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Sewerodonezk in russischer Hand : Ein strategisch wichtiger Verlust für die Ukraine

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Ein Soldat sitzt im Juni mit seinem Gewehr auf einem ukrainischen Panzer an der Frontlinie in Sewerodonezk. (Archivbild) Bild: dpa

Mit der Besetzung von Sewerodonezk kommt Moskau seinem Ziel näher, die gesamte Donbass-Region zu erobern. Das nahe gelegene Lyssytschansk ist eine der letzten Städte, die dort noch unter ukrainischer Kontrolle stehen.

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          Nach wochenlangen Kämpfen befindet sich die strategisch wichtige Stadt Sewerodonezk im Osten der Ukraine nach Angaben ihres Bürgermeisters nun vollständig in den Händen der russischen Armee. Die Stadt sei von den russischen Streitkräften „vollständig besetzt“, sagte Bürgermeister Oleksandr Strjuk am Samstag im ukrainischen Fernsehen. Am Freitag hatte die ukrainische Armee ihren Rückzug aus der 100.000-Einwohner-Stadt bekannt gegeben.

          Mit der Eroberung von Sewerodonezk kontrolliert die russische Armee nunmehr den bei weitem größten Teil der Region Luhansk. Die Einnahme der Stadt gilt als strategisch wichtiger Schritt, um den gesamten Donbass zu erobern, zu dem Luhansk und die Region Donezk gehören. Teile des wirtschaftlich bedeutsamen Gebietes in der Ostukraine werden bereits seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert.

          Bürgermeister Strjuk teilte weiter mit, Zivilisten hätten damit begonnen, das Gelände der Asot-Chemiefabrik in Sewerodonezk zu verlassen, wohin sich hunderte Einwohner der Stadt vor dem Bombenhagel der russischen Angriffe geflüchtet hatten. „Diese Menschen haben fast drei Monate ihres Lebens in den Kellern verbracht. Seelisch und körperlich ist das schwierig“, sagte Strjuk. Sie benötigten nun Medikamente und psychologische Unterstützung.

          Etwa zeitgleich mit der Mitteilung des Bürgermeisters erklärten die prorussischen Separatisten, ihre Verbände und die russische Armee hätten die Kontrolle über die Chemiefabrik übernommen. Mehr als 800 Zivilisten, die dort Schutz gesucht hätten, seien „evakuiert“ worden, erklärte der Separatistensprecher Iwan Filipenko in Telegram. Er machte keine Angaben dazu, wohin die Menschen gebracht wurden.

          Zuvor hatte ein anderer Vertreter der Separatisten, Andrej Maroschko, mitgeteilt, russische Truppen seien nun auch nach Lyssytschansk vorgedrungen, der Nachbarstadt von Sewerodonezk. Dort gebe es derzeit Straßenkämpfe. Sewerodonezk und Lyssytschansk sind durch einen Fluss getrennt und liegen rund 80 Kilometer östlich von Kramatorsk, der Hauptstadt des ukrainisch kontrollierten Teils der Region Donezk.

          Sollten die russischen Truppen auch Lyssytschansk einnehmen, könnten sie anschließend Kramatorsk und Slowjansk ins Visier nehmen, um schließlich die gesamte Donbass-Region, das industrielle Herzstück der Ukraine, zu erobern. Einige Wochen nach Kriegsbeginn hatte der Kreml das militärische Ziel ausgegeben, die Kräfte auf den Osten der Ukraine zu konzentrieren. Zu Beginn seines Angriffskrieges hatte Moskau erklärt, die Regierung in Kiew stürzen zu wollen.

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