https://www.faz.net/-gpf-a3x0j

Krieg um Nagornij-Karabach : Die Türkei sichert Aserbaidschan militärische Hilfe zu

  • Aktualisiert am

Mitglieder der Organisation Turkey Youth Foundation (TÜGVA) schwenken vor dem aserbaidschanischen Konsulat in Istanbul Flaggen als Zeichen der Solidarität. Bild: dpa

Für den Abschuss eines armenischen Kampfflugzeugs will Ankara nicht verantwortlich sein. Von nun an aber will die Türkei in Nagornij-Karabach offiziell mitmischen.

          2 Min.

          Im neu aufgeflammten Konflikt um die Kaukasus-Region Nagornij-Karabach hat die Türkei Aserbaidschan offiziell militärische Unterstützung zugesichert. Die Türkei werde bei einem Hilfegesuch Aserbaidschans „tun was notwendig ist“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch auf eine entsprechende Frage von Journalisten der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

          Am Dienstag hatte die Regierung in Ankara die Darstellung Armeniens als falsch zurückgewiesen, die türkische Luftwaffe habe ein armenischen Kampfflugzeug abgeschossen. Die Regierung Armeniens veröffentlichte am Mittwoch Fotos des Flugzeugwracks und bekräftigte ihre Vorwürfe an die Türkei.

          Die Kämpfe zwischen armenischen und aserbaidschanischen Truppen hielten am Mittwoch den vierten Tag in Folge an. Seit Sonntag geht der jahrzehntelange Konflikt immer häufiger in schwere Kämpfe über. Beide Länder streiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über die Zugehörigkeit des Gebiets, das hauptsächlich von Armeniern bewohnt wird und sich 1991 von Aserbaidschan lossagte. Die Region im Südkaukasus mit etwa 150.000 Einwohnern wird aber von keinem Staat als unabhängig anerkannt.

          Armenien ist mit Russland verbündet und bekam am Mittwoch auch Rückendeckung von Frankreich. Präsident Emmanuel Macron kritisierte die Äußerungen der Türkei zugunsten von Aserbaidschan auf einer Pressekonferenz als „rücksichtslos und gefährlich“.

          Cavusoglu reagierte darauf umgehend: In dem Interview mit Anadolu erklärte er, Frankreichs Solidarität mit Armenien komme einem Freibrief für eine Besetzung Aserbaidschans gleich. Macron kündigte an, über den Konflikt am Mittwochabend mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und am Donnerstag mit Amerikas Präsident Donald Trump zu beraten. Russland steht an der Seite Armeniens.

          Die Bundesregierung hatte die Kämpfe am Dienstag als „gefährliche Lage“ bewertet. Regierungssprecher Steffen Seibert appellierte im Namen der Bundesregierung nachdrücklich an die Konfliktparteien, einen Waffenstillstand auszurufen und unverzüglich miteinander zu verhandeln.

          Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies Armenien und Aserbaidschan derweil an, jede Militäraktion zu vermeiden, die Zivilisten gefährden könnte. Die Kämpfe seien ein ernsthaftes Risiko für Verletzungen der Europäischen Menschenrechtskonvention, der beide Staaten angehören, erklärte das Gericht mit Sitz in Straßburg am Mittwoch.

          Armenien hatte das internationale Gericht Anfang der Woche eingeschaltet. Mit dem Antrag wollte die Führung in Jerewan erreichen, dass das Nachbarland Angriffe auf zivile Siedlungen und die Zivilbevölkerung beendet. Der EGMR gehört zum Europarat. Gemeinsam kümmern sie sich um den Schutz und Umsetzung der Menschenrechte in 47 Staaten. Er ist kein Gericht der Europäischen Union.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angeschlagener DFB-Präsident: Am Ende des „Falls Löws“ könnte der Sturz von Fritz Keller (links) stehen.

          Machtkampf im kriselnden DFB : Unter Geiern

          Der Fall „Löw“ ist ein exemplarisches Beispiel für das systemische Versagen des DFB. Zu Hochform laufen einige Funktionäre im Führungszirkel nur noch auf, wenn es um Machterhaltung und Fallenstellen geht.
          Eine riesige Euro-Münze überragt die Menschen in der Innenstadt von Frankfurt am Main als die ersten Euro-Starterkits mit einem Sortiment von Euro-Münzen ausgegeben werden.

          Einführung des Euro 2002 : Schon wieder neues Geld

          Auf ihre D-Mark waren die Deutschen so stolz wie auf ihre Nationalmannschaft. Entsprechend emotional einschneidend war für viele die Einführung des Euros am 1. Januar 2002. Teil 16 unserer Serie „Deutschland seit 1945“.
          Eine Mitarbeiterin von Moderna bei der Arbeit an der Herstellung eines Corona-Impfstoffs (Symbolbild)

          Kampf gegen Corona : Das Dilemma der Impfstoff-Prüfer

          Für die Zulassung von Impfstoffen müssen Prüfer sich durch meterweise Datenmaterial kämpfen und schwierige politische und ethische Fragen beachten, die erst später relevant werden können. Eine Mammutaufgabe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.