vor nicht langer Zeit den ersten islamistischen Anschlag erlebt“, sagte Horowitz in dem Interview weiter. „Jetzt bekommen sie eine Ahnung davon, was wir gerade in ganz Europa erleben.“

          Wie die „New York Times“ schrieb, war nicht klar, worauf sich Horowitz dabei bezog. 2010 sprengte sich ein irakischstämmiger schwedischer Selbstmordattentäter in Stockholm in die Luft und verletzte zwei Menschen; er soll Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida gehabt haben. Doch dieser Vorfall ist fast sieben Jahre her – Trump aber hatte in seiner Rede am Samstag in Florida von der „letzten Nacht in Schweden“ gesprochen.

          Die Sprecherin des Weißen Hauses Sarah Huckabee Sanders sagte am Sonntag, Trump habe sich in seiner Rede nicht auf ein spezielles Ereignis bezogen, sondern auf den generellen Anstieg der Kriminalität und allgemein auf aktuelle Vorfälle.

          Schwedische Arbeitsministerin: „Wir wollen wissen, was er meint“

          Das schwedische Außenministerium forderte von der amerikanische Regierung eine Erklärung für die Äußerungen Trumps. Das amerikanische Außenministerium sei um Klarstellung gebeten worden, sagte Ministeriumssprecherin, Catarina Axelsson, am Sonntag in Stockholm. Ähnlich äußerte sich Arbeitsministerin Ylva Johansson in einem Gespräch mit dem schwedischen Staatsfernsehen. „Wir wollen wissen, was er meint“, sagte Johansson.

          „Der amerikanische Präsident spricht und die ganze Welt hört zu“, sagte Johansson. „Er spricht über Schweden in einer Art, bei der wir nicht verstehen, was er meint und worauf er sich bezieht – im Zusammenhang mit Terrorakten in anderen Ländern“, kritisierte die Ministerin.

          Im ersten Monat von Trumps Amtszeit gab es schon mehrfach Fehlinformationen aus dem Washingtoner Führungszirkel über angebliche Anschläge und Massaker. Trumps Sprecher Sean Spicer redete innerhalb einer Woche drei Mal über einen Anschlag in Atlanta, meinte aber einen Anschlag in Orlando. Trumps Beraterin Kellyanne Conway sprach von einem „Bowling-Green-Massaker“, das es nicht gab.

          Weitere Themen

          Der korrupte Jesus Video-Seite öffnen

          Riesen-Statue in Lima : Der korrupte Jesus

          Eine Riesen-Statue von Jesus thront über der peruanischen Hauptstadt Lima. Doch der überdimensionale Messias ist nicht sehr beliebt. Die umgerechnet 712.000 Euro, die der Bau gekostet hat, stammen nämlich vom korrupten Geschäftsmann Marcelo Odebrecht.

          Kinder-Camps als Geldanlage

          Ärger für Trump : Kinder-Camps als Geldanlage

          Die Abschiebe-Camps der Trump-Regierung sorgen seit Monaten für Kritik. Die privaten Betreiber verdienen mehr Geld, weil mehr Migranten festgehalten werden. Auch Trumps ehemaliger Stabschef John Kelly nutzt die Gunst der Stunde zum Geldmachen.

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Parlament gegen Johnson : Aufstand gegen den No-Deal-Brexit

          Noch ist Boris Johnson nicht Premierminister. Aber er spielt schon öffentlich mit dem Gedanken an einen Austritt ohne Abkommen. Jetzt reagiert das Parlament – und macht ihm eine solche Lösung durch einen Trick schwerer.
          Außenminister Heiko Mass (links) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow unterhalten sich vor Beginn des Petersburger Dialogs in Königswinter.

          „Petersburger Dialog“ : Maas nähert sich an – Lawrow teilt aus

          Laut Außenminister Maas könnten die dringenden Fragen der Weltpolitik nur mit Russland angegangen werden. Sein russischer Amtskollege wirft Deutschland hingegen vor, sich an „einer aggressiven antirussischen Politik“ zu beteiligen.

          Verhör von Carola Rackete : „Es sollte um die Sache gehen“

          Die „Sea-Watch“-Kapitänin kritisiert nach ihrer Anhörung den Rummel um ihre Person. Der lenke vom eigentlichen Problem ab: dem Umgang mit den Migranten im Mittelmeer. Doch Racketes Äußerungen zur Seenotrettung sind in Italien umstritten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.