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Zum Tode von Johnny Clegg : Die Macht der Musik

Legendärer Auftritt: Johnny Clegg (Mitte) mit Mandela (rechts) 1999 in Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Der Sänger und Tänzer Johnny Clegg war weiß – und er hat wahrscheinlich mehr als jeder andere Weiße für die friedliche Überwindung der Apartheid in Südafrika getan. Ein Nachruf auf einen wundervollen Mann.

          Johnny Clegg ist tot – in Deutschland ist das keine Topnachricht. In Südafrika aber schon. Dort wurde das Abendprogramm im Fernsehen unterbrochen. Clegg war weiß, und er hat wahrscheinlich mehr als jeder andere Weiße für die friedliche Überwindung der Apartheid in Südafrika getan. Die teilte die Menschen in „Rassen“ ein. Wer nicht zur weißen Herrenschicht gehörte, dem blieben das Wahlrecht und die Freizügigkeit versagt. Besonders die autochthone schwarze Bevölkerung wurde einem brutalen Regime unterworfen. Kontakte auf Augenhöhe zwischen Schwarz und Weiß wurden bestraft.

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor bald dreißig Jahren, Anfang 1990, wurde Nelson Mandela, der Führer des Afrikanischen Nationalkongresses, nach 27 Jahren Haft freigelassen. Im Juli beschloss das damalige Parlament aus drei Kammern die Abschaffung der sogenannten Rassentrennung – gegen die Stimmen der Konservativen, die darin die Zerstörung eines „Rechts der Weißen auf Selbstbestimmung“ sahen. Das war der Anfang vom Ende der Apartheid. Ein Wendepunkt in der Geschichte, am ehesten vergleichbar mit der Unabhängigkeit, die Indien 1947 unter Führung Mahatma Gandhis erlangt hatte. Beides hing sogar zusammen, denn Gandhi hatte als junger Mann in Südafrika die rassistische Zurücksetzung am eigenen Leibe erfahren. Das war sein politisches Erweckungserlebnis.

          Und Johnny Clegg? Der war Sänger und Tänzer.

          Ein wundervoller Mann. Clegg ist nicht in Südafrika geboren, er kam 1953 in Großbritannien zur Welt. Seine Mutter, eine jüdische Jazz-Sängerin, zog bald mit ihm nach Rhodesien, Israel und schließlich Johannesburg, wo sie einen Journalisten heiratete. So wurde aus Johnny ein Junge, der sich seine Wurzeln selbst suchen musste. In den erbärmlichen Wohnheimen der schwarzen Wanderarbeiter, die wenige Weiße freiwillig betraten, freundete er sich mit gleichaltrigen Zulus an. Als Teenager erlernte er deren Sprache, deren Musik und die phantastischen Tänze, mit denen die jungen Männer ihre Kraft und Schnelligkeit feiern und die ansteckende Freude am Rhythmus und der Bewegung ausleben. Mit seinem Freund Sipho Mchunu gründete Clegg damals ein Duo.

          Er war durchdrungen von Bewunderung und Begeisterung für die Zulu-Kultur. Er liebte aber auch die irische und schottische Folkmusik und komponierte Melodien und Lieder, die beide Traditionsstränge miteinander verbanden. Das war nun gerade das Gegenteil von Apartheid und Segregation, nämlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen, getragen von der Freude, die Welt zu erfahren und zu erfassen, im Fremden das Neue und zugleich sich selbst zu entdecken. Bei ihren gemeinsamen Auftritten spielte Clegg die Maskandi-Gitarre und trug, halbnackt, die traditionelle Zulu-Kleidung mit dem Leopardenfell, mit den geheimnisvoll sprechenden Accessoires aus Fellstreifen, Perlenketten, Schnüren und Bändern sowie rituellen Waffen.

          Drei Musiker waren dunkel-, drei hellhäutig

          Zu den Auftritten der beiden gehörte der akrobatische Inhlangwini-Tanz, der Clegg über die Jahre einen immer schöneren, athletischen Körper formte. Mit diesen Tänzen rissen sie schon damals ihr Publikum mit. Aber anfangs konnten Clegg und Mchunu nur privat oder an kleinen, versteckten Orten auftreten. Ihre Lieder wurden verboten, und immer wieder wurde Clegg, schon als Junge, ins Gefängnis gesteckt. Dafür genügte es schon, mit schwarzen Freunden abzuhängen. Freundschaft außerhalb des eigenen Hautfarbspektrums war nicht erlaubt. Es durften keine Brücken über den Graben geschlagen werden.

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