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Dominique Strauss-Kahn : Sozialist mit Hang zur Schickeria

Strauss-Kahn bei einem Treffen mit Studenten in Uruguay im März 2011 Bild: dpa

Das Strafverfahren gegen „DSK“ wirbelt alle Szenarien für den Präsidentschaftswahlkampf durcheinander. Auch Sarkozy bereitete sich schon darauf vor, gegen den Mann ins Rennen zu ziehen, dessen internationale Karriere er begründet hatte.

          5 Min.

          Sollte „Kassandra“ doch recht behalten? Vor einem Jahr warnte eine anonyme Autorin namens „Cassandre“ die Franzosen vor den vermeintlichen Charakterschwächen Dominique Strauss-Kahns. Der Hoffnungsträger der Sozialistischen Partei sei für das höchste Staatsamt ungeeignet, orakelte „Kassandra“. Denn der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) habe seinen unersättlichen Appetit nach Frauen nicht unter Kontrolle. Überhaupt sei er den Sinnenfreuden zugetan, wie es sich für einen lauteren Staatsmann nicht ziere. „DSK - Die Geheimnisse eines Präsidentschaftsanwärters“ lautet der Titel des Buches, das führende Sozialisten schnell als schmutziges Pamphlet aus der Feder politischer Gegner ausmachten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Doch enthält die Schrift zu viele Detailinformationen über Lebensstil und Entourage des 62 Jahre alten Sozialisten, um von einem Außenstehenden geschrieben worden zu sein. „Kassandra“ schildert erhellend das Krisenmanagement der Affäre „Piroska“, die Strauss-Kahns PR-Berater und Imagewächter im Herbst 2008 an die Grenze ihrer Fähigkeiten brachte. Prioska M. Nagy hieß die wohlgestalte Mitarbeiterin beim Währungsfonds, auf die der Vorgesetzte Strauss-Kahn ein Auge geworfen hatte.

          Dominique Strauss-Kahn habe ihr unangemessene Avancen gemacht, schrieb die aus Ungarn stammende Volkswirtin später an ihren Anwalt, auf die sie trotz ihres langen Berufslebens unvorbereitet gewesen sei. „Es ist unbestreitbar, dass Monsieur Strauss-Kahn seine Position ausgenutzt hat, um sich an mich heranzumachen“, schrieb Frau Nagy. Die verheiratete Volkswirtin ließ sich nach „einem kurzen Abenteuer“ mit dem IWF-Chef nach London versetzen. Die hintergangene Ehefrau Strauss-Kahns, die bekannte Fernsehjournalistin Anne Sinclair, sprach ihn in vorauseilender Solidarität von Vorwürfen frei. „Ich liebe ihn wie am ersten Tag“, schrieb sie in ihren Internetblog.

          Kurze Zeit später, Ende Oktober 2008, entlastete der IWF-Verwaltungsrat den Generaldirektor. Strauss-Kahn sei kein Amtsmissbrauch nachzuweisen, schloss der Verwaltungsrat die Angelegenheit. Auf ein so schnelles glimpfliches Ende kann Strauss-Kahn dieses Mal nicht hoffen. Es gilt zwar die Unschuldsvermutung, wie die Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Martine Aubry, betonte. „Wir hoffen alle, dass es nicht wahr ist“, sagte Francois Hollande, der für die Vorwahlen kandidiert. Aber die Zeit der Ermittlungen fällt in die Zeit der Entscheidungen in der Sozialistischen Partei. Strauss-Kahn kann in den verbleibenden Wochen bis zum Ablauf der Frist für die sozialistischen Vorwahlen Mitte Juli seinen Leumund nicht retten.

          Paris brodelt seit Wochen

          Auch steht in Frage, ob er das amerikanische Staatsgebiet während der Ermittlungen der amerikanischen Justiz wird verlassen dürfen. Wie soll er unter diesen Umständen die sozialistischen Sympathisanten für sich gewinnen? Zumal Paris schon seit Wochen vor Gerüchten über den legendären Sexualtrieb des Frauenhelden Strauss-Kahn brodelt. Von seinem einwöchigen Aufenthalt in der Hauptstadt - die Strauss-Kahns haben eine Luxuswohnung am berühmten Place de Vosges im Herzen von Paris - blieben Fotos, wie er in einen schwarzen Porsche Panamera steigt und mit gedämpfter Stimme erzählte „Geheimnisse“ über DSKs sexuelle Jagdstrecke.

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