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Die Krim und die ukrainische Krise : Ruf nach dem großen Bruder

Im Gespräch: Ein Polizist, der sich auf die Seite der Demonstranten geschlagen hat Bild: REUTERS

Der Präsident des Parlaments der Krim droht unverhohlen mit einer Abkehr von der Ukraine und fordert ein Eingreifen Russlands gegen „eine ausländische Armee“.

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          Einst galt die Krim als „Sowjetisches Sanatorium“. Auf der Halbinsel im Schwarzen Meer erholten sich die Mächtigen von den Moskauer Strapazen. Im Liwadija-Palast nahe dem Badeort Jalta, der schon dem letzten russischen Zaren Nikolaus II. als Sommerresidenz gedient hatte, empfing Diktator Stalin 1945 Roosevelt und Churchill. Man verhandelte darüber, wie Deutschland nach dem Krieg aufgeteilt und wie die Macht in Europa verteilt werden sollte. Jetzt, in der ukrainischen Krise, könnte die Krim selbst zum Schauplatz eines Ringens um Einflusszonen werden – genau sechzig Jahre nach dem Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 19. Februar 1954, die Halbinsel der ukrainischen Sowjetrepublik zuzuschlagen.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Am Mittwoch, dem Jahrestag, verabschiedete das Parlament der Autonomen Republik Krim eine Erklärung, die laut einer Mitteilung unter anderem „die aktive Teilnahme der Regionen der Ukraine“ an den Vorbereitungen einer Verfassungsänderung als „zweckmäßig“ würdigt. Wesentlicher war, dass ein Abgeordneter vom Rednerpult forderte, die Krim solle zu Russland zurückkehren, „wenn sich die Situation in der Ukraine nicht regelt“. Noch am Abend desselben Tages reiste der Präsident des Parlaments, Wladimir Konstantinow, nach Moskau, traf dort am Donnerstag den Sprecher der Duma sowie alle Fraktionsvorsitzenden – und wurde ausgiebig mit Aussagen zitiert, die deutlich über die dürre Erklärung seines Parlaments hinausgehen. Mit Aussagen, die der Kreml jederzeit als „Hilferuf“ interpretieren könnte.

          „Dann gibt es für uns nur einen Weg“

          Der Nachrichtenagentur Interfax sagte Konstantinow in einem Interview, die Krim könne sich von der Ukraine abspalten. Das sei „möglich, wenn das Land auseinanderfällt. Darauf läuft auch alles hinaus.“ Es bestehe noch die „Chance, das Land zu retten“, „das Feuer zu löschen“. Jetzt werde nicht um die Krim, sondern um Kiew gekämpft; nur wenn dieser Kampf verloren werde, werde die Autonomieregierung der Krim über deren Zukunft entscheiden. „Dann gibt es für uns nur einen Weg“, nämlich die „Aufkündigung der Entscheidung von 1954“, die Rückkehr zu Russland also.

          Pause: ein Demonstrant auf dem Majdan
          Pause: ein Demonstrant auf dem Majdan : Bild: Yulia Serdyukova

          In seinen politischen Gesprächen, über die Interfax ebenfalls ausführlich berichtete, verstieg sich der Gast von der Krim zu Behauptungen, die weit über das üblicherweise von Moskau behauptete Maß an westlicher Einmischung in Kiew hinausgehen. Der Parlamentspräsident sagte demnach, im Zentrum der Hauptstadt agiere „faktisch eine ausländische Armee“, die „gut ausgebildet, bewaffnet, verwegen“ sowie „gut bezahlt“ sei. „Die Größe dieser Armee beträgt nach unseren Informationen rund 5000 Mann“, die bereit seien, „ins Gefecht zu ziehen.“ Insgesamt seien im Zentrum von Kiew rund 10.000 Mann mobilisiert. Konstantinow fügte hinzu, es sei praktisch die ganze russische Welt herausgefordert, „die Ukraine ist einfach nur eine Etappe“. Um die „Zentralgewalt“ zu retten, brauche die Regierung Hilfe.

          Krim - die autonome Republik der Ukraine

          Konstantinow appellierte an die russische Führung, ein „sehr klares und eindeutiges Signal“ zu setzen an die Adresse „derjenigen, die diesen verfassungswidrigen Umsturz planen und finanzieren“. Er wünscht sich ein Ultimatum; werde der „Umsturz“ nach dessen Ablauf weiter betrieben, „dann sind alle Handlungen, die danach vorgenommen werden, unrechtmäßig“. Für diesen Fall müsse Moskau den – nicht näher benannten – äußeren Kräften klarmachen: „Alle zwischenstaatlichen Abmachungen werden beendet.“ Da wirkte die Beteuerung Konstantinows, sein Besuch sei schon vor einem Jahr geplant worden und diene der „Organisation der interparlamentarischen, horizontalen Zusammenarbeit“, wie Ironie. Ebenso die des Vorsitzenden des für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und „eurasische Integration“ zuständigen Duma-Ausschusses, der sagte, es gehe bei den Treffen etwa um das Kulturprogramm „Russisches Wort“, das Kinoforum „Zusammen“ und die Feierlichkeiten zur „Befreiung von den faschistischen Eroberern“ vor siebzig Jahren.

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