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Umbettung Francisco Francos : Ein Diktator wird exhumiert

Ein Kranz für den Ahnen: Jaima Martinez Bordiu (rechts), Enkel des 1975 verstorbenen Diktators Francisco Franco, und seine Lebensgefährtin Marta Fernandez tragen einen Kranz in die Basilika des „Tals der Gefallenen“. Bild: EPA

Die sterblichen Überreste von Francisco Franco verlassen das spanische „Tal der Gefallenen“. Sánchez’ sozialistische Minderheitsregierung kommt damit ihrem Versprechen nach. Die Nachkommen des Diktators scheitern mit ihrem Widerstand.

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          Um 10.40 Uhr schloss sich das Tor der monumentalen Basilika. 43 Jahre und einen Monat nach seiner Beerdigung begann im „Valle de los Caídos“ die Exhumierung der sterblichen Überreste des Diktators Francisco Franco. Nichts hatte die spanische Regierung dem Zufall überlassen. Nach einem minutiös ausgearbeiteten Plan lief am Morgen die generalstabsmäßig organisierte Aktion an. Das „Tal der Gefallenen“ war eine seit Tagen abgeriegelte Sicherheitszone. Nur etwa 30 Personen durften sich am Vormittag in der 30.000 Quadratmeter großen Kirche aufhalten, die der Diktator nach dem Spanischen Bürgerkrieg einen Viertelkilometer tief in den Berg nördlich von Madrid hatte treiben lassen, auf dem sich ein 150 Meter großes Betonkreuz erhebt.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Für die Exhumierung war die Grabstelle vor dem Hauptaltar der riesigen unterirdischen Basilika durch ein Zeltdach vor Blicken geschützt. Nur zwei Angehörige des 1975 gestorbenen Diktators, drei Vertreter der spanischen Regierung und ein Gerichtsmediziner waren zugegen, als eine Handvoll Arbeiter die eineinhalb Tonnen schwere Grabplatte beiseite zu schoben. Der einbalsamierte und mumifizierte Leichnam wird gegen Mittag das „Tal der Gefallenen“ verlassen, das Franco errichten ließ, um seinen Sieg über die Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg zu verherrlichen – um „das Andenken an die Gefallenen unseres glorreichen Kreuzzuges zu verewigen“.  Die sozialistische Minderheitsregierung unter dem amtierenden Regierungschef Pedro Sánchez hatte seit Juni 2018 einen langwierigen Rechtsstreit gegen die Nachkommen des Diktators geführt, die gegen die Umbettung Francos bis vor den Obersten Gerichtshof Spaniens und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gezogen waren.

          Die sozialistische Minderheitsregierung will den Kolossalbau in einen Ort der Versöhnung für alle Spanier verwandeln. Nach Sánchez' Ansicht war an der Seite der Opfer des spanischen Bürgerkriegs kein Platz für einen toten Diktator. Die Umbettung sollte den Spaniern zeigen, dass eine neue Zeit begonnen hat. Zweieinhalb Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl am 10. November will Sánchez seinen Wählern mit Francos Überführung nun zeigen, dass er sein Wort hält.

          Am frühen Nachmittag soll der Diktator im Mausoleum der Familie in El Pardo an der Seite seiner 1988 gestorbenen Ehefrau nach einer Totenmesse seine letzte Ruhestätte finden. Nur 22 Enkel, Urenkel und einige ihrer Partner durften ihn am Donnerstag auf diesem Weg begleiten. Wenn es das Wetter zulässt, wird man einen Militärhubschrauber verwenden. Zwei Hubschrauber und zwei Leichenwagen standen bereit, um für alle Eventualitäten bei der Überführung in den Friedhof gerüstet zu sein, der weniger als 40 Kilometer entfernt liegt. Schon seit dem Morgen war der Luftraum über der Region gesperrt.

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