https://www.faz.net/-gpf-9tj3q

Die Familie des Präsidenten : Wahlkampf mit Trump Junior

  • -Aktualisiert am

Donald Trump jr. im Oktober in San Antonio Bild: AP

In der Familie von Präsident Donald Trump hat fast jeder seine Aufgabe. So ist Donald Trump jr. auf Wahlkampftour, während Schwester und Schwager direkt im Weißen Haus arbeiten. Zielgruppe sind besonders junge Leute.

          4 Min.

          Nummer Eins auf der Bestseller-Liste der „New York Times“: Was viele berühmte Autoren ihr Leben lang nicht schaffen, das gelang Donald Trump jr. aus dem Stand. Sein Buch „Triggered: How the Left Thrives on Hate and Wants to Silence Us“ (zu deutsch etwa: „Leicht erregbar. Wie die Linke von Hass lebt und uns mundtot machen will“) richtet sich an all jene, die politische Gegenrede als Zensurversuch darstellen und Andersdenkenden gern unterstellen, sie „empörten“ sich zu viel.

          Der Präsident schwärmte bei Twitter vom literarischen Erfolg des Juniors. Aber ein kleines Kreuz neben dem Titel machte den Triumph schnell zunichte. Es steht für eine „Verbindung zu Sonderinteressen und Institutionen, oder Massenaufkäufe“, so die „Times“. Das Republikanische Nationalkomitee bot Spendern von mehr als 50 Dollar ein signiertes Exemplar des Buches an – und Trump wurde kritisiert, weil er als Präsident wieder einmal Werbung machte.

          Angebliche Denk- und Sprechverbote

          Die Streitschrift des Juniors handelt von den Auseinandersetzungen mit Linken, zwischen College-Studenten und bei Twitter. Lieblingsthemen der Rechten werden abgearbeitet – wie zum Beispiel der Skandal um Jussie Smollett, einen schwarzen Schauspieler, der einen rassistischen Angriff auf sich selbst vorgetäuscht haben soll. Was die über den Einzelfall hinausgehende Aussage dieses Ereignisses sein soll, bleibt auch hier ungeklärt.

          Der Präsidentensohn hat nicht die Aufgabe, konkrete Politikfelder zu verhandeln. Auch im Buch konzentriert er sich vor allem auf das Feld der politischen Kultur und lamentiert seitenlang über angebliche Denk- und Sprechverbote.

          „Don jr.“, wie viele Amerikaner ihn nennen, tourt zur Zeit durch die Talkshows und Podcasts des Landes. Seine Zielgruppe sind besonders jüngere Weiße, die zwar nicht restlos überzeugt von Trump sein mögen, aber von denen viele die politische Kultur in Washington misstrauisch bis verächtlich betrachten. Die Wählerbasis des Präsidenten, der besonders unter weißen Männern seine Anhänger findet, darf nicht schrumpfen, wenn er 2020 wiedergewählt werden will. Bei den Midterm-Kongresswahlen beteiligten sich 62,2 Millionen Menschen unter 53 und 60,1 Millionen, die älter waren. Junge Wähler sind also auch für Trump besonders wichtig. Weiße Männer unter 38 Jahren sind laut dem Pew Research Center die einzige Gruppe, in der die Republikaner in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse verbuchen konnten.

          Am besten wäre es für Trump, wenn sich diese Basis erweitern ließe – und da setzt seine Kampagne offenbar auf Don jr., der auch die jüngsten Wähler ansprechen soll. „Digital Natives“, die mehr mit Youtube und Podcasts aufwachsen als mit traditionellen Medien, lassen sich nicht unbedingt über Fox News gewinnen. Und so will der Sohn auch solche Millennials ansprechen, die sich sonst eher den Demokraten zuordnen.

          Vorwurf politischer Korrektheit

          Einer der Kerninhalte ist wie so oft der Vorwurf der „Identitätspolitik“ und „politischer Korrektheit“ auf Seiten der Linken. Trumps Sohn könnte bei jenen landen, die zwar einzelne linke Forderungen unterstützen, die aber empfänglich für Rassismus und Frauenverachtung sind und den Kampf dagegen als Angriff auf ihre Meinungsfreiheit bezeichnen. Selbst innerhalb der Linken und Liberalen gibt es immer mehr Blogger und Meinungsmacher, die das afroamerikanische Slangwort „woke“ zu einem Negativlabel für alles machen, was ihnen politisch nicht passt. Als „woke“ werden oft Menschen bezeichnet, die politische Probleme verstehen, die sie selbst nicht unmittelbar betreffen. Ähnlich wie „politisch korrekt“ ist es aber mittlerweile eher ein Schimpfwort.

          Weitere Themen

          Wollt Ihr das? Video-Seite öffnen

          F.A.Z. Woche : Wollt Ihr das?

          Über die schwarze Null ist ein Streit entbrannt. Die F.A.Z. Woche fragt: Muss Deutschland wirklich wieder Schulden machen?

          Topmeldungen

          Hoffnung auf Einigung : Trump bläst den Handelskrieg ab

          Der Präsident meldet, ein Kompromiss mit China im Handelsstreit sei kurz vor dem Abschluss: „Sie wollen es, und wir wollen es auch!“

          Klima-Doku „Steigende Pegel“ : Das Meer kommt

          Drei Millimeter pro Jahr steigt das Meer zurzeit, das klingt für viele Menschen nach gar nichts. Was es wirklich bedeutet, zeigt die Dokumentation „Steigende Pegel“ bei 3sat. Die Folgen sind schon jetzt dramatisch.
          Das war einmal eine Tankstelle in Teheran. Sie wurde bei den Protesten zerstört, Benzin gibt es sowieso nur noch zur Phantasiepreisen.

          Proteste in Iran : Niemand weiß, wie viele starben

          Seit Wochen protestieren die Iraner gegen ihre Regierung, die sie vergessen hat. In den sozialen Netzwerken tobt ein Sturm. Was als Probeaufstand eingefädelt war, wurde zur Explosion in der Armutsfalle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.