https://www.faz.net/-gpf-8ve96

Trumps Auftritt im Kongress : Die wichtigste Rede seiner Amtszeit?

  • -Aktualisiert am

Donald Trumps Rede vor dem Kongress wird mit Spannung erwartet. Bild: AP

Visionärer Staatsmann oder ideenloser Provokateur? Heute Nacht spricht Donald Trump erstmals vor dem amerikanischen Kongress. Die Erwartungen sind hoch. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

          4 Min.

          „Mr. Speaker, the President of the United States“. Wenn Donald Trump am Dienstagabend um 21 Uhr Ortszeit im Kapitol in Washington ans Podium treten wird, ist das in jedem Fall ein historischer Moment. Die erste Rede vor den Mitgliedern beider Kammern des amerikanischen Kongresses („address to a joint session“) gilt als bedeutender erster Einschnitt einer Präsidentschaft. Es ist ein Moment, in dem nicht nur die Vertreter der Legislative, sondern auch viele Millionen Amerikaner ganz genau hinhören, was ihr Staatsoberhaupt ihnen zu sagen hat.

          „Alles, was ich habe, hätte ich gerne gegeben, um heute nicht hier stehen zu müssen“, erklärte Lyndon B. Johnson im November 1963, als er nur wenige Tage nach dem Tod seines Vorgängers John F. Kennedy seine erste Rede vor dem Kongress hielt. „Ich will keine Flitterwochen mit euch“, sagte Gerald Ford 1974 an gleicher Stelle zu den versammelten Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses, nachdem sein Vorgänger Richard Nixon im Zuge des Watergate-Skandals zurückgetreten war. „Ich will eine gute Ehe.“

          Bill Clinton setzte Anfang der 90er-Jahre zunächst auf Humor. „Es ist schön, einen frischen Vorwand zu haben, um eine lange Rede zu halten“, lautete sein erster Satz. Siebenundsechzig Millionen Amerikaner schauten damals am Fernseher zu – ein Rekord, den Donald Trump dieses Mal knacken könnte. Nach vierzig turbulenten Tagen im Amt und äußerst schlechten Beliebtheitswerten ist die Erwartungshaltung groß. Zahlreiche Beobachter sind sich einig: Auch wenn es offiziell noch keine „Rede zur Lage der Nation“ ist (die erfolgt frühestens nach einem Jahr als Präsident), wird dies Trumps bisher wichtigste Rede.

          Worüber wird er sprechen?

          Die Ankündigung von Trumps Pressesprecher Sean Spicer klang zuletzt noch recht vage. „Woher wir kommen und wohin wir gehen“, das seien die zwei Hauptaspekte, die der Präsident in seiner Rede beleuchten werde. Er habe von seinem Vorgänger im Amt „ein Chaos geerbt“, wurde Trump zuletzt nicht müde zu betonen. Sehr wahrscheinlich ist, dass er diese Sichtweise auch dieses Mal wieder zum Besten geben wird, verbunden mit zahlreichen Verweisen auf das, was er bereits alles erreicht habe. Vor allem aber dürfte Trump aufzuzeigen versuchen, mit welchen Ideen er Amerika künftig verändern will.

          Wie viele Details wird er preisgeben?

          Gerade bei den Themen Steuer- und Gesundheitsreform erwarten viele Amerikaner endlich mehr Klarheit. Auch die Frage, wie die im Wahlkampf immer wieder lautstark angekündigten Infrastrukturmaßnahmen, für die er ebenfalls die Unterstützung des Kongresses benötigt, genau aussehen und finanziert werden sollen, muss Trump beantworten. Die Tatsache, dass der Präsident bislang wenig konkrete Zahlen und Zeithorizonte genannt hat, macht auch viele Anleger nervös. Sollte Trump weiter schwammig bleiben, könnte es an den amerikanischen Aktienmärkten, wo dem Republikaner nach seinem Wahlsieg ein großer Vertrauensvorschuss gewährt wurde, zu deutlichen Kurskorrekturen kommen.

          Welchen Ton wird er anschlagen?  

          Weitere Themen

          Trump auf dem Rückzug

          Einsatz in Syrien : Trump auf dem Rückzug

          Zahlreiche amerikanische Soldaten überschreiten die Grenze in den Irak. Doch noch könnte es sein, dass Amerikas Präsident seinen vollständigen Abzug ein zweites Mal relativiert.

          Trump attackiert die eigene Partei Video-Seite öffnen

          Ohne Rückhalt : Trump attackiert die eigene Partei

          Viel können die Demokraten nicht, wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht. Aber wenigstens hielten sie zusammen – im Gegensatz zu den Republikanern, kritisiert Donald Trump.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.