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Die Woche der Angela Merkel : 20.000 Kilometer und kaum Schlaf

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Am Abend noch ein Abstecher zu Weltbankchef Jim Young Kim. Dann weiter nach Ottawa zu Kanadas Regierungschef Stephen Harper. Auch wichtig für die deutsche G7-Präsidentschaft. Wieder eine Pressekonferenz. Hier übt Merkel im Stillen schon mal Französisch. Im zweisprachigen Kanada wechselt Harper ständig vom Englischen ins Französische und zurück. Da er in beiden Sprachen oftmals dasselbe sagt, leitet Merkel aus dem Englischen ab, was Harper gleich auf Französisch sagen wird. Noch ein Essen und zurück zum Flughafen. Zurück nach Berlin. Kurze Nachbesprechung der Reise. Nach deutscher Zeit ist es 4 Uhr. Müde sieht Merkel nicht aus.

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Dienstag, 10. Februar: Berlin
Landung 10.30 Uhr. Ein Tag ohne offizielle Termine. Keine Rede, keine Pressekonferenz, kein Auftritt vor einem Verband, keine militärischen Ehren für einen ausländischen Gast. Aber frei hat Merkel nicht. Jetzt geht es darum, das Treffen in Minsk genauestens vorzubereiten. Der Friedensplan muss viel detaillierter werden als das Abkommen aus dem vorigen Jahr, damit den verfeindeten Parteien wenig Möglichkeiten bleiben, die Vereinbarung hinterher wieder falsch zu verstehen. Aber noch ist nicht sicher, ob der Gipfel überhaupt stattfindet.

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Mittwoch, 11. Februar: Berlin, Minsk

Am Donnerstagvormittag nimmt Angela Merkel im Berliner Dom am Staatsakt für den verstorbenen Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker teil. Davor war Kabinettssitzung, kurz danach fliegt sie weiter zum Gipfel nach Minsk.
Am Donnerstagvormittag nimmt Angela Merkel im Berliner Dom am Staatsakt für den verstorbenen Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker teil. Davor war Kabinettssitzung, kurz danach fliegt sie weiter zum Gipfel nach Minsk. : Bild: dpa

Der Tag beginnt mit Routine: 9.30 Uhr Kabinettssitzung im Kanzleramt wie jeden Mittwoch. Die Sitzung ist noch früher zu Ende als gewöhnlich, nach knapp 20 Minuten. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der „Entwurf eines ersten Gesetzes zur Änderung des Informationsweiterverwendungsgesetzes“. Merkels nächster Termin: „Übergabe eines Blumengrußes durch den Zentralverband Gartenbau anlässlich des Valentinstages.“ Einen krasseren Gegensatz zur Dramatik in der Ukraine könnte es kaum geben. Valentinstag - er gilt in einigen Ländern, so in Deutschland, als Tag der Liebenden.

Dann die Nachricht: Das Treffen in Minsk findet wirklich statt. Merkel wird am frühen Nachmittag gemeinsam mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) fliegen. Vorher nimmt sie noch am Staatsakt für den am 31. Januar gestorbenen früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Berliner Dom teil.

Blumen vom Despoten: Am Mittwoch, 11. Februar, wird die Kanzlerin in Minsk vom weißrussischen Präsidenten Alexandr Lukaschenka begrüßt.
Blumen vom Despoten: Am Mittwoch, 11. Februar, wird die Kanzlerin in Minsk vom weißrussischen Präsidenten Alexandr Lukaschenka begrüßt. : Bild: AFP

Sprecher Seibert will keine zu hohen Erwartungen an den Minsker Gipfel wecken. Er sagt: „Dass diese Reise stattfindet, bedeutet einen Hoffnungsschimmer, aber auch nicht mehr.“ Am Nachmittag twittert er ein Bild von Merkels Ankunft in Minsk. Sie steht auf einem roten Teppich, neben ihr Hollande, im Hintergrund der weiße Regierungsflieger mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“. Danach trifft Poroschenko ein. Als Letzter kommt Putin.

Lukaschenka empfängt Merkel in einer riesigen Halle unter einem riesigen Kronleuchter - mit einem Blumenstrauß. Sie schaut ungläubig auf den Protz in dem Palast. Um 18.30 Uhr starten die Verhandlungen. Es beginnt ein Nervenkrieg. Die russische Seite gibt sich vor Mitternacht begeistert. Außenminister Sergej Lawrow jubelt, es laufe „besser als super“. Und dann geht erst einmal nichts voran.

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Donnerstag, 12. Februar; Minsk, Brüssel

Vierer-Gipfel : Einigung auf Waffenruhe in Ostukraine

Um 01.30 Uhr sieht es nicht gut aus mit den Gesprächen. Es heißt, Putin stelle sich quer. Ab 6 Uhr früh überschlagen sich die Meldungen: Abschlussdokument unterschriftsreif, Minsker Gipfel vor dem Durchbruch, Waffenruhe vorbereitet - dann: Einigung auf Waffenruhe gescheitert. Die Separatisten wollen nicht. Die deutsche Delegation spricht von Chaos in Minsk. In der Ostukraine sterben derweil weiter Menschen.

Schließlich verkündet Putin am Vormittag: Waffenruhe beschlossen. Merkel sagt: „Ich habe keine Illusion, wir haben keine Illusion: Es ist noch sehr, sehr viel Arbeit notwendig. Es gibt aber eine reale Chance, die Dinge zum Besseren zu wenden.“ 17 Stunden haben sie verhandelt.

Dann steigt die Kanzlerin in ihr Flugzeug und fliegt direkt zum EU-Gipfel nach Brüssel. Geschlafen hat sie nicht, doch man sieht sie lachen. In Brüssel wartet der Schuldenstreit mit der neuen griechischen Regierung auf sie und womöglich die nächste lange Nacht.

Um kurz vor 14 Uhr landet Merkel in Brüssel. Viel Zeit zum Ausruhen hat sie nicht: Um 15 Uhr sollte der EU-Gipfel schon beginnen.

Ukraine-Gipfel : Merkel: „Einigung ist Hoffnungsschimmer“

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