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Pandora Papers : Infrastruktur der Korruption in Lateinamerika

Im Steuerparadies: Das Finanzzentrum von Panama City Bild: AFP

Die „Pandora Papers“ überraschen in Lateinamerika kaum jemanden. Die Menschen dort sind korrupte Politiker und profitgierige Unternehmer gewohnt.

          3 Min.

          Paraguays früherer Präsident Horacio Cartes hatte gute Gründe, eine Offshore-Firma in Panama zu gründen: 2011 kaufte der im Tabakgeschäft reich gewordene Unternehmer seiner Tochter ein Apartment in Miami. Es sei üblich und absolut legal, einen solchen Kauf über eine Firma abzuwickeln, erklärte Cartes. Juristen in Florida hätten ihm dazu geraten. Ob die Juristen ihm auch dazu geraten hatten, den Fiskus in Paraguay nicht über seine Firma in Panama zu informieren, sagte Cartes nicht. Jedenfalls hat er das erst vor einer Woche getan – wohl nachdem ihm bewusst geworden war, dass er auf einer Liste von Persönlichkeiten steht, die als Besitzer von Offshore-Firmen oder Konten in Steuerparadiesen ausgemacht wurden.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Cartes ist längst nicht der einzige Politiker von Rang, der in den „Pandora Papers“ auftaucht, die ein Recherchenetzwerk internationaler Medien über Steuerschlupflöcher veröffentlicht hat. In Lateinamerika ist er in bester Gesellschaft. Die Enthüllungen stehen noch ganz am Anfang. Doch schon die ersten Berichte belasten die Eliten in Lateinamerika stark. Unter den zehn Ländern mit den meisten „Involvierten“ befinden sich vier aus Lateinamerika. Insgesamt tauchen über 6000 Lateinamerikaner in den Dokumenten auf, darunter drei amtierende Staatschefs, elf frühere Präsidenten und eine ganze Reihe von Funktionären sowie Unternehmer, Künstler und Sportler.

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