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Digitalfestival in Texas : Politisches Schaulaufen mit Linksdrall

„AOC“ trat im größten Saal des Kongresszentrums der Stadt auf Bild: Reuters

Das Digitalfestival „South by Southwest“ ist in diesem Jahr politisch wie nie – aber dabei auch ziemlich einseitig. Wie sich in dem sonst so konservativen Texas eine liberale Blase auftut.

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          Nur wenige Tage nach den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 veröffentlichte Hugh Forrest einen Blogeintrag. Darin erzählte der Programmchef des „South by Southwest“-Festivals in Austin von der ersten großen Besprechung mit seinem Team nach der Wahl. „Ich kann mich an kein Treffen mit so viel Leidenschaft, Emotion und Gefühl erinnern wie dieses,“ schrieb er. Und er machte klar, wo seine Sympathien liegen: „Ich trauere noch immer über die Niederlage von Hillary Clinton.“ Und er schrieb von der Rolle, die das Festival dabei spielen könne, „einen progressiven Weg in die Zukunft zu bereiten“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          South by Southwest oder „SXSW“ ist traditionell alles andere als ein politisches Großereignis. Die Veranstaltung begann vor mehr als dreißig Jahren als kleine Musikkonferenz, im Laufe der Zeit kamen Schwerpunkte wie Film und Technologie hinzu, und Letzteres ist mittlerweile die dominierende Säule. In jüngster Zeit kamen aber auch zunehmend prominente Politiker nach Austin, und auch immer mehr Podiumsdiskussionen beschäftigten sich mit politischen Themen.

          2016 war der frühere Präsident Barack Obama da, im folgenden Jahr, nachdem Donald Trump das Amt übernommen hatte, gab es eine ganze Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Tech under Trump“, in der die Frage beleuchtet wurde, was auf die Technologiebranche nach dem Wechsel der Machtverhältnisse in Washington zukommen könnte. 2018 kam Senator Bernie Sanders, der sich 2016 um die Kandidatur der Demokratischen Partei beworben hatte und gegen Clinton verlor.

          Die liberale Oase

          In diesem Jahr hat Politik in Austin aber eine ganz neue Dimension erreicht. Das Festival hat sich diesmal als regelrechtes politisches Schaulaufen herausgestellt. Es gab eine Diskussionsreihe mit dem Namen „Gespräche über Amerikas Zukunft“, an der allein sechs Politiker der Demokratischen Partei teilnahmen, die sich um die Kandidatur bei den kommenden Wahlen 2020 bewerben: Elizabeth Warren, Amy Klobuchar, John Hickenlooper, Julián Castro, Jay Inslee und Pete Buttigieg.

          Das ist fast die Hälfte aller Politiker, die bislang ihren Hut für die Demokraten in den Ring geworfen haben. Den größten Rummel gab es freilich nicht um einen Präsidentschaftskandidaten, sondern um Alexandria Ocasio-Cortez, die 29 Jahre alte neue Kultfigur der Demokraten, die gerade zur jüngsten Kongressabgeordneten aller Zeiten in Amerika wurde.

          „AOC“, wie sie weithin genannt wird, trat im größten Saal des Kongresszentrums der Stadt auf und sprach vor vollem Haus. Sie gilt als eines der Aushängeschilder einer neuen linkspopulistischen Bewegung, die vor allem junge Menschen in Amerika begeistert – was auch eine Erklärung dafür sein dürfte, warum sie beim vergleichsweise jungen Publikum in Austin so gut ankam. Die Stadt gilt außerdem als liberale Oase im ansonsten konservativen Bundesstaat Texas.

          Eine satirische Aktion, bei der USB-Sticks gespendet werden können.

          Republikaner spricht vor fast leerem Saal

          Nicht nur Hoffnungsträger der Demokraten sind zum Festival gekommen. Auch Howard Schultz, der langjährige Vorstandsvorsitzende der Kaffeekette Starbucks, war vor Ort. Schultz ist zwar eigentlich Demokrat, überlegt aber, als unabhängiger Kandidat jenseits der beiden Parteien in das Präsidentschaftsrennen zu gehen. Es gab auch einige Republikaner: Zum Beispiel Bill Weld, den früheren Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts, der als erster Politiker seiner Partei gesagt hat, er erwäge, in einem Vorwahlkampf Donald Trump herauszufordern.

          Auch John Kasich war da, der 2016 aus dem Kreis der Republikaner einer der schärfsten Widersacher von Trump war und nicht ausgeschlossen hat, dass er im nächsten Jahr noch einen Anlauf nehmen könnte. Andere prominente Republikaner in Austin waren Verkehrsministerin Elaine Chao sowie Kevin McCarthy, der Sprecher seiner Partei im Abgeordnetenhaus in Washington.

          Insgesamt ist die Präsenz der Demokraten in Austin aber spürbar stärker. Das deckt sich schließlich auch mit den von Programmchef Forrest bekundeten politischen Sympathien. Forrest beteuert aber, die Organisatoren bemühten sich um Vertreter aller Parteien. Wie er der Zeitschrift „Texas Monthly“ sagte, sei es aber noch immer sehr schwer, ein politisch ausgewogenes Programm zusammenzubekommen, denn Vertreter der Republikaner lehnten Einladungen reihenweise ab.

          „Das funktioniert nicht so gut, wie wir das gerne hätten.“ Forrest sagte, er hoffe, das sich das im nächsten Jahr ändern werde, wenn Amerika näher an den Präsidentschaftswahlen ist. Aber selbst wenn mehr Republikaner kommen, heißt das längst nicht, dass sie zu auch zu Publikumsmagneten werden. Beim Auftritt von Bill Weld zum Beispiel herrschte gähnende Leere im Saal. Er hatte freilich auch einen besonders undankbaren Rednerplatz. Denn zeitgleich sprach AOC.

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