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Die Gründung Israels : Überwundene Grenzen

  • -Aktualisiert am

14. Mai 1948: David Ben Gurion verliest vor geladenen Gästen die Unabhängigkeitserklärung im Saal des Kunstmuseums von Tel Aviv. Bild: dpa

Am 19. April jährt sich die Gründung Israels. Doch die Grenzen des jüdischen Staates sind damals wie heute umstritten. Wie Ben Gurion seinen Traum vom Staat Israel verwirklichte.

          Während David Ben Gurion in Tel Aviv um seinen Staat ringt, kämpfen die Bauern von Hatzerim in der Negev-Wüste gegen die Salzablagerungen ihres kargen Bodens. Es ist der 14. Mai 1948, und Ben Gurion steht im Kunstmuseum von Tel Aviv unter einem Porträt von Theodor Herzl. Vor ihm sitzen 250 geladene Vertreter des jüdischen Volkes. Sie wurden gebeten, die Zeremonie geheim zu halten, aber trotzdem hat sich vor dem Museum auf dem Rothschild-Boulevard eine Menschenmenge versammelt. Es ist der Beginn des Schabbats, und in Hatzerim hören die Menschen am Radio, wie Ben Gurion die Unabhängigkeitserklärung verliest. Die Zeremonie in Tel Aviv ist nach 32 Minuten beendet. Im Kibbuz Hatzerim bereitet man sich von da an auf den Sturm der arabischen Staaten vor. Stunden später erklären diese den Krieg.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          „Im Lande Israel trat das jüdische Volk ins Leben“, sagte Ben Gurion in Tel Aviv an jenem 5. Ijar 5708 des jüdischen Kalenders – nach unserer Zeitrechnung dieses Jahr der 19. April, weshalb in Israel der Jahrestag an diesem Donnerstag begangen wird. Das Recht dazu habe die Balfour-Deklaration festgeschrieben, das Gebiet der UN-Teilungsbeschluss von 1947 definiert und die Dringlichkeit der Holocaust demonstriert, so Ben Gurion. Binnen eines Jahrzehnts „haben wir die größten Tiefen der Vernichtung des jüdischen Volkes erlebt“, äußerte Ben Gurion später, „und auch den Höhepunkt des Trostes: Der Staat Israel wurde geboren.“ Bis heute liegen in Israel die Trauer am Holocaust-Gedenktag im April und die Unabhängigkeitsfeiern wenige Tage später eng beisammen.

          Das Wort „Gott“ taucht in der Unabhängigkeitserklärung nicht auf. Die Staatsgründer vertrauten auf die Kraft der eigenen Hände. In der Negev-Wüste hatte die von Ben Gurion geführte „Jewish Agency“ schon zwei Jahre zuvor entschieden, elf strategische Außenposten aufzubauen, um auch die Fläche des beanspruchten Landes zu bevölkern: schon in Erwartung der Teilungslösung durch die UN.

          Großbritannien tritt die Entscheidung an die Vereinten Nationen ab

          Hatzerim – auf Deutsch „Gehöfte“ – war einer dieser Außenposten. Im Oktober 1946 ließ die von den britischen Behörden als Vertretung des jüdischen Volks anerkannte „Jewish Agency“ fünf Frauen und fünfundzwanzig junge Männer auf einen unwirtlichen Hügel in der Wüste ohne nennenswerte Vegetation bringen. Mit Lastwagen wurden sie auf den Hügel gefahren, mitsamt Baumaterial und Stacheldraht. Nachts, damit die britische Mandatsmacht nichts mitbekam. Es galt hier osmanisches Recht: Wer ein Haus mit Dach gebaut hat, dem durfte es nicht abgerissen werden.

          Im Februar 1947 beschloss Großbritannien, sich endgültig aus dem Heiligen Land zurückzuziehen. London reichte das Palästina-Problem weiter nach New York. Die Vereinten Nationen sollten über das Schicksal der Völker in Palästina entscheiden. Im Sommer reiste ein UN-Ausschuss durch das Gebiet, wurde von den Zionisten empfangen und von den Arabern boykottiert. Die UN-Delegation kam zur Erkenntnis, dass einer Koexistenz zwischen Arabern und Juden in einem Staat die Grundlage fehlte. Damals lebten knapp zwei Millionen Menschen im Heiligen Land: Gut 1,3 Millionen Araber und sechshunderttausend Juden, davon dreißigtausend Hagana-Kämpfer.

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