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Gewalt in den Niederlanden : Party machen und plündern

Schaulustige filmen in der niederländischen Stadt Haarlem mit Handys brennende Gegenstände, die Randalierer am 26. Januar in Brand gesetzt haben. Bild: dpa

Die gewaltsamen Ausschreitungen in den Niederlanden reißen nicht ab. Die Polizei braucht lange, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Unter die Randalierer haben sich auch Teenager gemischt.

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          Wieder kam es in der Nacht zu Dienstag zu gewaltsamen Ausschreitungen in etlichen niederländischen Städten. Im Internet zirkulieren Videos, die verstörende Szenen zeigen. Gruppen junger Männer in Rotterdam und Den Bosch etwa, die mit allem, was sie zu fassen bekommen, Scheiben von Schnellrestaurants und Geschäften zerschmettern, Türen eintreten, johlend und plündernd die Regale verwüsten – bis auf den Alkohol, den nehmen sie mit.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          In Rotterdam gerät eine Polizeistation in Brand, offenbar durch Feuerwerk, die Beamten müssen einen Wasserwerfer zur Verteidigung rufen. In Amsterdam zertrümmern Randalierer einen Einsatzwagen der Polizei, sie werfen Pflastersteine in die Scheiben. In Den Haag werden Autos umgestoßen, Mülleimer in Brand gesetzt. Rohe Gewalt, aufgeregte Stimmen und immer wieder Explosionen, Kanonenschläge.

          Es sind Szenen, die viele an einen „Bürgerkrieg“ denken lassen, das Wort macht am Dienstag in den Medien die Runde. Der Eindhovener Bürgermeister hatte es schon am Montag in den Mund genommen, er fürchtete weitere Ausschreitungen. In dieser dritten Nacht der Gewalt nahm die Polizei 184 Personen fest, die meisten in Rotterdam. Mindestens zehn Beamte wurden dort verletzt. Viele Bürgermeister hatten Notverordnungen erlassen, damit sie die Mobilen Einheiten der Bereitschaftspolizei schneller anfordern konnten. Und doch dauerte es an den meisten Orten bis nach Mitternacht, bevor die Beamten die Lage wieder unter Kontrolle hatten.

          Erste Ausgangssperre seit dem Zweiten Weltkrieg

          Eigentlich gilt seit Samstag eine Ausgangssperre ab 21 Uhr, zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie und überhaupt seit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. An dieser Entscheidung der Regierung, vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, hatten sich die Proteste entzündet. In Den Bosch verhinderten die Beamten wohl noch Schlimmeres. Randalierer waren in Richtung des Krankenhauses marschiert – die Polizei und der Sicherheitsdienst griffen ein, bevor es zu Zerstörungen kam. Die hatte es am Vortag in Enschede gegeben. Die Plünderungen im Zentrum konnten die Einsatzkräfte aber nicht aufhalten.

          „Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Mobile Einheit verfügbar war“, beschwerte sich der Bürgermeister der Stadt, Jack Mikkers, gegenüber dem „Brabants Dagblad“. Er forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle. „Meine Hauptsorge ist jetzt das Sicherheitsgefühl in der Stadt. Die Bilder, die jeder gesehen hat, tun weh. Sie schneiden durch dein Herz“, sagte er.

          Der Regierungschef stellte sich hinter die Einsatzkräfte. „Die Polizei verdient unseren größten Respekt und erhält unsere uneingeschränkte Unterstützung“, schrieb Mark Rutte auf Twitter. „Diese kriminelle Gewalt muss aufhören.“ Die Unruhen hätten nichts mit Protest oder dem Kampf für die Freiheit zu tun. Den Kampf gegen das Virus könne man nur gemeinsam gewinnen und so die Freiheit zurückgewinnen. Das hatte er schon am Montag gesagt.

          „Nicht vor ein paar Idioten kapitulieren“

          Der Spitzenkandidat der Christdemokraten bei der Parlamentswahl im März, Finanzminister Wopke Hoekstra, machte deutlich, dass die umstrittene Ausgangssperre nicht zurückgenommen werde: „Wir werden nicht vor ein paar Idioten kapitulieren.“ Sein Parteifreund Ferdinand Grapperhaus, als Minister für Justiz und Sicherheit verantwortlich, stieß ins selbe Horn. „Offenbar halten es kleine Gruppen für notwendig, Unruhe zu stiften. Aber das hat mit der Corona-Politik nichts zu tun, denn dafür muss man nicht Geschäfte plündern“, sagte er.

          Plünderer in einem Rotterdamer Geschäft während der Ausschreitungen am 25. Januar.
          Plünderer in einem Rotterdamer Geschäft während der Ausschreitungen am 25. Januar. : Bild: AFP

          Wer waren die Täter? Auf den Videos sind nur Männer zu sehen, auch Teenager. Die jüngste Person, die am Montag festgenommen wurde, war erst 14 Jahre alt. Am Dienstag hatten sich viele Täter vermummt, sie trugen Mundschutzmasken – aber nicht zum Schutz gegen eine Infektion. Bei den Ausschreitungen in den großen Städten sollen vor allem Hooligans gewütet haben. Offenbar entluden sich Aggressionen, die sich schon länger aufgestaut hatten. Eine Vermutung lautet, dass dies mit den sozialen Folgen des Lockdowns zusammenhängen könnte. Vielleicht war es aber auch nur der Mangel an anderen Gelegenheiten, die eigenen Kräfte auszuleben. Auch in den Niederlanden werden Fußballspiele schon seit langem ohne Zuschauer ausgetragen.

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