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Nächster Wahlkampf in Amerika : Der Trumpf der Demokraten heißt Trump

  • -Aktualisiert am

Donald Trumps Umfragewerte sehen momentan nicht gut aus. Bild: AFP

Sind die Demokraten in Amerika wieder auf dem Weg zurück zur Macht? Bald beginnt der Wahlkampf für die Kongresswahlen – und Meinungsforscher sehen sie gegenüber den Republikanern im Vorteil. Das liegt auch an den vielen Kandidatinnen.

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          Als der Demokrat Doug Jones im Dezember die Senats-Nachwahl in Alabama knapp gewann, wusste er, wem er seinen Sieg zu verdanken hatte: „Die afroamerikanische Community, danke, meine Freunde in der Latino-Community, danke, meine jüdischen Freunde, frohes Hanukkah,“ sagte er in seiner Siegesrede. Schwarze Wähler waren in größerer Zahl zur Wahl gegangen als sonst, und 96 Prozent von ihnen hatten für Jones gestimmt. „Die afroamerikanischen Wähler und besonders die schwarzen Frauen haben die Demokratie gerettet – und das Mindestmaß an menschlichem Anstand gleich mit“, sagte Kommentatorin Kerra Bolton bei CNN.

          Es war eine besonders zugespitzte Situation, weil der von Präsident Trump bis zuletzt unterstützte Republikaner Roy Moore sich nicht nur gegen Vorwürfe der sexuellen Übergriffe gegen Teenager verteidigen musste, sondern auch mit rassistischen Bemerkungen für Furore gesorgt hatte. Die Mehrheit der weißen Wähler schreckte das allerdings nicht. Die Wahl in Alabama zeigte vor allem eines: Für die Demokraten kommt es auf die Mobilisierung an – die Menschen, die die Partei vertreten will, müssen auch zur Wahl gehen.

          Auffällig viele Frauen kandidieren für Demokraten

          Die Opposition gegen Donald Trump hofft für die „midterm elections“, die Kongresswahlen im November, genau darauf. Personell sieht es zwar an der Spitze der demokratischen Partei nicht rosig aus – ein charismatischer, nicht zu alter Gegenkandidat für Donald Trump im Jahr 2020 ist noch nicht gefunden. Doch in den Bundesstaaten gibt es viele Menschen, die sich engagieren und sich für politische Ämter aufstellen lassen. Besonders Frauen, die gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil politisch deutlich unterrepräsentiert sind, kandidieren öfter für Regional- und Landesparlamente als vor Donald Trumps Wahl. Laut der Organisation „Emily’s List“, die mehr Frauen in politische Positionen bringen will, gab es noch nie so viele Interessentinnen – und die kandidieren besonders häufig für die Demokraten.

          Das weist auf einen Mobilisierungsvorteil für die Partei hin. In Virginia gewann der Demokrat Ralph Northam im vergangenen November die Wahl zum Gouverneur mit neun Prozentpunkten Vorsprung, im dortigen Landesparlament gab es historische Zugewinne für die Demokraten: 11 der 15 Sitze, die sie den Republikanern abnehmen konnten, gingen an Frauen, die von „Emily’s List“ unterstützt wurden. „Die einzigen, die im Moment wirklich enthusiastisch sind, sind die Leute in der Opposition gegen Donald Trump“, sagt Christopher Borick, Politikwissenschaftler und Direktor des Instituts für Meinungsforschung am Muhlenberg College in Allentown, Pennsylvania. „Ein Mann ist aufgestanden und hat gezeigt, dass seine Führerschaft mächtig genug ist, um die demokratische Partei zu einen. Dieser Mann ist Donald Trump“, beschrieb die „Brookings Institution“ jüngst die Stimmung im Lande.

          Überraschend gewann der demokratische Kandidat Doug Jones im Dezember den Senatssitz für Alabama – gegen den von Trump unterstützten Repbulikaner Roy Moore.

          Viele sprechen dieser Tage denn auch von einer möglichen „wave election“ für die Demokraten, einer Welle von Siegen also, die die Mehrheiten im Kongress umkehren könnte. Im Senat wird das schwierig, weil dort nur ein Drittel der Sitze zur Wahl stehen wird – viele davon aus Staaten, die Donald Trump 2016 mit einem zweistelligen Vorsprung gewonnen hat. Im Repräsentantenhaus ist es schon wahrscheinlicher, dass die Demokraten gewinnen können, weil dort alle 435 Plätze neu besetzt werden. Sie benötigen 24 Sitze mehr als bislang, um die 2010 verlorene Mehrheit in der Abgeordnetenkammer zu erlangen.

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