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Treffen mit Kim Jong-un : Trump überschreitet Grenze zu Nordkorea

  • -Aktualisiert am

Spontanes Treffen an der Grenze: Donald Trump und Kim Jong-un an der Demarkationslinie. Bild: Reuters

Donald Trump hat als erster amtierender amerikanischer Präsident den Boden des kommunistischen Nordkoreas betreten. Beim spontanen Treffen mit Machthaber Kim an der innerkoreanischen Grenze weicht er einigen Fragen allerdings aus.

          Es ist ein Treffen ganz nach dem Geschmack von Donald Trump. Voller Symbolik und Spannung: Den ganzen Morgen über war spekuliert worden: Wird der nordkoreanische Machthaber kommen oder nicht? Erst am Mittag bestätigt der amerikanische Präsident schließlich: „Ich werde den Vorsitzenden Kim treffen. Ich freue mich sehr darauf.“

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Zwei Stunden später ist es soweit: Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber reichen sich in der entmilitarisierten Zone zunächst über die innerkoreanische Grenze hinweg die Hand. Dann betritt Trump als erster amtierender amerikanischer Präsident überhaupt nordkoreanischen Boden. Später erzählt der Präsident, er habe den Nordkoreaner gefragt: „Möchten Sie, dass ich rüberkomme? Und er sagte: ‚Ich würde mich geehrt fühlen‘.“

          Kims Leibwächter sind sichtbar unzufrieden

          Anschließend folgt Kim Jong-un dem amerikanischen Präsidenten auf die südkoreanische Seite. Dabei sind beide umringt von Journalisten, es kommt zu Rangeleien und Drängeleien. Für nordkoreanische Verhältnisse ist das eine bemerkenswerte Szene. In Pjöngjang folgen politische Treffen immer einer stark formalisierten Regie. Kims Leibwächter sind sichtbar unzufrieden mit der Situation, doch der Machthaber strahlt über das ganze Gesicht. Das kurzfristig anberaumte Treffen sei Ausdruck von Donald Trumps Bereitschaft, die Konflikte der Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine neue Zukunft zu beginnen. Trump spricht von einer „besonderen Freundschaft“. Er kündigt an, den Nordkoreaner ins Weiße Haus einladen zu wollen. Später wird er gegenüber Journalisten sagen, es könne „zu jeder Zeit stattfinden, zu der er es machen will“.

          Schließlich führt Trump Kim zum südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, der in die entmilitarisierte Zone mitgereist ist. Doch an der anschließenden einstündigen Unterredung im „Haus des Friedens“ auf der Südseite der Grenze nimmt der Südkoreaner nicht teil. Auf amerikanischer Seite sind unter anderen Außenminister Mike Pompeo, Finanzminister Steven Mnuchin, die Tochter und  Präsidentenberaterin Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner dabei.

          Anschließend kündigt Trump eine Wiederaufnahme der Verhandlungen auf Arbeitsebene an. Beide Seiten würden dafür in den kommenden zwei bis drei Wochen ein Team bilden. Auf amerikanischer Seite soll es von Mike Pompeo geführt werden. Die Nordkoreaner würden jemanden bestimmen, „den wir kennen, und den wir mögen“, sagt Trump.

          Mehr war von dem Treffen inhaltlich auch nicht erwartet worden, denn seit dem Gipfeltreffen von Hanoi Ende Februar hatte es, zumindest offiziell, keinerlei Gespräche auf Arbeitsebene gegeben. Kritiker werfen Trump vor, mit dem Handschlag auf nordkoreanischem Boden das Regime des Diktators Kim Jong-un zu legitimieren. Einer entsprechenden Frage weicht Trump am Sonntag aus. Auch auf die Frage, welche Botschaft er mit dem Grenzübertritt senden will, antwortet er nicht. Stattdessen betont Trump immer wieder, dass die Sicherheitslage in Korea und auch in Japan sich in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit deutlich verbessert habe. Nordkorea schieße keine ballistischen Raketen mehr ab und teste keine Nuklearwaffen, erklärt Trump.

          Er beharrt darauf, dass ihm die Idee zu dem Händedruck mit Kim erst am Samstagmorgen überraschend gekommen sei. Noch im japanischen Osaka während des Gipfeltreffens der G-20-Gruppe hatte Trump in einer digitalen Kurznachricht auf dem Nachrichtendienst Twitter Kim zu einem kurzen „Hallo“ in Panmunjom eingeladen. Nur wenig mehr als fünf Stunden danach gab es eine erste öffentliche Reaktion Nordkoreas, was für das Regime ausgesprochen kurz ist. Kommentatoren in Südkorea sehen das als mögliches Indiz, dass über ein Treffen von Trump und Kim an der Grenze schon zuvor zwischen den Staaten gesprochen wurde. Auch Trump selbst hatte schon einige Tage zuvor vor Journalisten eine Andeutung in diese Richtung gemacht, die „aus Sicherheitsgründen“ aber nicht berichtet werden durfte.

          Im besten Fall könnte das Treffen den festgefahrenen Atomverhandlungen neues Leben einhauchen. Dass dafür eine Zusammenkunft auf höchster Ebene notwendig schien, zeigt aber auch, wie wenig Bewegung es gibt. Trump rückt am Sonntag allerdings von den Maximalforderungen ab, die er beim Gipfel von Hanoi vertreten hatte. Dort hatte die amerikanische Regierung gefordert, dass Nordkorea sein Atomprogramm vollständig aufgebe, bevor es mit Sanktionserleichterungen rechnen könne. Nun aber sagt Trump: „Die Sanktionen bleiben. Aber an irgendeinem Punkt in den Verhandlungen können Dinge geschehen.“

          Anzug statt tarngrüne Jacke

          Trump ist der fünfte amtierende amerikanische Präsident, der die entmilitarisierte Zone entlang der Demarkationslinie zwischen den beiden koreanischen Staaten besucht. Der erste war Ronald Reagan im November 1983. Reagan lobte in Camp Liberty Bell die amerikanischen Soldaten, die an der „Frontlinie der Freiheit“ stünden. Das nordkoreanische Regime bezeichnete er als ein System, das gegen alles stehe, woran die Amerikaner glaubten. Zehn Jahre später im Juli 1993 kam William „Bill“ Clinton und warnte Nordkorea vor der Entwicklung nuklearer Waffen. Das war vier Monate, nachdem Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten war. Sollte Nordkorea je Atomwaffen anwenden, wäre es das Ende des Landes, drohte Clinton.

          2002 betonte George W. Bush in der DMZ, dass Amerika und Südkorea nicht die Absicht hätten, Pjöngjang anzugreifen. Er hatte kurz zuvor das Regime in die „Achse des Bösen“ eingeordnet. Zehn Jahre, 2012, später sprach Barack Obama von gewaltigen Unterschieden zwischen Süd-Nordkorea im Lebensstandard und im Grad der Freiheit. Er warnte, dass ein damals angekündigter Raketentest Nordkorea noch mehr isolieren würde. Wie sehr die Atmosphäre sich verändert hat verdeutlicht ein Detail: Trump trägt am Sonntag während des ganzen Besuchs einen Anzug, während seine präsidentiellen Vorgänger in der entmilitarisierten Zone immer tarngrüne Jacken trugen, wohl auch als Schutz vor Scharfschützen.

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