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Die Kabul Bank : Immer in der Nähe der Mächtigen

Afghanische Sicherheitskräfte stehen vor einer Schlange von Bankkunden, die um ihr Erspartes bei der Kabul Bank fürchten. Bild: REUTERS

Nachdem Präsident Karzai die beiden leitenden Manager der Kabul Bank ablöste, haben viele Sparer ihre Konten aufgelöst. Die Krise der Bank legt offen, wie eng Politik und Geld in Afghanistan verflochten sind.

          Das Ende des Fastenmonats Ramadan kommt für Präsident Hamid Karzai gerade recht. Die Feiertage geben der afghanischen Regierung Luft, um eine Katastrophe bei der größten Bank des Landes zu verhindern. Tausende Sparer haben in den vergangenen Tagen ihre Konten aufgelöst und die Bank an den Rand ihrer Liquidität getrieben. Am Mittwoch gingen Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken gegen Bankkunden vor, die sich vor einer Filiale drängelten. Die Nerven liegen offenbar blank.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Zwei Jahre nach der Lehman-Pleite hat nun auch Afghanistan seine Finanzkrise. In ihrem Zentrum stehen keine renditehungrigen Investmentbanker, sondern ein Sumpf aus politischen und wirtschaftlichen Interessen. Zu den wichtigsten Anteilseignern des Finanzinstituts zählen Präsidentenbruder Mahmoud Karzai und ein Bruder des Vizepräsidenten Mohammed Qasim Fahim. Mögliche Staatshilfen für die angeschlagene Bank würden die Regierung also dem Vorwurf aussetzen, die Investitionen der eigenen Verwandten retten zu wollen.

          Auslöser der Krise war die Ablösung der beiden leitenden Bankmanager Scher Khan Farnood und Khalilullah Fruzi durch einen Treuhänder der Zentralbank. Amerikanische Medien berichteten, Karzai habe die beiden Männer auf amerikanischen Druck hin aus dem Amt gejagt. Zuvor seien dubiose Grundstücksgeschäfte und finanzielle Unregelmäßigkeiten bekannt geworden. Die Kabuler Stadtverwaltung wurde angewiesen, einen Verkauf der Grundstücke der beiden Manager zu untersagen.

          Ein afghanischer Soldat spricht zu Sparern, die sich vor der Kabul Bank versammelt haben.

          Beschwichtigungen der Regierung

          Die Regierung übte sich derweil in Beschwichtigungen. Zentralbankchef Abdul Qadir Firtrat rechnete vor, dass innerhalb von drei Tagen rund 11 000 Neukunden 38 Millionen Dollar eingezahlt hätten. Das Volumen der Auszahlungen wollte er dagegen nicht beziffern. Stattdessen beschuldigte er die Medien, die Krise verursacht zu haben.

          „Ich habe einen Freund bei der Bank, der mir geraten hat, mein Geld abzuziehen“, sagte ein Geschäftsmann, der in dieser Woche vor der Kabuler Hauptfiliale Schlange stand. Nachdem er fünf Stunden gewartet hatte, verwehrten ihm die Angestellten, 150 000 Dollar abzuheben. Er durfte das Geld aber auf ein anderes Konto überweisen. „Ich war immer ein Fan der Kabul Bank“, sagte der Mann. „Im Gegensatz zu anderen Banken haben sie nie gefragt, wer ich bin und woher mein Geld stammt.“

          Ähnlich unorthodox verfuhr der frühere Bankchef Farnood auch mit Grundstücksgeschäften in Dubai. Er ließ zahlreiche Villen auf seinen Namen registrieren, deren Besitzer nach seinen Angaben anonym bleiben wollen. Offenbar handelt es sich um Mitglieder der politischen Elite des Landes.

          Die Bank macht auch sonst kein Hehl aus ihrer Nähe zur Regierung. Im vergangenen Jahr finanzierte sie Karzais Wahlkampagne, Geschäftsführer Khalilullah Fruzi schloss sich als Finanzberater dem Wahlkampfteam des Präsidenten an. Dessen Bruder hält rund sieben Prozent der Anteile an der Kabul Bank, die er wiederum mit einem Kredit desselben Unternehmens finanzierte. Ebenso wie Mohammed Qasim Fahim, der Bruder des Vizepräsidenten Hasin Fahim, erhielt Mahmoud Karzai weitere Millionenkredite von der Bank, mit denen er unter anderem Anteile an einer Zementfabrik kaufte.

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