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Trump in Tokio : „Ich will Iran nicht schaden“

  • Aktualisiert am

Präsident Trump bei einer Pressekonferenz mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe in Tokio Bild: Reuters

Bei einer Pressekonferenz mit Japans Ministerpräsident Abe schlägt Trump gegenüber Teheran fast schon versöhnliche Töne an: Sein Ziel sei kein Führungswechsel, sondern „dass es keine Atomwaffen gibt“.

          Präsident Donald Trump hat betont, keinen Regimewechsel in Iran anzustreben. „Wir blicken nicht auf einen Regimewechsel, das möchte ich klarmachen“, sagte Trump am bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe am Montag in Tokio. „Ich will Iran nicht schaden.“ Er wolle lediglich verhindern, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelange. Trump fügte hinzu, dass er mit „einem Deal“ mit Teheran rechne. Japan ist bereit, in dem Konflikt zu vermitteln.

          „Wir möchten alles tun, was wir können“, sagte Abe nach politischen Gesprächen mit Trump. Die Spannungen müssten gedämpft werden. „Wir möchten alles tun, was wir können“, sagte Abe nach politischen Gesprächen mit Trump. Japan unterhält ein gutes Verhältnis zu Teheran. „Niemand will sehen, dass furchtbare Dinge passieren.“ Er wisse, dass Japan und insbesondere Abe einen engen Draht zur Führung in Teheran hätten, sagte Trump bereits vor dem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten. „Niemand will sehen, dass furchtbare Dinge passieren.“

          Setzen sich die Falken durch?

          Vergangene Woche hatte Trump Iran noch mit Vernichtung gedroht. Die amerikanische Regierung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt vor einer akuten „Bedrohung“ für ihre Truppen in der Region gewarnt.

          Die Vereinigten Staaten waren vor einem Jahr aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran ausgestiegen und hatten neue Sanktionen verhängt. Iran erklärte seinerseits am Jahrestag des Ausstiegs Amerikas aus dem Atomabkommen, bestimmte Bestimmungen des Deals nicht mehr einzuhalten.

          Mit einer Politik des „maximalen Drucks“ wollen die Vereinigten Staaten Iran offiziell zu Verhandlungen über ein neues umfassenderes Abkommen zwingen. Es besteht aber die Sorge, dass es Falken wie Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton in Wahrheit um den Sturz der Regierung in Teheran geht.

          Trump über Kim: „Er ist ein sehr kluger Mann“

          In der Frage der Atombewaffnung Nordkoreas hofft Trump weiterhin auf ein Einlenken des Machthabers Kim Jong-un. Kim wisse, dass sein Land ein enormes wirtschaftliches Potential habe, sagte er bei der Pressekonferenz mit Abe. „Er ist ein sehr kluger Mann.“ Kim wisse auch, dass die Atomwaffen der wirtschaftlichen Entwicklung im Wege stünden. „Wir hoffen gemeinsam, dass Kim die Möglichkeit nutzen wird, sein Land durch Denuklearisierung zu transformieren“, sagte Trump.

          Die jüngsten Tests kleinerer Raketen in Nordkorea, die Trumps Sicherheitsberater John Bolton als Verletzung von UN-Sanktionen eingestuft hatte, hält Trump nicht für wesentlich. Seit zwei Jahren habe es keine Atomtests mehr in Nordkorea gegeben.

          Abe ist jedoch anderer Meinung als Trump. Die Raketentests stellten eine Verletzung von UN-Resolutionen dar und seien höchst bedauerlich. Japan sieht sich durch Nordkoreas Raketen- wie auch Atomprogramm unmittelbar bedroht.

          Der erste, der Kaiser Naruhito trifft

          Dennoch bekräftigte Abe, die Sicherheitsallianz Amerika sei „unerschütterlich“. Japan und Amerika stimmten in ihrer Politik bezüglich Nordkorea vollkommen überein. Er wolle Kim Jong-un „ohne Bedingungen“ persönlich treffen, um das Problem der Entführung von Japanern in den 1970er und 1980er Jahren durch Nordkorea zu lösen, sagte Abe. Trump habe ihm seine Unterstützung zugesagt.

          Im Jahr 2002 hatte Nordkorea gestanden, 13 Menschen verschleppt zu haben. Für Tokio ist die Frage der Entführungen das größte Hindernis, um die  Beziehungen zu normalisieren. Die Verschleppten sollten Spionen Japanisch beibringen und ihnen helfen, sich wie Japaner zu verhalten.

          Ein weiteres wichtiges Thema zwischen Trump und Abe war auch der Handel. Beide einigten sich darauf, ihre bilateralen Verhandlungen über ein Handelsabkommen zu beschleunigen, damit beide Seiten davon profitieren, so Abe.

          Trump ist das erste Staatsoberhaupt, das von Japans neuem Monarchen, Kaiser Naruhito,  empfangen wurde. Naruhito ist seit 1. Mai auf dem Thron. Am Vortag hatten Trump und Abe Golf gespielt und Cheeseburger gegessen. Am Abend nahm Trump beim traditionsreichen Sommerturnier am Rande des Ringes Platz - und überreichte anschließend dem Sieger einen Pokal.

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