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Religiöse Minderheit : Wie die Bahai in Iran verfolgt werden

Bahai-Tempel in Langenhain bei Hofheim am Taunus Bild: Luftaufnahmen Riegler

Die Tochter eines Ajatollahs hat eine Debatte über die Situation der Bahai in Iran angestoßen. Anhänger der Religionsgemeinschaft wurden jahrelang verfolgt – und werden noch heute diskriminiert.

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          Dass dieses Treffen für Aufsehen sorgen würde, dürfte beiden beteiligten Frauen recht klar gewesen sein. Mitte Mai besuchte Faezeh Haschemi, eine bekannte iranische Menschenrechtsaktivistin, ihre ehemalige Gefängnisgenossin Fariba Kamalabadi, die Freigang erhalten hatte, um ein neugeborenes Enkelkind zu sehen. Auf einen Tee, wie es hieß. Als Fotos des Treffens im Internet publik wurden, löste dies eine Debatte über die Behandlung der religiösen Minderheit der Bahai aus.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Das dürfte vor allem an der Prominenz Faezeh Haschemis liegen. Die 54 Jahre alte Frauenrechtlerin, Journalistin und ehemalige Parlamentsabgeordnete ist die Tochter Akbar Haschemi Rafsandschanis, des früheren Präsidenten und bis heute einflussreichen Strippenziehers. Der äußerte sich umgehend sogar selbst zu dem Treffen – und kritisierte seine Tochter: Die habe einen „schweren Fehler“ begangen.

          Systematische Diskriminierung der Bahai in Iran

          Möglicherweise beugte sich Rafsandschani, der ein Verbündeter des moderaten Präsidenten Hassan Rohani ist, damit dem Druck von Hardlinern, die das Treffen in scharfen Worten verurteilt hatten. Der Kleriker Haschem Bothayi, Mitglied im Expertenrat, bezeichnete freundschaftliche Beziehungen zu „Angehörigen des Bahai-Kults“ als „Verrat“, und der Großajatollah Makarem Schirazi forderte strafrechtliche Konsequenzen für Haschemi. Die hatte nach dem Treffen gesagt, es sei „inakzeptabel“ und widerspreche dem Islam, dass Irans Bahai keine Grundrechte genössen.

          Dem Anliegen, auf das Schicksal Fariba Kamalabadis und ihrer Glaubensgenossen aufmerksam zu machen, dürfte das Teekränzchen gegolten haben. Von 2012 bis 2013 hatte Haschemi aufgrund ihrer Beteiligung an der „Grünen Bewegung“ im Gefängnis gesessen. Dort lernte sie Kamalabadi kennen und schätzen – und ihre Religion zu respektieren. Kamalabadi wiederum sitzt eine Haftstrafe ab, die im Jahr 2010 verhängt wurde, weil sie dem „Yaran“ angehört, dem Leitungsgremium der iranischen Bahai.

          Neben der heute 52 Jahre alten Frau sind auch die sechs weiteren Yaran-Mitglieder inhaftiert. Ihnen wurde unter anderem Spionage vorgeworfen; die Haftstrafen wurden nach Angaben ihrer Anwälte vor einigen Monaten von zwanzig auf zehn Jahre reduziert. Tatsächlich ist ihre Inhaftierung und Verurteilung Ausdruck der systematischen Diskriminierung der Bahai in Iran, die nicht zu den in der Verfassung der Islamischen Republik anerkannten Religionsgemeinschaften zählen.

          „Abgrenzung zum Islam war ungewöhnlich klar“

          Das hängt mit der Entstehung des Glaubens der Bahai zusammen, der sich im 19. Jahrhundert aus dem Islam heraus entwickelte. Während der Jahrhundertmitte trat in Persien zuerst ein Mann namens Ali Muhammad Schirasi auf, der sich selbst als „Bab“ bezeichnete – als „Tor (zu Gott)“. Als eigentlicher Religionsstifter wird der Nachfolger des 1850 getöteten Bab angesehen, der sich „Baha’ullah“ nannte, „Herrlichkeit Gottes“. Auf seinen Namen beziehen sich die Bahai.

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