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Zustände in Flüchtlingslagern : „Einfachste menschliche Bedürfnisse werden nicht erfüllt“

  • -Aktualisiert am

Endstation Libyen: Migranten werden auf der Ladefläche eines LKW in ein Internierungslager im libyschen Küstenort Sabratha transportiert. Bild: Reuters

Es kommen weniger Flüchtlinge nach Europa. Das liegt auch daran, dass viele von ihnen in völlig überfüllten Flüchtlingslagern in der Ägäis und in Libyen stranden. Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ berichten von alarmierenden Zuständen.

          Die Flüchtlingszahlen in Deutschland und Europa sinken weiter, die Grenzkontrollen werden ausgebaut. Seit dem EU-Türkei-Abkommen im März 2016 ist die Migration über die östliche Mittelmeerroute eingedämmt. Zudem unterstützt die EU seit Februar 2017 die libysche Küstenwache – dabei, Migranten auf dem Mittelmeer abzufangen und sie anschließend nach Libyen zurückzubringen.

          Die EU-Grenzschutzagentur Frontex gab diesen Monat Zahlen heraus: Die illegalen Grenzübertritte 2018 hätten Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent abgenommen und bezifferten sich damit auf 150.114. Die Zahl der Ankommenden insgesamt sei sogar um 80 Prozent auf 23.000 zurückgegangen.

          Was in Europa als Erfolg gefeiert wird, führt jedoch zu einer enormen Belastung an den EU-Außengrenzen. Tausende Menschen sitzen in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln fest. In den libyschen Internierungslagern werden Migranten unter inhumanen Umständen gefangen gehalten: Auf engstem Raum, unter Gewalt sowie mit mangelnder Hygiene, Nahrung und medizinischer Versorgung. Ein Schicksal, das oft schlimmer ist, als der Weg über das Mittelmeer.

          Die Lager in Libyen seien überfüllt, die Zellen, in denen die Menschen eingesperrt werden, nicht groß genug und nicht ausreichend belüftet, berichtet „Ärzte ohne Grenzen“-Landeskoordinator Sam Turner, der in den offiziellen Internierungslagern der libyschen Regierung in Tripolis arbeitet. „Wenn man durch den Raum läuft, muss man über einen Teppich an Matratzen und persönlichen Gegenständen laufen. Dort schlafen die Menschen, dort essen sie, dort leben sie – und dort verbringen sie ihre ganze Zeit.“

          Verschiedene Hilfsorganisationen berichten von Gefangenen, die unter Unterernährung und Krankheiten aufgrund der mangelnden Hygiene leiden. Immer wieder kommt es laut einem Bericht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte und der UN-Mission in Libyen (Unsmil) zu gewalttätigen Übergriffen und Missbrauch durch Staatsbeamte sowie zu sexuellen Übergriffen auf Frauen und Mädchen. Migranten werden als leichte Opfer gesehen, ausgenutzt und erpresst. In den Lagern gelte Gesetzlosigkeit.

          Kein sicherer Hafen

          Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR werden momentan rund 5000 Flüchtlinge, Migranten und Asylsuchende in den offiziellen Internierungslagern festgehalten. In inoffiziellen Gefangenenlagern, kontrolliert von Schmugglerbanden und Menschenhändlern, seien es noch mehr. Die genaue Zahl ist nicht bekannt.

          Der Ärzte ohne Grenzen-Landeskoordinator für Libyen Sam Turner.

          Seit Anfang 2017 sind laut einem Bericht der UN-Mission in Libyen knapp 29.000 Migranten auf dem Weg über das Mittelmeer von der libyschen Küstenwache abgefangen, zurück geschickt und in den libyschen Internierungslagern festgehalten worden. Grund dafür sei vor allem, dass die EU die libysche Küstenwache ausgebaut habe und alles dafür tue, die Überquerung des Mittelmeeres so schwer wie möglich zu machen, sagt Turner. 

          Er selbst war auf Seenotrettungseinsätzen auf dem Rettungsschiff „Aquarius“ dabei, bis dem Schiff im August 2018 auf Drängen von Italien und Gibraltar die Flagge entzogen wurde. Dieses Vorgehen unterstütze die libysche Regierung dabei, Boote abzufangen, die an der Küste ablegen. „Das ist ein Verstoß gegen internationales Recht, was es jedem, der auf See gerettet wird, ermöglichen sollte, an einen sicheren Hafen gebracht zu werden.“ So steht es in der völkerrechtlichen Verpflichtung zur Seenotrettung.

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