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Neuer Minister Raab : Dieser Mann soll May den Brexit retten

Theresa Mays Neuer für den Brexit: Dominic Raab Bild: EPA

Liberal, aber gegen Frauenquote. International orientiert, aber für den Brexit: Dominic Raab gehört zur neuen Generation der Konservativen. Vielleicht ist er genau deshalb die erste Wahl für das Brexit-Ministerium.

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          Zu den wenigen Dingen, die man über Dominic Raab weiß, gehört seine Angewohnheit, jeden Mittag das gleiche Lunch zu bestellen: ein Baguette mit Geflügel und Caesar Salat, einen Obstsalat und einen Vitamin-Smoothie. Mit 44 Jahren gehört er der „neuen Generation“ der Konservativen an, von der die Premierministerin Theresa May spricht und die nicht nur in Ernährungsfragen eigene Wege geht.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Raab ist gesellschaftspolitisch liberal eingestellt und tritt für soziale Mobilität ein, wirbt aber gegen Quoten für Frauen oder ethnische Minderheiten. Er ist Verfechter internationaler Rechtsnormen und sprach sich zugleich für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union aus. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die ihn nun zur ersten Wahl für die Nachfolge im britischen Brexit-Ministerium werden ließ.

          Er arbeitete Davis zu

          Geboren wurde Raab in der südenglischen Grafschaft Buckinghamshire, als Sohn eines tschechisch-jüdischen Flüchtlings, der 1938 ins Vereinigte Königreich geflohen war. Nach dem Rechtsstudium an den Universitäten von Oxford und Cambridge arbeitete er zunächst als Anwalt in einer großen Londoner Sozietät, bevor er im Jahr 2000 in den diplomatischen Dienst eintrat. Dort arbeitete er in der britischen Botschaft in Den Haag und später im Foreign Office in London, wo er unter anderem im EU-Referat diente. 2006 wechselte er in die Politik und arbeitete dem Mann zu, den er nun im Brexit-Ministerium ersetzen soll: David Davis, damals Schatteninnenminister.

          Nach den Wahlen von 2010, die Raab sein erstes Parlamentsmandat im Unterhaus eintrugen, wurde er schnell zu den Hoffnungsträgern gezählt. Er musste sich aber gedulden. Erst nach den Wahlen des Jahres 2015 wurde er Staatssekretär im Justizministerium unter Michael Gove, der nun als Umweltminister neben ihm sitzt und sich als führender Austrittsbefürworter wohl selber Chancen auf das Brexit-Ministerium ausgerechnet hatte.

          Er muss Vertrauen schaffen

          Nachdem die Premierministerin im vergangenen Jahr Raab als zweiten Mann in das Wohnungsbauministerium geschickt hatte, war es um ihn stiller geworden. Er musste sich mit kleineren Affären herumplagen und war mit den Folgen des Londoner Grenfell-Tower-Unglücks beschäftigt.

          Nun steht Raab, der mit einer brasilianischen IT-Spezialistin verheiratet ist und zwei Kinder hat, mit einem Schlag im Zentrum der britischen Politik. Noch bevor er sich mit seinem Dossier vertraut machen und erste Kontakte in die EU-Verhandlungsdelegation unter Michel Barnier knüpfen kann, muss er seine Basis im Königreich absichern. Nicht wenige konservative Brexiteers sehen in Davis’ Rücktritt einen heroischen Akt und blicken entsprechend misstrauisch auf den Nachfolger.

          Raab muss gegen Davis’ Verdikt ankämpfen, dass die neue Brexit-Linie der Regierung das Königreich in eine „schwache Verhandlungsposition“ bugsiert habe. Die erste Botschaft, die Raab am Montag verkündete, richtete sich denn an die Brexiteers: Diese, sagte er, sollten sich darauf einstellen, dass der Weg zum Ausstieg aus der Europäischen Union „steinig“ werde und noch „länger dauern“ könne.

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