https://www.faz.net/-gpf-ae63c

Krise in Libanon : Ein Funke, und Tripoli ist in Brand

Benzinmangel: Südlich von Tripoli stauen sich Anfang Juli Autos vor einer Tankstelle. Bild: AFP

Libanons Krise zeigt sich besonders stark in Tripoli. Die Bewohner der vernachlässigten Stadt im Norden sind Gewaltausbrüche gewohnt – aber nun fürchten sie Chaos und Rechtlosigkeit aufgrund von Hunger.

          6 Min.

          Mustafa Alloush geht jeden Tag mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit ins Krankenhaus. „Ich habe vor einer Sache Angst“, sagt der Chirurg. „Irgendwann kommt einer hierher, zum Beispiel mit einem Bruder oder Vater, und der stirbt dann hier vor der Tür, weil es die notwendigen Medikamente nicht gab oder das Geld für eine wichtige Untersuchung nicht reichte – und dann zieht der seine Waffe und läuft Amok.“ Es ist ein Schreckensszenario, das nicht weit hergeholt ist. Solche tragischen Todesfälle hat es schon gegeben, denn die medizinische Versorgung in Libanon ist dabei, zu kollabieren. Wie die Versorgung mit Elektrizität und Treibstoff, der Wert der Währung, die Wirtschaft. Der Staat. Die Nerven der Leute liegen blank. Zu unerträglich ist der Alltag geworden, zu kurz sind die Verschnaufpausen bis zum nächsten Schock. Im nordlibanesischen Tripoli, Mustafa Alloushs Heimatstadt, gehören Gewaltausbrüche längst zum Alltag.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Zur Mechanik der Selbstzerstörung gehören Devisenmangel, ein bankrotter Staat sowie eine skrupellose und korrupte politische Klasse, die sich beharrlich den überlebenswichtigen Reformen verweigert. Aber der Niedergang hat sich auf eine Art beschleunigt, die selbst für Unerschrockene wie den Arzt Alloush beängstigend ist. Er spürt, dass Unheil in der Luft liegt. „Jeder neue Schock bringt neue Gewalt. Und irgendwann ist es nicht nach 24 Stunden vorbei“, sagt er. „Irgendwann geht es weiter.“

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+