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Die Stimme der Uiguren : Die Himmelsstürmerin Rebiya Kadeer

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Rabiya Kadeer: Wegen des „Verrats von Staatsgeheimnissen” saß sie sechs Jahre in Haft Bild: REUTERS

Rebiya Kadeer gilt als die wohl beredteste Stimme des uigurischen Volkes. Einst wurde sie als „Vorzeige-Uigurin“ in den Volkskongress berufen. Heute ist die im Exil lebende Kadeer für Peking eine Staatsfeindin.

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          Als sie in ihrem Land eine beeindruckende Karriere machte, kannte sie niemand im Westen; doch seitdem sie im Exil lebt, sieht man in ihr die vielleicht beredteste Stimme des uigurischen Volkes. Rebiya Kadeer ist die Vorsitzende der American Uygur Association, die sich damit beschäftigt, auf das Schicksal des uigurischen Volkes aufmerksam zu machen, dem sie angehört.

          Das sieht sich seit Jahrzehnten von der Zentralregierung in Peking unter Druck gesetzt, durch politisch-administrative Restriktionen ebenso wie durch das unaufhörliche Anschwellen der Einwanderung von Han-Chinesen, die teilweise bewusst gefördert wird.

          Rebiya Kadeer wurde 1948 im Altai-Gebirge geboren und wurde in den Traditionen ihres Volkes groß. Lange lebte sie in Aksu im Süden Xinijangs. Die Mutter von insgesamt neun Kindern machte sich nach der Scheidung von ihrem ersten Mann zunächst als Besitzerin einer Wäscherei selbständig; dann gründete sie ein Handelshaus, das bald zu florieren begann und sie im Laufe der Jahre zu einer der vermögendsten Frauen in China machte.

          In ihrer Autobiographie „Die Himmelsstürmerin” berichtet sie über Gefangenschaft und Folter

          Im Jahre 1992 wurde sie in den Volkskongress berufen, wo sie lange als „Vorzeige-Uigurin“ galt, obschon sie mit Kritik am Verhalten der Regierung gegenüber ihrem Volk nicht hinter dem Berg hielt. Da war sie längst mit Sidik Rouzi verheiratet, einem bekannten uigurischen Intellektuellen. Als sie 1999 inhaftiert wurde, lebte ihr zweiter Mann mit einem Teil der Familie bereits in den Vereinigten Staaten.

          Rebiya Kadeer wurde in einem geheimen Verfahren wegen „Verrats von Staatsgeheimnissen“ zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr Verbrechen: Sie hatte amerikanischen Abgeordneten Zeitungsartikel für ihren Mann übergeben, die längst erschienen waren.

          In ihrer Autobiographie (Die Himmelsstürmerin, München 2007) berichtet sie über Gefangenschaft und Folter. Sie konnte das Buch in Freiheit schreiben, weil sich die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice für ihre Freilassung eingesetzt hatte. 2005 wurde sie aus der Haft entlassen und emigrierte. Im selben Jahr entging sie einem Anschlag. Fünf ihrer Kinder leben noch in China.

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