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Streit über Kirchenreform : Die Kurie bremst die deutschen Katholiken, der Papst lässt sie hängen

Bischof Georg Bätzing am Samstag in Rom. Bild: AP

Zwischen dem Vatikan und den deutschen Katholiken gibt es in wesentlichen theologischen und kirchenrechtlichen Fragen einen Dissens. Wie geht es weiter auf dem Synodalen Weg?

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          Nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom sind weitere Konflikte zwischen den deutschen Katholiken und dem Vatikan zu erwarten. Wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Limburger Bischof Georg Bätzing, am Samstag zum Abschluss des fast einwöchigen Besuchs der 62 deutschen Bischöfe konzedierte, habe es bei wesentlichen theologischen und kirchenrechtlichen Fragen einen klaren Dissens gegeben.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Beim Gespräch mit den Vertretern der wichtigsten Behörden des Vatikans sei am Freitag sogar die Forderung nach einem faktischen Stopp des Reformprozesses in Deutschland erhoben worden. Diese Forderung sei aber von der reformfreudigen Mehrheit der DBK-Delegation zurückgewiesen worden. Bätzing gestand ein, dass sich die konservativen Reformgegner unter den deutschen Bischöfen angesichts des Verlaufs der Gespräche im Vatikan bestärkt fühlen könnten.

          Der letzte Ad-limina-Besuch der DBK hatte 2015 stattgefunden; für Bätzing war es die erste Teilnahme an einem turnusgemäßen Pflichtbesuch. Bätzing resümierte, er reise mit einem Gefühl von „Erleichterung und Sorge“ zurück nach Deutschland. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die unterschiedlichen Standpunkte in einem „offenen und brüderlichen“ Dialog besprochen werden könnten.

          Deutsche Katholiken streben Öffnung des Weiheamts für Frauen an

          Im Rahmen des von Klerikern und Laien Ende 2019 gemeinsam eröffneten „Synodalen Wegs“ streben die deutschen Katholiken eine Öffnung des Weiheamts auch für Frauen an, außerdem fordern sie die Anerkennung der Gleichgeschlechtlichkeit als natürliche und gottgewollte sexuelle Orientierung und die Segnung homosexueller Paare durch katholische Geistliche sowie die Beteiligung von Laien an Bischofswahlen und anderen Entscheidungen in Gemeinden und Diözesen.

          Zu allen wesentlichen Fragen dieses Reformprozesses machten die Präfekten der maßgeblichen Vatikan-Behörden klar, dass die Forderungen im Widerspruch zu Lehre und Kanon der Weltkirche stünden. Auch Papst Franziskus gab der DBK-Delegation in Wort und Tat zu verstehen, dass sie nicht mit seiner Unterstützung rechnen könnte.

          Bätzing sagte in Rom, Blockaden, Verbote oder Einschüchterungen seien heute in der Weltkirche nicht mehr möglich, und rief eindringlich die „Ungeduld des Gottesvolkes“ in Deutschland in Erinnerung. Mit Blick auf den Fortgang des „Synodalen Wegs“ bekräftigte Bätzing, dass die fünfte und abschließende Synodalversammlung wie geplant im März stattfinden werde. Auch die Planungen zur Schaffung eines mit Laien und Klerikern besetzten Synodalen Rates würden vorangetrieben, versicherte Bätzing.

          Auch in der gegenwärtig wohl drängendsten Personalfrage in der DBK gab es beim Ad-limina-Besuch keinen Fortschritt. Bätzing berichtete, er habe während der Audienz mit Papst Franziskus am Donnerstag die Causa Woelki angesprochen. „Ich habe sehr deutlich gemacht, dass die Situation im Erzbistum Köln zunehmend unerträglich ist, auch für den Erzbischof“, so Bätzing.

          Woelki hatte dem Papst Anfang März seinen Rücktritt angeboten, doch Franziskus hat in der Sache nicht entschieden. Der Papst habe bei dem Treffen mit den deutschen Bischöfen seine Position bekräftigt, nämlich dass er selbst in der Sache entscheiden werde, berichtete Bätzing. Franziskus habe „aber nicht gesagt, ob, wann und wie er dazu entscheiden“ werde.

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