https://www.faz.net/-gpf-9noka

Trump zu Besuch in London : Die großartigste aller Allianzen

Der amerikanische Präsident Donald Trump und Theresa May, die noch amtierende Premierministerin von Großbritannien, am Freitag in London. Bild: AFP

Während seines Aufenthalts in London hat Donald Trump versucht, Reizthemen zu vermeiden und die Briten über den Klee zu loben. Doch seine Gegner auf der Insel konnte er damit nicht überzeugen.

          4 Min.

          Das vermeintlich größte Streitthema räumte Donald Trump mit wenigen Worten ab. Auf die Frage, ob er wirklich die Sicherheitspartnerschaft mit Großbritannien infrage stelle, sollte London den chinesischen Konzern Huawei die nächste Generation des britischen Kommunikationsnetzes entwickeln lassen, sagte er: „Wir sind in der Lage, alle Differenzen zu beseitigen“. Nicht den geringsten Misston wollte der amerikanische Präsident auf der Pressekonferenz mit Theresa May aufkommen lassen. Die „großartigste Allianz, die die Welt je gesehen hat“, übersteht alles – das war die Botschaft, mit der Trump an diesem Dienstag seine politischen Gespräche abschloss.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Selbst über die Meinungsverschiedenheiten, die er mit May über den Brexit ausfocht, wollte Trump nur noch lächeln. „Ja, ich hätte die EU verklagt und die Sache so vielleicht beigelegt. Aber wer weiß, wahrscheinlich ist sie die bessere Verhandlungsführerin.“ Trump vermutete, dass die EU das Austrittsabkommen noch werde verändern müssen, und sagte, dass May mehr Ansehen gebühre, als sie zur Zeit genieße.

          Der Austritt aus der EU „wird und sollte“ am 31. Oktober vollzogen werden, sagte Trump und fügte hinzu: „Dies ist ein besonderes Land, und es verdient einen besonderen Platz.“ Alle Reizthemen – von der Iran-Politik bis zum Klimaschutz – konnten außen vor gehalten werden. Dass nicht alles im Gleichklang schwingt, ließ sich noch am ehesten während des Staatsbanketts erkennen, das am Vorabend abgehalten worden war. Trump nutzte seine Dinner-Rede, um die Queen zu würdigen („a great, great woman“) und seine Bewunderung für die britische Sehnsucht nach „Selbstbestimmung“ und „Unabhängigkeit“ auszudrücken.

          Er machte das am Kampf gegen Hitler-Deutschland fest, aber wer wollte, durfte auch an Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union denken. Die Queen wiederum erinnerte an die (weitgehend angelsächsische) Gründung internationaler Institutionen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Notwendigkeit, deren Beitrag für den Frieden auch in veränderten Zeiten zu schätzen. Dies sahen viele als mehr oder weniger zarte Kritik an Trumps Zweifeln an der Nato und an der EU, kurz: an seinem America-First-Ansatz.

          Ob dies beim Staatsgast angekommen ist, bleibt fraglich. „Er wird mehr die Situation genossen als den Worten gelauscht haben“, glaubt Leslie Vinjamuri, Leiterin des Amerika-Programms am Londoner Chatham House. Trump, gibt sie zu bedenken, wehre sich auch gar „nicht gegen das Prinzip, sondern nur gegen die Strategie“. Er könne dem Multilateralismus wenig abgewinnen, habe aber nichts gegen internationale Institutionen, so lange sie Amerika nicht zu sehr binden, sagt Vinjamuri und fügt hinzu: „Etwas davon ist immer dagewesen in der Geschichte Amerikas“.

          Corbyn wettert gegen Trump

          Unmissverständlich äußerte sich die Labour Party. Ihr Vorsitzender, Jeremy Corbyn, hatte die Einladung zum Staatsbankett ausgeschlagen und hielt stattdessen eine Rede auf der Protestkundgebung, die am Dienstag deutlich weniger Leute anzog als bei Trumps Arbeitsbesuch im vergangenen Jahr. Ohne den Staatsgast beim Namen zu nennen, sprach er über die Gefahr einer Politik des Hasses, der Gier und der Ausgrenzung. Im Blick auf den diskutierten Freihandelsvertrag mit Amerika kündigte er an, „bis zum letzten Zug“ gegen die privatwirtschaftliche Zerstörung des britischen Gesundheitsdienstes zu kämpfen. „Danke, dass Ihr gekommen seid, um für Frieden, Gerechtigkeit und Abrüstung einzutreten“, rief er zum Schluss.

          Weitere Themen

          Erst Spender, dann Botschafter

          Trumps Präsidentschaft : Erst Spender, dann Botschafter

          Ein Drittel aller von Donald Trump nominierten Botschafter scheint sich vor allem durch eines auszuzeichnen: großzügige Spenden an die Republikaner. Allerdings hat auch sein Vorgänger Barack Obama schon gerne Großspender in den diplomatischen Dienst berufen.

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.