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Häfen bleiben geschlossen : Wer lässt die Migranten auf der „Alan Kurdi“ an Land?

Verzweifelt: Migranten an Bord des deutschen Rettungsschiffes „Alan Kurdi“ nach ihrer Rettung am 6. April. Bild: AFP

Auf der „Alan Kurdi“ spitzt sich die Lage weiter zu: Ein junger Mann beging einen Selbstmordversuch. Am Freitag sollen die rund 150 Migranten an Bord eines italienischen Fährschiffes in Quarantäne gehen. Was danach kommt, ist ungewiss.

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          Für die Migranten auf dem deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ nordöstlich der sizilianischen Hauptstadt Palermo sowie auf dem spanischen Schiff „Aita Mari“ südlich von Lampedusa zeichnet sich weiter keine Lösung ab. Auf der „Alan Kurdi“ hat sich die Lage weiter zugespitzt. Wie die Regensburger Nichtregierungsorganisation Sea-Eye am Donnerstag berichtete, hatte ein 24 Jahre alter Mann in der Nacht zum Mittwoch einen Selbsttötungsversuch unternommen. Ein weiterer Mann fügte sich fortgesetzt Verletzungen zu. Die Ärztin an Bord ersuchte deshalb die italienische Küstenwache um Hilfe. Am frühen Mittwochabend wurden schließlich drei besonders gefährdete Personen von der italienischen Küstenwache an Land gebracht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die jetzt noch verbliebenen 146 Bootsflüchtlinge, die vor der libyschen Küste gerettet worden waren, befinden sich seit dem 6. April an Bord der „Alan Kurdi“. Unterdessen teilte das italienische Verkehrsministerium am Donnerstag mit, dass die Migranten auf der „Alan Kurdi“ wie angekündigt am Freitag auf das Fährschiff „GNV Azzurra“ gebracht würden, wo sie für 14 Tage in Quarantäne gehen sollen. Das Schiff verfügt über rund 500 Kabinen und befand sich am Donnerstag im Hafen von Bari in der süditalienischen Region Apulien.

          Menschen an Bord „total verzweifelt“

          Nach Angaben von Jan Ribbeck, dem Einsatzleiter von Sea-Eye, verlief die Übergabe der drei Männer schwierig und nahm zwei Stunden in Anspruch. Mehrere Migranten konnten nur mit Mühe davon abgehalten werden, von der „Alan Kurdi“ zu springen und zu einem der drei Patrouillenboote der italienischen Küstenwache zu schwimmen. Die Menschen auf dem Rettungsschiff seien „total verzweifelt“, weil sie seit zehn Tagen auf der „Alan Kurdi“ festgehalten würden, sagte Ribbeck. Weil Malta und Italien ihre Häfen als „nicht sicher“ für die Ausschiffung geretteter Migranten von privaten Schiffen erklärt haben, müssen auch drei Dutzend Migranten auf der „Aita Mari“ ausharren.

          Das Schiff der spanischen Hilfsorganisation Salvamento Marítimo Humanitario hatte am Montag insgesamt 43 Menschen aus einem sinkenden Schlauchboot vor der Küste Maltas aufgenommen. Aus Gesundheitsgründen brachte die italienische Küstenwache inzwischen eine dreiköpfige Familie und vier Männer von dem Schiff auf die Insel Lampedusa an Land. Die „Aita Mari“ lag am Donnerstag weiter vor Lampedusa.

          Migranten zurück nach Libyen gebracht

          Derweil teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit, dass in maltesischen Gewässern am Mittwoch mehrere Leichname geborgen worden seien. Die fünf Toten hätten sich auf einem Boot mit 49 Migranten gefunden, sieben Menschen würden vermisst, sagte ein IOM-Sprecher. Ein Handelsschiff habe die Menschen und die Leichname aufgenommen, sie seien dann der libyschen Küstenwache übergeben worden.

          Aus der deutschen Botschaft in Rom hieß es, man sei optimistisch, dass bald eine Lösung für die Migranten auf der überfüllten „Alan Kurdi“ gefunden werden könne. Man sei mit der italienischen Regierung und auch mit der Besatzung des Schiffes in ständigem Kontakt. Das Rettungsschiff, das unter deutscher Flagge fährt, lag am Donnerstag nördlich von Palermo. Unklar ist, was mit den Migranten nach der Quarantänezeit geschehen soll. Die deutsche Botschaft in Rom zeigte sich zuversichtlich, dass die Migranten auf verschiedene EU-Staaten verteilt werden könnten, ähnlich dem Verteilschlüssel, wie er beim Treffen der Innenminister Deutschlands, Frankreichs und weiterer EU-Staaten Ende September auf Malta vereinbart worden war.

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