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Die Deutschen und der Krieg : Wir Friedensverwöhnte

  • -Aktualisiert am

Auf Patrouille in Kundus Bild: ddp

Für Deutsche ist Krieg immer mit dem Bild maximaler Verwüstung verbunden. Die Barbarei unterstellt man eher dem Westen als den angeblichen Opfern seines „Kulturimperialismus“. Das macht die Diskussion über den Afghanistan-Einsatz so schwierig.

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          Das sind die Schlagzeilen, vor denen sich die Regierungsparteien vor der Bundestagswahl gefürchtet haben. Aber auch nach der Wahl tun sie noch weh. „Wann dürfen Deutsche töten?“ titelt der „Spiegel“ in der vergangenen Woche - als Sturmgeschütz des Pazifismus. Eine rhetorische Frage. Sie tun es ja bereits: Dass Bundeswehrsoldaten am Hindukusch „töten, bomben, mitmachen“ müssten bei einem „mörderischen Videospiel des . . . ferngesteuerten Ausschaltens von Menschen, die als Feinde der westlichen Ordnung gelten“, ist den Autoren ausgemachte Sache - obzwar die Bundeswehr in Afghanistan den nachgerade privilegierten Zustand genießt, wenig tun und deshalb wenig falsch machen zu können. Egal: Wer beim militärischen Engagement der Nato-Staaten in Afghanistan mitmacht, betreibt „organisiertes Töten“, ein „Todesspiel“. Was sind dagegen schon all jene, die Selbstmordattentate auf einem belebten Marktplatz in Kundus oder sonst wo organisieren, durchführen und gutheißen?

          Immerhin werden die Soldaten nicht gleich Mörder genannt, aber schwingt das nicht mit? Da versteht man, dass Franz Josef Jung als Verteidigungsminister stellvertretend für seine Regierung das Wort „Krieg“ mied. Völkerrechtlich ist es keiner, und die Bevölkerung ist für Krieg nicht zu gewinnen. Es ist Rücksicht auf die Soldaten, die Verteidigungsminister zu Guttenberg nun von einem „kriegsähnlichen Zustand“ sprechen lässt.

          „Wenn wir denen nichts tun, tun die auch uns nichts“

          Das K-Wort bezeichnet hierzulande das schlechthin Schlimmste. Deshalb kennt die öffentliche Debatte nur zwei Wege: die Politik des pazifistisch garnierten strikten Sichheraushaltens („Wenn wir denen nichts tun, tun die auch uns nichts“), nicht zu verwechseln mit Pazifismus als Werteüberzeugung, und jenes Menschenrechtspathos, mit dem schon die rot-grüne Regierung ihrer Bevölkerung den Kosovo-Einsatz verkaufen zu müssen glaubte.

          Dieses Pathos ist nicht mehr glaubhaft - und vor allem muss es sich an der schmutzigen Wirklichkeit des Krieges messen lassen. Demokratien tun sich mit dem Militärischen schwer; anders als jeder dahergelaufene Diktator können gewählte Regierungen Soldaten nicht ohne triftigen und möglichst eng an die Interessen des Landes gebundenen Anlass ins Feld schicken. Das ist einer der Gründe dafür, dass auch in Demokratien gelogen und vertuscht wird, dass die Gefährlichkeit des Gegners überhöht und die Folgen des eigenen Tuns kleingeredet werden. Immerhin kehrt man im demokratischen Westen ehrenwerterweise vor allem vor der eigenen Haustür.

          Die Erregung der Öffentlichkeit über ein Fehlverhalten der eigenen Seite lässt den Zynismus der Gegenseite aus dem Blick geraten. Das kommt dieser entgegen: Irreguläre, nennen wir sie Terroristen oder „Freiheitskämpfer“, bedienen sich der Zivilbevölkerung - als Schutzschild und, funktioniert das nicht, als tote Zeugen der Anklage, was umso besser wirkt, wenn der Westen sein Kriegsziel moralisch hochgerüstet hat.

          Insbesondere in Deutschland geht dieses Kalkül auf. Die historische Erinnerung hierzulande ist mit Umweg über Bombennächte im Zweiten Weltkrieg beim Dreißigjährigen Krieg angelangt. Das heißt fürs Kriegsbild: Wir denken dabei an maximale Verwüstung und Vernichtung der Zivilbevölkerung.

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