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Diskriminierung in Asien : Bedrängte Christenheit

Sie können das Leid nachempfinden: Pakistanische Christen beten in Lahore für die Opfer des islamistischen Anschlags im April 2019 auf Kirchen in Sri Lanka. Bild: dpa

Christen und andere religiöse Minderheiten in Pakistan werden oft diskriminiert und sogar verfolgt. Trotzdem versuchen Vertreter von Islam und Christentum miteinander zu reden.

          8 Min.

          Auf einmal ist alles voller Rosenblüten. Dutzende, Hunderte rosafarbene Blätter rieseln herab, hochgeworfen von Kinderhänden. Sie wirbeln durch die schwüle Abendluft, legen sich auf Kopf und Kleidung, bleiben an Haaren, Nase, Mund und Armen kleben. Immer mehr Blätter sind es, fast schon fällt das Atmen schwer vor lauter Rosenblüten im Gesicht. Endlich ist das Ende des Spaliers erreicht, das die etwa zwanzig Knaben in ihren strahlend weißen Hemden in der dunklen Seitengasse bilden. Dort steht, mit nicht minder strahlendem Lächeln, Ashiq Hussain Shah, in den Händen ein paar nelkengelbe Blütenkränze, die er den Gästen prompt um den Hals wickelt. Willkommen in Lahore, dröhnt er, willkommen in der Madrasa Bait ul Quran!

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Über eine Treppe führt Ashiq Hussain in den Keller der Koranschule. Dort befindet sich ein großer Raum mit grünem Teppich, die Wände voller Bücherregale, an der Decke Ventilatoren. Auf einem Tisch in der Mitte ist ein Buffet aufgebaut. Die christlichen Freunde des Muftis sind zu Gast, da muss ein Festmahl aufgetischt werden. Der Besuch ist aber auch und vor allem eine Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen, was in Pakistan stets „interfaith harmony“ genannt wird – die Entsprechung zum deutschen „interreligiösen Dialog“, nur dass das Ergebnis gewissermaßen schon im Namen vorweggenommen ist: „Harmonie“ soll herrschen zwischen den Religionen in dem südasiatischen Land. Das ist die Theorie. In der Praxis würden Politiker, Menschenrechtsaktivisten und religiöse Würdenträger wohl nicht so ostentativ ein auskömmliches Miteinander von Menschen unterschiedlichen Glaubens beschwören, wenn es nicht in dieser Hinsicht schwerwiegende Mängel gäbe.

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