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Abtreibungsgesetz in Irland : Eine Frage von Leben und Tod

Schwere Entscheidung: Die Gegner und Befürworter der Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes streiten sich darüber, ob das Wohl des Kindes oder das der Mutter wichtiger ist. Bild: AFP

Das Referendum zum umstrittenen Abtreibungsgesetz spaltet Irland. Das zeigt sich besonders im konservativsten Ort des Landes.

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          Je näher man dem Örtchen kommt, desto rotfarbener wird das Straßenbild. Im Osten des Landes halten sich die grünen Schilder mit „Yes“ und die roten mit „No“ noch ungefähr die Waage, aber in Roscommon, das man in der Mitte der Insel verorten würde, die Roscommoner aber als Teil des irischen Westens begreifen, schreien einen fast nur noch „Nos“ an. „Eine Lizenz zum Töten? Wählt Nein.“ „Babys werden sterben. Wählt Nein.“ „Wählt nicht den Tod. Wählt Nein“. Die Lebensschützer ahnen, dass hier, in Roscommon, etwas zu holen ist. Sie hoffen, dass sich die Stadt und der gleichnamige Landkreis an diesem Freitag der Liberalisierung des Abtreibungsverbots entgegenstemmen werden – und vielleicht sogar das Referendum entscheiden.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Seit der Volksabstimmung über die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe genießt die Region einen Ruf. Roscommon war der einzige große Wahlbezirk, der vor drei Jahren gegen die Liberalisierung stimmte. Vom „konservativsten Ort Irlands“ ist seitdem die Rede. Paul Healy, der Chefredakteur und Verleger der Lokalzeitung „Roscommon People“, findet das „ein bisschen zu simpel“. Immerhin, gibt er zu bedenken, hätten auch in Roscommon 48,5 Prozent der Bürger für die Homo-Ehe gestimmt, und das, obwohl nirgendwo auf der Insel – relativ gesehen – mehr alte Leute leben als hier.

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