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Macrons Beliebtheit schwindet : Der einsame Herrscher

In Versailles: Staatspräsident Macron empfängt den japanischen Kronprinzen. Bild: EPA

In Frankreich bleibt die erhoffte Erneuerung unter Präsident Macron aus. Die Selbstinszenierung als Reformer bröckelt – und hinter der Fassade wird seine Ferne zu den Bürgern immer sichtbarer.

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          Emmanuel Macron löst keine Begeisterung mehr aus. Dabei ist seine Botschaft der Erneuerung Frankreichs in einem gestärkten Europa die Gleiche geblieben. 71 Prozent der Franzosen bewerten den jungen Staatschef laut einer jüngsten Umfrage des Instituts Odoxa negativ. Nur 29 Prozent geben an, er sei „ein guter Präsident“. Das Ergebnis bestätigt vorangegangene Erhebungen, die einen Beliebtheitseinbruch dokumentierten. Der Stimmungsumschwung ähnelt nicht mehr einer kurzfristigen Verstimmung. Er zeugt von einer zunehmenden Ernüchterung der Franzosen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich der Unmut nicht oder zumindest nicht vordringlich gegen die Wirtschafts- und Sozialreformen richtet. Macron enttäuscht vor allem, weil er die Versprechen eines politischen Sittenwandels und einer bürgernahen Amtsführung bislang nur halbherzig erfüllt hat.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die „neue Welt“, die der Wahlkämpfer Macron verhieß, erinnert immer mehr an das von autoritären, intransparenten Methoden gekennzeichnete Machtgefüge, das viele Franzosen zu überwinden hofften. Jüngstes Beispiel ist die Postenvergabe nach dem Rücktritt des Umweltministers Nicolas Hulot. Der frühere Fernsehproduzent Hulot gilt als „ökologisches Gewissen“ der Nation, seit er den damaligen Präsidenten Jacques Chirac zu dem Satz inspirierte: „Unser Haus brennt, und wir schauen weg.“ Chiracs Nachfolger Nicolas Sarkozy und François Hollande versuchten vergeblich, den Publikumsliebling an den Kabinettstisch zu holen.

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