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Erinnerung an Kolonialzeit : Diplomatische Krise nach Äußerung Macrons über Algerien

Emmanuel Macron Mitte September während einer Rede zum Gedenken an die Algerier, die an der Seite der französischen Kolonialtruppen gekämpft haben Bild: dpa

Algier sperrt seinen Luftraum für französische Flugzeuge und ruft den Botschafter zurück. Der Grund: Frankreichs Präsident hat die Erinnerungspolitik des Landes kritisiert und Visa-Regeln verschärft.

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          Algerien hat am Sonntag seinen Luftraum für französische Militärflugzeuge gesperrt. Die diplomatische Krise zwischen Frankreich und Algerien weitet sich damit aus. Der französische Truppentransport sowie Nachschubflüge in das Sahelgebiet werden dadurch beeinträchtigt. Aus dem Generalstab der französischen Armee in Paris hieß es, man sei von der Sperrung des Luftraums überrascht worden. Bereits am Samstag hat das algerische Präsidialamt seinen Botschafter in Frankreich, Mohamed Antar-Daoud, zu „Konsultationen“ nach Algier zurückbeordert. Grund für die Verärgerung in der algerischen Staatsführung ist die neue, restriktive Visa-Politik in Paris sowie Äußerungen Präsident Emmanuel Macrons zur algerischen Erinnerungspolitik.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bei einem Treffen mit 18 Jugendlichen mit algerischen Wurzeln oder doppelter Staatsbürgerschaft hatte Macron sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass die „offizielle Geschichte Algeriens“ nicht auf Tatsachen beruhe. Vor den „Enkeln des algerischen Unabhängigkeitskrieges“ betonte er, es gäbe in der algerischen Staatselite „einen Diskurs, der sich auf Hass auf Frankreich stützt“. Das Gespräch war auf Grundlage der Empfehlungen des Historikers Benjamin Stora organisiert worden, der einen Bericht zur „Erinnerung an die Kolonisierung und den Algerienkrieg“ vorgelegt hatte.

          Macron will den 60. Jahrestag der Verträge von Evian am 18. März 1962 zum Anlass nehmen, die Erinnerung zu befrieden. Unter den ausgewählten Jugendlichen waren Enkel von Unabhängigkeitskämpfern, Harkis (algerische Hilfssoldaten, die für Frankreich kämpften), französischen Algerien-Kämpfern sowie von Siedlern, die Algerien fluchtartig verlassen mussten.

          Auch ein Urenkel des französischen Generals Salan soll eingeladen worden sein. General Salan hatte gegen die Unabhängigkeitspolitik rebelliert und die Geheimorganisation OAS mitbegründet. Er war einer der Putschisten, die mit einem Staatsstreich die Macht in Algier an sich reißen wollten. Im Austausch mit der Enkelgeneration betonte Macron, dass die Selbsterzählung der algerischen Nation auf dem Vorwurf gründe, dass Frankreich schuld sei an allen Missständen. Daran habe sich auch 60 Jahre später nichts geändert.

          Algier: „Apologetische Version des Kolonialismus“

          Die Äußerungen des Präsidenten wurden von der Zeitung Le Monde nachgezeichnet und vom Elysée-Palast nicht dementiert. Die algerische Staatsführung teilte mit, sie verbitte sich „jede Einmischung“ in ihre inneren Angelegenheiten. Die Äußerungen Macrons liefen „allen Prinzipien einer möglichen Kooperation zwischen Frankreich und Algerien in Erinnerungsfragen“ zuwider, heißt es in einem Kommuniqué des algerischen Präsidialamtes.

          Algier hält Paris darin eine „apologetische Version des Kolonialismus“ vor. Bereits am Mittwoch hatte das algerische Präsidialamt den französischen Botschafter einbestellt, um sich über Visa-Beschränkungen zu beschweren. Da Algerien die Rückführung von Algeriern ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich herauszögert, hatte sich Paris zu einer allgemeinen Visa-Beschränkung als Druckmittel entschlossen.

          Zuletzt war der algerische Botschafter in Frankreich im Mai 2020 zurückbeordert worden, weil ein öffentlich-rechtlicher Sender positiv über die algerische Demokratiebewegung Hirak berichtet hatte.

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