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Trump setzt nach : Handelskriege sind „gut und leicht zu gewinnen“

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump kündigte am 1. März in Washington im Gespräch mit Managern aus der Stahl- und Aluminiumbranche Bild: AP

Harsche Reaktionen in der Politik und an den Weltbörsen hat der amerikanische Präsident mit der Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium bereits provoziert. Doch jetzt setzt Trump mit mehreren Tweets noch nach.

          Nach Donald Trumps Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte in die Vereinigten Staaten schreien weltweit Regierungschefs auf, verurteilen die Pläne als „unfair“ und „inakzeptabel“ und sprechen von Vergeltung. Bundesaußenminister Gabriel ist in „größter Sorge“ und China rät der amerikanischen Regierung, sich in Zurückhaltung zu üben. Die Börsenkurse in Asien sinken deutlich und der Dax fällt unter die 12.000 Punkte-Marke. Und Trump? Er legt trotz der scharfen internationalen Kritik am Freitag nochmal nach und twittert: Handelskriege seien „gut und leicht zu gewinnen“.

          Diesem Tweet folgte die Androhung weiterer Handelsschranken. Trump teilte am Freitag über Twitter mit, er plane „Gegenzölle" auf jedes Produkt, das die USA exportieren und auf das ein Handelspartner Zoll erhebe. In seiner jüngsten Botschaft schrieb Trump: „Wenn ein Land unsere Produkte mit, sagen wir mal, 50 Prozent Zoll belegt, und wir das gleiche Produkt mit null, dann ist das nicht fair und nicht klug." Daher würden die USA bald damit beginnen, Gegenzölle  zu erheben. „800 Milliarden Dollar Handelsdefizit – wir haben keine Wahl",  erklärte der US-Präsident.

          Konkret hatte Trump am Donnerstag angekündigt, Stahlimporte mit 25 Prozent besteuern zu wollen und auf Aluminium zusätzlich 10 Prozent Zoll zu erheben. Er begründete den Schritt damit, dass die amerikanische Stahl- und Aluminiumbranche jahrzehntelang durch unfairen Handel und schlechte Politik mit vielen Ländern der Welt dezimiert worden sei. Die Pläne sind Teil seiner „America First“-Politik. Wann die Zölle eingeführt werden und wie lange sie gelten, ist noch unklar.

          Politiker auf der ganzen Welt reagierten am Donnerstag und Freitag gereizt auf Trumps Pläne Stahl- und Aluminiumimporte mit Strafzöllen zu belegen. EU-Kommisionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte in Brüssel an: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden“. Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström kommentierte: „Die amerikanischen Maßnahmen werden negative Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen und die globalen Märkte haben.“ Die EU werde so schnell wie möglich die Welthandelorganisation WTO einschalten.

          Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zeigte sich „in größter Sorge“ und malte ein Schreckensszenario aus: „Ein solcher  weltweiter amerikanische Rundumschlag würde gerade unsere Exporte und Arbeitsplätze mit am Stärksten betreffen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die EU muss auf Strafzölle der USA, die Tausende Arbeitsplätze in Europa  gefährden, mit Entschiedenheit reagieren.“ Auch  Regierungssprecher Steffen Seibert lehnte die Entscheidung ab und gab zu bedenken, dass das Problem globaler Überkapazitäten nicht zu lösen sei.

          Talfahrt an den Börsen

          In China kritisierte eine Sprecherin des Außenministeriums die Ankündigung scharf: „Wenn alle Länder dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgen, wird das unzweifelhaft ernsthafte Folgen für die Welthandelsordnung haben“. Die amerikanische Regierung solle sich bei der Anwendung von Schutzinstrumenten für den Handel „in Zurückhaltung üben“.

          Die amerikanische Börse ging nach der Verkündung der Pläne am Donnerstag auf Talfahrt. Auch an den asiatischen Börsen in Seoul, Tokio und Shanghai gaben die Kurse von mehreren großen Stahlproduzenten am Freitag deutlich nach. Nach Bekanntwerden der Pläne verschärfte sich auch der Druck auf den deutschen Aktienmarkt. Der Dax fiel erstmals seit Ende August vergangenen Jahres wieder unter die wichtige Marke von 12.000 Punkten. Ende Januar lag der Deutsche Aktienindex noch bei 13.597 Punkten. Neben dem drohenden weltweiten Handelskonflikt macht sich dabei auch die Ungewissheit über die Geldpolitik der amerikanischen Notenbanken bemerkbar.

          Große Stahlunternehmen und Verbände protestierten ebenfalls heftig gegen die Pläne. Der Autobauer Toyota warnte zudem vor höheren Fahrzeugpreisen auf dem amerikanischen Markt.

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