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Dominic Raab : Wer regiert jetzt Großbritannien?

Dominic Raab ist seit Juli 2019 Außenminister von Großbritannien. Von Juli bis November 2018 war der Konservative zudem Minister für den Austritt aus der Europäischen Union. Bild: AFP

Dominic Raab ist Boris Johnsons Wunsch-Vertretung. Der Außenminister bezeichnet sich als „neuer Konservativer“ und war früh für den Brexit. Sein Stil unterscheidet sich fundamental von dem des Premierministers.

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          Er werde den Premierminister „vertreten, wo nötig“, sagte Dominic Raab, als er am Montagabend sichtlich angespannt neben einem Union Jack in die Kamera sprach. So habe ihm das Boris Johnson aufgetragen, bevor er auf die Intensivstation verlegt wurde. Ob der britische Außenminister damit im Vollbesitz der Regierungsmacht ist, ist nicht ganz klar. Er betonte lieber den „großen Teamgeist“ im Kabinett und sagte, die Regierung werde Johnsons Kurs im Kampf gegen die Pandemie fortsetzen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Premierminister ist Raab damit nicht, aber doch so etwas wie der amtierende Regierungschef. Damit fiel ihm unter traurigen Umständen die Aufgabe zu, die er im vergangenen Jahr aktiv angestrebt hatte. Nach dem Rücktritt Theresa Mays hatte er sich mit einer Reihe weiterer Kandidaten um den Parteivorsitz bei den Konservativen beworben, schied dann aber in den Vorwahlen aus. Daraufhin unterstützte er die Kandidatur Johnsons, der ihn nach seinem Sieg in der Urwahl mit dem Amt des Außenministers belohnte.

          Dafür brachte Raab einige Erfahrungen mit. Der Sohn eines tschechisch-jüdischen Flüchtlings, der 1938 ins Vereinigte Königreich gekommen war, arbeitete nach dem Jurastudium in Oxford und Cambridge zunächst als Anwalt, bevor er im Alter von 26 Jahren in den diplomatischen Dienst eintrat. Er war in der britischen Botschaft in Den Haag stationiert und später im Foreign Office in London, wo er unter anderem im EU-Referat diente. Sechs Jahre später wechselte er in die Politik und arbeitete dort einem Mann zu, den er viele Jahre später im Brexit-Ministerium beerben sollte: David Davis, damals Schatteninnenminister.

          Nach der Parlamentswahl von 2010, die ihm sein erstes Abgeordnetenmandat eintrug, wurde Raab schnell zu den Nachwuchshoffnungen bei den Tories gezählt, musste sich aber gedulden, bis ihm der Weg in die Regierung eröffnet wurde. 2015 wurde er schließlich Staatssekretär im Justizministerium unter Michael Gove, der nun als Kabinettsbürominister darunter leidet, dass der junge Raab und nicht er die Regierung führen darf.

          Mit dem 46 Jahre alten Raab, der seit Montag die Corona-Sondersitzungen des Kabinetts leitet, zieht ein anderer Führungsstil ein. Wo Johnson mit fröhlichem Elan motivierte und Spannungen im Zweifel mit einem Witz auflöste, tritt nun eine kühle Strenge in den Raum. Etwas Stählernes, Maschinenhaftes wird Raab von früheren Mitarbeitern bescheinigt. Dazu passen seine funktionalen Essgewohnheiten. Jeden Mittag bestellt er denselben Lunch: ein Baguette mit Geflügel und Ceasar-Salad, ein Obstsalat und ein Vitamin-Smoothie.

          Raab, der mit einer brasilianischen IT-Spezialistin verheiratet ist und zwei Kinder hat, wird eher auf dem rechten Flügel der Tories verortet. Das hat vor allem mit seinem frühen und leidenschaftlichen Eintreten für den Brexit zu tun. Als „neuer Konservativer“ sprach er sich für Deregulierungen und niedrigere Steuern aus, allerdings auch für mehr soziale Mobilität. Manchen ist auch noch in Erinnerung, dass er gegen Quoten für Frauen oder ethnische Minderheiten argumentiert hat.

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