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Demokratin Nancy Pelosi : Geliebtes Feindbild

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Auf Zehn-Zentimeter-Absätzen: Nancy Pelosi nach ihrer Rekordrede im Abgeordnetenhaus Bild: AFP

Nancy Pelosi ist eine der unbeliebtesten Politikerinnen der Vereinigten Staaten. Die Demokraten können trotzdem schlecht auf die erfolgreiche Netzwerkerin und Geldsammlerin verzichten.

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          Mehr als acht Stunden lang stand Nancy Pelosi im Februar in über zehn Zentimeter hohen Absätzen am Rednerpult im amerikanischen Abgeordnetenhaus und hielt eine Rede für die „Dreamers“. Donald Trump hatte im vergangenen Jahr das Schutzprogramm Daca für die Menschen beendet, die als Kinder von ihren Eltern illegal ins Land gebracht wurden und bislang legal studieren und arbeiten durften. Bis heute ist keine Lösung für sie gefunden. Pelosis nicht einmal durch eine Toilettenpause unterbrochene Rekord-Rede rief auf beiden Seiten des Kongresses Bewunderung hervor. Doch das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Ansehen in der eigenen Partei zunehmend wackelig ist.

          Ihre Gegner sagen, dass die 78 Jahre alte Vorsitzende der Demokraten im Abgeordnetenhaus bei den Wählern unpopulär sei. In Umfragen landet Pelosi tatsächlich bei um die 50 Prozent Unbeliebtheits- und nur 29 Prozent Zustimmungswert. Ähnlich geht es allerdings auch ihrem republikanischen Kollegen Paul Ryan im Repräsentantenhaus und Mitch McConnell im Senat – nur Chuck Schumer, Minderheitsführer im Senat, ist mit 35 Prozent Unbeliebtheits-Wert besser dran, was allerdings an seinem geringeren Bekanntheitsgrad liegt.

          Für viele Demokraten gilt eine zu große Nähe zu der Demokratin aus Kalifornien dennoch schon länger als schädlich. Eine ganze Reihe von Kandidaten versuchen zur Zeit, ihre Chancen beim Wähler zu erhöhen, indem sie ihre Distanz zu Pelosi erklären. In Pennsylvania gewann zuletzt der Demokrat Conor Lamb mit gewerkschaftsfreundlichen, gesellschaftspolitisch aber eher konservativen Positionen eine Nachwahl zum Repräsentantenhaus. Lamb distanzierte sich deutlich von seiner künftigen Fraktionschefin – eine Wahl Pelosis zur Sprecherin der Kammer werde er nicht unterstützen, falls die Mehrheit im November an die Demokraten gehe, sagte er. Pelosi war von 2007 bis 2011 bereits einmal Sprecherin des Repräsentantenhauses und damit die erste Frau, die diesen Posten innehatte.

          Doch auch beim anderen Parteiflügel ist Pelosi nicht unumstritten. Marie Newman aus Illinois, die für die „progressiveren“ Demokraten für einen Sitz im Abgeordnetenhaus kandidiert, ließ unlängst offen, wen sie im Fall eines Sieges der Partei im November unterstützen würde, wenn der Sprecherposten des Repräsentantenhauses neu besetzt würde: „Ich müsste sehen, wer antritt“, sagte sie der „New York Times“. Damit spiegelte sie die Stimmung vieler ihrer Kolleginnen und Kollegen wider. Statt sich durch Pelosis Verbleib unnötig angreifbar zu machen, müsse die Partei den Willen zeigen, sich personell zu erneuern, glauben viele.

          Pelosi als Feindbild der Republikaner

          Die Republikaner konzentrierten auch in Pennsylvania viel Energie darauf, Pelosi in Fernsehspots als die eigentliche Gegnerin darzustellen. Conor Lamb werde am Ende immer mit der Demokratin stimmen und sich „ihrem liberalen Haufen anschließen“, so lautete ein häufiger Vorwurf – „liberal“ bedeutet für Amerikaner eher links. Tatsächlich gilt Pelosi manchen als Linke aus San Francisco, die durch ihren eigenen Reichtum die Sorgen einfacher Bürger aber nicht nachvollziehen könne. Pelosi ist Multimillionärin und eine der wohlhabendsten Personen im Kongress – die Millionen sollen hauptsächlich aus Geschäften ihres Ehemannes kommen. Andere wiederum stoßen sich daran, dass sie aus einer Politikerfamilie kommt und schon ihr Vater Kongressabgeordneter für Maryland und Bürgermeister von Baltimore war.

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