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Cheney verliert Vorwahl : Der Kampf gegen Trump geht weiter

„Lasst uns beschließen, dass wir zusammenstehen werden – Republikaner, Demokraten, Unabhängige“: Die Republikanerin Liz Cheney spricht am Dienstag in Wyoming. Bild: AP

Eine der lautesten Trump-Kritikerinnen verliert ihren Sitz im Repräsentantenhaus. Den früheren Präsidenten will sie weiter scheitern sehen – und verhindern, dass er noch einmal ins weiße Haus einzieht.

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          In der Dämmerung von Wyoming stand Liz Cheney auf einer Ranch. Noch bevor die letzten Stimmen ausgezählt waren, räumte sie ihre Niederlage in der Vorwahl des Bundesstaates ein. Die Repu­blikanerin, die seit 2017 für Wyoming im Repräsentantenhaus sitzt, musste wissen, was auf sie zukommt. Sie hatte vergangenes Jahr für eine Amtsenthebung Donald Trumps gestimmt. Sie ist auch die stellvertretende Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Sturm auf das Kapitol – eine von zwei Republikanern in dem neunköpfigen Komitee. Mehrfach leitete sie in den vergangenen Monaten die öffentlichen Sitzungen. In ihnen zeigte der Ausschuss auf, wie Trump Gewalt in Kauf nahm, um an der Macht zu bleiben.

          Sofia Dreisbach
          Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In Wyoming nun zeigte sich am Dienstag der Einfluss des früheren Präsidenten auf die Republikanische Partei noch einmal deutlich. Dabei ging es nicht nur um den Sieg der von Trump unterstützten Kandidatin Harriet Hageman. Es ging auch darum, wie sehr die republikanischen Wähler die Trump-Kritikerin Cheney abstrafen würden. Die Antwort im konservativen Wyoming, wo 2020 siebzig Prozent für Trump gestimmt hatten, war deutlich. Vor zwei Jahren noch vereinte die 56 Jahre alte Cheney 73 Prozent der Stimmen auf sich. Am Dienstag waren es nur knapp 29 Prozent – und 37 Prozentpunkte Abstand zur klaren Siegerin Hageman. In ihrer Rede gab sich Cheney dennoch kämpferisch. Ihr Ziel ist es jetzt mehr denn je, zu verhindern, dass Trump noch einmal Präsident wird.

          Es sei klar gewesen, wie sie ihren Sitz im Repräsentantenhaus abermals hätte halten können, sagte sie – indem sie Trumps „Lüge über die Wahl 2020“ verbreitet. Doch kein Posten sei wichtiger als „die Grundsätze, die wir alle geschworen haben zu beschützen“. Amerika, sagte die Tochter des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney, rase wieder einmal „in Richtung Krise, Gesetzlosigkeit und Gewalt“. Cheney ist die vierte republikanische Abgeordnete, die in den Vorwahlen ihren Sitz im Repräsentantenhaus verliert, nachdem sie im vergangenen Jahr für eine Amtsenthebung Trumps gestimmt hatte. Im ersten Verfahren 2019 hatte Cheney noch dagegen gestimmt.

          „Unsere Nation darf nicht von einem Mob regiert werden“

          In ihrer Ansprache nahm die Republikanerin auch Bezug auf die Durchsuchung von Trumps Anwesen Mar-a-Lago in der vergangenen Woche. Trump habe „gezielt und bösartig“ die Namen von FBI-Beamten veröffentlicht, die an den Durchsuchungen beteiligt waren. „Kein patriotischer Amerikaner sollte diese Drohungen entschuldigen oder sich von ihnen einschüchtern lassen“, so Cheney.

          „Unsere Nation darf nicht von einem Mob regiert werden, der über die sozialen Medien gerufen wurde.“ Die Arbeit, rief sie ihrem Wahlkampfteam zu, sei noch lange nicht getan. Sie werde „alles“ tun, um eine Rückkehr Trumps ins Weiße Haus zu verhindern. Cheney spielt offenbar mit dem Gedanken, selbst als Präsidentschaftskandidatin anzutreten. Eine Entscheidung darüber werde sie in den kommenden Monaten treffen, sagte sie im Sender NBC.

          Am Mittwoch berichtete die Nachrichtenplattform „Politico“ unter Berufung auf einen Sprecher Cheneys, sie werde sich jetzt verstärkt dem Kampf gegen Trump widmen. So werde Cheney in den kommenden Wochen eine Organisation gründen, die die „Amerikaner über die fortbestehende Bedrohung unserer Republik“ aufklärt und Kräfte vereint, „um sich jeder Präsidentschaftskampa­gne von Donald Trump zu widersetzen“.

          Hageman, Cheneys Herausforderin in Wyoming, war bislang kaum über Wyoming hinaus bekannt. Sie hatte sich im Wahlkampf die Wut der Trump-Anhänger zunutze gemacht und mit dem Narrativ der „gestohlenen Wahl“ für sich getrommelt. Hageman ist Anwältin und arbeitet bei der „New Civil Liberties Alliance“ in Washington, die über sich selbst schreibt, sie schütze die „verfassungsmäßigen Freiheiten vor staatlichem Machtmissbrauch“.

          Wenige Tage vor der Wahl hatte die 59 Jahre alte Hageman vor Wählern gesagt, man müsse die Regierung in Washington „zu weiten Teilen irrelevant machen in unserem Alltag“. In ihrer von lautem Jubel begleiteten Siegesrede äußerte Hageman, Wyoming habe im Namen aller gesprochen, die verstünden, dass ihre Regierung eine Regierung des Volkes sei. Hagemans Sieg gegen Cheney, die aus einer mächtigen politischen Familie mit engen Verbindungen zum Par­teiestablishment der Bush-Ära stammt, spiegelt den Wandel der Repu­blikaner wider. Inzwischen stehen dort die Kandidaten im Mittelpunkt, die ihre Loyalität zu Donald Trump hervorheben, auch wenn nicht jeder der vom früheren Präsidenten unterstützten Kandidaten in den Vorwahlen erfolgreich war.

          Cheney bekräftigte in ihrer Rede am Dienstagabend, sie sei eine „konservative Republikanerin“. Dann wandte sie sich, ganz im Stile einer Kandidatin für das höchste Amt, an alle Bürger ihres Landes: „Lasst uns beschließen, dass wir zusammenstehen werden – Republikaner, Demokraten, Unabhängige – gegen diejenigen, die unser Land zerstören wollen.“

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