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Die Woche der Angela Merkel : 20.000 Kilometer und kaum Schlaf

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Sonntag, 8. Februar: Berlin, Washington

Bild: DPA

Morgens Telefon-Diplomatie. Merkel spricht in einer Schaltkonferenz  mit Hollande, Putin und Poroschenko. Da nicht alle ein und dieselbe Sprache sprechen sitzen Dolmetscher dabei. Das macht eine Telefonschalte schwieriger als die Simultan-Übersetzung während einer direkten Begegnung. Putin spricht Deutsch, Merkel Russisch. Sie kann Putin und Poroschenko verstehen, zu ihrem Bedauern aber kein Französisch. Wenn sie später mal weniger zu tun haben wird, würde sie das gern lernen, hat Merkel kürzlich gesagt.

Die Staats- und Regierungschefs beschließen ein Treffen zu viert, was eigentlich schon Mitte Januar in Kasachstan stattfinden sollte. Jetzt will man sich in Minsk treffen, in Weißrussland. Hier war schon im September ein Friedensabkommen vereinbart worden, gegen das schon wenig später wieder verstoßen wurde. Weißrussland - ausgerechnet hier werden die Vier über den Frieden sprechen, ein Land das unter der Herrschaft von Alexander Lukaschenko als letzte Diktatur Europas gilt. Aber es ist ein Hoffnungsschimmer in der dramatischen Krise. Mehr ist es für Merkel jedoch noch nicht.

Um 14.15 Uhr geht es dann vom Regierungsflughafen Berlin-Tegel nach Washington. Achteinhalb Stunden in der Luft. Die Regierungsmaschine ist bequem - die weltpolitische Lage ist es nicht. Merkel geht noch einmal die Themen für das wichtige Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama durch. An oberster Stelle steht die Ukraine-Krise.

Ansonsten noch: Vorbereitung des G7-Gipfels im Juni auf Schloss Elmau in Bayern, die Gewalt der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), Griechenland und nicht zuletzt der Vertrauensverlust zu den Amerikanern durch die NSA-Affäre. Mit sechs Stunden Zeitverschiebung Landung in der amerikanischen Hauptstadt. Merkel trägt über einem blauen Blazer eine Steppjacke. In Washington sind es 14 Grad, aber für die zweite Station dieser Reise - Kanada - sind minus 13 Grad vorausgesagt. In Washington ist es noch hell.

Nach deutscher Zeit ist es 1 Uhr in der Nacht. Merkel trifft sich erst einmal mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Am frühen Morgen endet für sie der „Tag“.

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Montag, 9. Februar: Washington, Ottawa

Vorgestern Kiew, gestern München, heute Washington: Am Montag, den 9. Februar, trifft Merkel den amerikanischen Präsidenten Obama im Oval Office. Das Hauptthema, wie bei allen anderen Begegnungen in diesen Tagen: die Ukraine-Krise.
Vorgestern Kiew, gestern München, heute Washington: Am Montag, den 9. Februar, trifft Merkel den amerikanischen Präsidenten Obama im Oval Office. Das Hauptthema, wie bei allen anderen Begegnungen in diesen Tagen: die Ukraine-Krise. : Bild: dpa

Die ersten sieben Stunden von Merkels Programms sind für Washington eingeplant, weitere sechs für Ottawa in Kanada. Der wichtigste Termin ist im Weißen Haus. Im Garten führt ein Bediensteter den Hund der Obamas aus. Der portugiesische Wasserhund läuft frei über den Rasen. Merkel hat Angst vor Hunden, es kommt aber nicht zu einer Begegnung. Der amerikanische Präsident Barack Obama begrüßt die Kanzlerin im Oval Office, seinem Dienstzimmer. Mit dabei: Vize Joe Biden, Außenminister John Kerry, Merkels Sprecher Steffen Seibert und ihre Berater Christoph Heusgen und Lars-Hendrik Röller. Danach Pressekonferenz.

Obama gratuliert, etwas erstaunlich, Merkel erst einmal zur dritten Kanzlerschaft. Die hatte sie ja schon im Herbst 2013 angetreten. Dann die Botschaft von Merkel an Putin: Egal was kommt - ob Waffenlieferungen der Vereinigten Staaten an die Ukraine, die Merkel ablehnt, oder nicht - Deutschland steht an der Seite Amerikas.

Am Abend des 9. Februar ist Merkel längst in der kanadischen Hauptstadt Ottawa, wo sie den kanadischen Premier Stephen Harper zu Gesprächen trifft.
Am Abend des 9. Februar ist Merkel längst in der kanadischen Hauptstadt Ottawa, wo sie den kanadischen Premier Stephen Harper zu Gesprächen trifft. : Bild: AP

Merkel macht deutlich, warum sie in ihrer Friedensinitiative kein Risiko sieht: „Wir haben keine Garantie. (...) Es gibt gute Gründe zu sagen, es wird vielleicht nichts. Und dann sind wir wieder aufgefordert zu sagen: Was überlegen wir uns jetzt.“ Viel schlimmer wäre, nichts zu tun. Es zu versuchen und zu scheitern, sei das Los von Politikern.
Obama sagt: „Wenn es zum Erfolg kommen wird, dann wird das sicherlich auch mit der außerordentlichen Geduld und den Anstrengungen von Bundeskanzlerin Merkel und ihres Teams zu tun haben.“

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