https://www.faz.net/-gpf-abnfm

Im Nahostkonflikt : Die bedingte Solidarität der Araber mit den Palästinensern

Ahmed Aboul Gheit, der Generalsekretär der Arabischen Liga (links) bei einem virtuellen Treffen der Staatenorganisation am 11. Mai Bild: AFP

Die arabischen Länder kritisieren das israelische Vorgehen gegen Palästinenser in Jerusalem. Aber für die Hamas haben einige von ihnen nicht viel übrig. Ihr Verhältnis zu Israel ist dagegen gut.

          2 Min.

          Als „willkürlich“ und „unverantwortlich“ hat Ahmed Aboul Gheit, der Generalsekretär der Arabischen Liga, die israelischen Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen kritisiert. Die Staatenorganisation versicherte in einer Stellungnahme außerdem, die palästinensische Frage spiele in den arabischen Staaten nach wie vor eine „zentrale Rolle“.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Das dürfte indes bezweifelt werden – es gibt große Unterschiede in der Haltung der einzelnen Mitgliedstaaten zu dem Konflikt, der gerade wieder eskaliert und in die Augen auch der arabischen Öffentlichkeit rückt. Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Beziehungen zu Israel normalisiert und deutlich gemacht, dass für sie Wirtschaftskooperation und Zugang zu israelischer Technologie wichtiger sind als eine Lösung des Nahostkonflikts.

          Kritik an den Zwangsräumungen in Ostjerusalem

          Einhellig fiel daher zunächst nur die Kritik an den Zwangsräumungen palästinensischer Häuser im Osten Jerusalems und am israelischen Polizeieinsatz auf dem Al-Aqsa-Plateau aus. Der saudische König Salman, dessen Land eine diskrete Annäherungspolitik an Israel betreibt, verurteilte israelische „Akte der Gewalt“.

          Seit Wochen gibt es in der Umgebung der Al-Aqsa-Moschee gewalttätige Zusammenstöße zwischen israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Jugendlichen. Israelische Polizeikräfte waren auf das Gelände und auch in die Moschee vorgedrungen, in die sich einige der Randalierer zurückgezogen hatten, sie hatten Schockgranaten eingesetzt. Auch Betende, die nichts mit den Unruhen zu tun hatten, wurden Opfer der Gewalt. 

          Die Bilder von dem Polizeieinsatz, der zudem in den islamischen Fastenmonat Ramadan fiel, haben enorme symbolische Kraft. Die Al-Aqsa-Moschee gilt Muslimen in aller Welt als einer der heiligsten Orte im Islam. Das emiratische Außenministerium forderte von der israelischen Regierung, „das Recht der palästinensischen Zivilbevölkerung auf Ausübung ihrer Religion zu schützen“ und „Praktiken zu unterlassen, welche die Heiligkeit der heiligen Al-Aqsa-Moschee verletzen“. 

          Die Hizbullah droht mit Raketen

          Die emiratische Haltung gegenüber der militärischen Konfrontation mit der Hamas und deren Verbündeten ist weit weniger eindeutig. Die Nähe der Palästinenserorganisation zur islamistischen Muslimbruderschaft macht die Hamas zu einem Feind Abu Dhabis. Auch das Regime in Kairo, das die Überreste der Muslimbrüder in Ägypten mit großer Härte verfolgt, hat nicht viel für die Hamas übrig, die in Qatar oder der Türkei auf größeres Wohlwollen zählen kann. Die sunnitischen Islamisten, die den Gazastreifen beherrschen, können vor allem auf die Unterstützung des schiitischen Regimes in Teheran zählen, schließlich ist Israel ein gemeinsamer Feind.

          In beiden Fällen sind Hass auf den jüdischen Staat und Vernichtungsphantasien zentraler Bestandteil der Ideologie, die das Lager um Iran als „Widerstand“ verbrämt. Dazu zählen auch das syrische Regime und die libanesische Schiitenorganisation Hizbullah. Deren Raketenarsenal bedroht den Norden Israels. Zuletzt haben die Spannungen merklich zugenommen, sodass unter Beobachtern in Beirut inzwischen die Frage diskutiert wird, ob die Eskalation in Gaza dazu führen könnte, dass die Hizbullah eine weitere Front eröffnet.

          In einer Stellungnahme beschränkte sich die Organisation zunächst darauf, zu Solidaritätsbekundungen für die „palästinensischen Helden“ von den Balkonen und Minaretten aufzurufen. Aus ihren Reihen hieß es, Abschussrampen für Raketen seien in Bereitschaft. Das israelische Militär hat nach Angaben eines Sprechers keine außergewöhnlichen Aktivitäten ausgemacht. Bislang sei die Lage im Norden ruhig, sagte er.

          Weitere Themen

          350 Milliarden Dollar für lokale Polizeibezirke

          Biden gegen Waffengewalt : 350 Milliarden Dollar für lokale Polizeibezirke

          Manche Linke in seiner Partei wollen die Polizei verkleinern oder abschaffen – Joe Biden will stattdessen mehr Geld für die ohnehin schon hochgerüsteten Ordnungshüter. In der Pandemie ist vor allem die Schusswaffenkriminalität gestiegen.

          Angela Merkels letzte Befragung Video-Seite öffnen

          Im Bundestag : Angela Merkels letzte Befragung

          Bei ihrer Befragung im Bundestag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel unter anderem das ungarische Gesetz deutlich kritisiert, das Materialien über Homosexualität und Geschlechtsumwandlungen an Schulen zensiert.

          Topmeldungen

          Deutsche Nationalmannschaft : „Wembley liegt uns“

          Nach dem fahrigen Auftritt gegen Ungarn mit mehrfachem Blick in den Abgrund des EM-Ausscheidens trifft Deutschland nun im Achtelfinale auf England. Kapitän Neuer hat trotz des Nervenkrimis seinen Optimismus nicht verloren.
          Proben für einen PCR-Test werden von einem Mitarbeiter im Corona-Testzentrum verpackt. Der Anteil der Delta-Variante unter den Neuinfektionen in Deutschland beläuft sich mittlerweile auf 15 Prozent.

          F.A.Z. Frühdenker : Delta breitet sich schnell in Deutschland aus

          Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten über die schwierige Beziehung zu Russland. Wirtschaftsminister Altmaier reist nach Washington. Und Deutschland zittert sich gegen Ungarn ins EM-Achtelfinale gegen England. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.