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Kommandant abgesetzt : Eine Verneigung vor Captain Crozier

  • -Aktualisiert am

Bild: Facebook / M. Washington

Der Kommandant des Flugzeugträgers „USS Theodore Roosevelt“ hatte wegen des Ausbruchs des Coronavirus an Bord Alarm geschlagen. Deshalb wurde er abgesetzt. Seine Soldaten feiern ihn.

          2 Min.

          „So verabschiedet man einen der besten Kapitäne, die es je gab“. Ein unbekannter Matrose sagt diesen Satz, während er mit seinem Mobiltelefon filmt, wie Kommandant Captain Brett Crozier von Bord des Flugzeugträgers „USS Theodore Roosevelt“ geht. In Uniform, den Rucksack von der Schulter hängend, geht der Marineoffizier über die Gangway, während sich Hunderte Matrosen auf dem Hangardeck des vor der Pazifikinsel Guam ankernden Flugzeugträgers versammelt haben. Sie klatschen, jubeln und skandieren rhythmisch: „Captain Crozier! Captain Crozier!“ Bevor der in das Fahrzeug steigt, das an Land auf ihn wartet, dreht er sich noch einmal um und winkt seinen Soldaten zu.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          „Stars and Stripes“, eine unabhängige Zeitung für Mitglieder der amerikanischen Streitkräfte, veröffentlichte am Freitag dieses und ein anderes Handyvideo aus Guam in ihrer Online-Ausgabe. Aus Sicht der Soldaten hat Crozier, der am Donnerstag von seiner Aufgabe entbunden worden war, ihre Interessen verteidigt, obwohl er wissen musste, dass er sich damit Ärger einhandeln würde.

          Marine-Staatssekretär Thomas Modly hatte seine Entscheidung, Crozier abzusetzen, damit begründet, dass dieser in der Krisensituation unnötige „Panik“ erzeugt und „schlechtes Urteilsvermögen“ gezeigt habe. Insbesondere kritisierte er, dass in einem an die Öffentlichkeit gelangten Brief Croziers die Zustände an Bord der „USS Roosevelt“ irreführend beschrieben worden seien. Zwar seien unter der Besatzung des Flugzeugträgers 114 Corona-Infektionen aufgetreten. Doch sei es in keinem dieser Fälle zu einer schweren Erkrankung gekommen. Mit seinem Brief habe Crozier die Familien der Besatzungsmitglieder unnötig in Angst versetzt. Wie es hieß, werde der Captain, der seinen Rang behalten dürfe, in der Marine verbleiben.

          Letzter Halt in Vietnam

          In dem Brief hatte Crozier eindringlich gefordert, die Besatzung von Bord zu holen, weil es keine Möglichkeit gebe, Abstand zu wahren: „Wir befinden uns nicht im Krieg. Es müssen keine Seeleute sterben“, schrieb der Kommandant in den Brief, den der „San Francisco Chronicle“ zuerst veröffentlichte. Verteidigungsminister Mark Esper verweigerte zunächst die Evakuierung des Flugzeugträgers. Später willigte das Pentagon doch ein. Ein Großteil der Besatzung von insgesamt rund 4800 Seeleuten wird von Bord genommen. Am Freitagmorgen waren schon 1000 Soldaten an Land gegangen. 2700 sollen folgen. Sie sollen vorerst in Guam untergebracht werden.

          Der Flugzeugträger hatte Anfang März in Vietnam angelegt. Wegen des Ausbruchs des Coronavirus änderte er seinen Kurs und steuerte das amerikanische Außenterritorium an. Das Kommando des Trägers soll nun Admiral Carlos Sardiello übernehmen, der die „USS Theodore Roosevelt“ schon früher geführt hatte.

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          Die Lage auf der „Roosevelt“ wirft ein Schlaglicht darauf, was die Pandemie für die amerikanischen Streitkräfte bedeutet. Verteidigungsminister Esper sagte in dieser Woche im Weißen Haus: Es scheine „da dieses Narrativ bei einigen“  zu geben, die Vereinigten Staaten müssten angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus „das gesamte Militär dichtmachen“. „Das ist nicht machbar“, äußerte Esper, sichtlich verärgert.

          Eine deutliche Ansage

          „Wir haben einen Auftrag. Dieser lautet: Wir beschützen die Vereinigten Staaten und das amerikanische Volk. Deshalb leben und arbeiten wir auf beengtem Raum auf Flugzeugträgern, in U-Booten, in Panzern und in Kampfflugzeugen.“ Das liege in der Natur der Sache. Die Befehlskette sehe klare Richtlinien vor. Er sei zuversichtlich, dass die Kommandeure die notwendige Vorsicht walten ließen.

          Noch deutlicher wurde der Nationale Sicherheitsberater Robert O’Brien. Er richtete im Weißen Haus eine Botschaft an alle Rivalen Amerikas: „Lassen Sie mich deutlich sagen: Es wäre ein Fehler – ein Fehler mit fürchterlichen Konsequenzen -, wenn ein Gegner versuchen sollte, uns in diesem Gesundheitsnotstand Schaden zuzufügen.“

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