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Die Affäre Bettencourt : Frankreich schläft schlecht

Wahr wird, was möglich erscheint: Der Ausgang der Affäre Bettencourt ist für Nicolas Sarkozy noch ungewiss Bild:

In der Affäre um die reichste Frau Frankreichs, die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, geht es um Geld und Gier, Macht und Politik. Die Aussagen eines Butlers und einer Buchhalterin bringen Nicolas Sarkozy in Verruf.

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          „Hätte ich das geahnt“, seufzt Françoise Bettencourt-Meyers. Die Mittfünfzigerin mit den langen schwarzen Haaren hat mit ihrer Klage die Affäre um die L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ins Rollen gebracht, die Frankreich seit gut zwei Wochen den Atem verschlägt. Aus dem Erbschaftskrieg zwischen Tochter und Mutter ist längst ein Politskandal erwachsen, der die Republik erschüttert. Enthüllungen, Dementis und Klagen folgen in rasendem Tempo, so dass niemand mehr richtig und falsch, verlässliche Informationen und Gerüchte auseinanderzuhalten vermag. Das aber macht dieses Sittenstück über Geld und Gier, über Macht und Politik so französisch: Wahr wird, was möglich erscheint.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Für viele Franzosen klingt es ziemlich plausibel, dass Nicolas Sarkozy als Bürgermeister des feinen Pariser Vororts Neuilly-sur-Seine im Hause der reichsten Frau Frankreichs, bei Liliane Bettencourt, ein und ausging. Dass er von Zeit zu Zeit nach dem Dessert in der vornehmen Villa einen Umschlag „in braunem Packpapier“ zugesteckt bekam, wie es die Buchhalterin Madame Bettencourts berichtet hatte, ja, das können sich viele vorstellen. Sie glauben gern, dass die Hauptaktionärin des weltgrößten Kosmetikkonzerns sich die Partei Nicolas Sarkozys mit finanziellen Aufmerksamkeiten günstig gestimmt hat.

          „Ja, Geld kann rasend machen“

          Unabhängig davon, wie die gerichtliche Untersuchung der mutmaßlichen Parteispendenaffäre ausgeht, eine Mehrheit der Franzosen fühlt sich schon in ihrem Urteil bestätigt, dass „die Politiker“ korrupt seien. Ein Meinungsforschungsinstitut hat ermittelt, dass 64 Prozent der Bürger so denken. Darin liegt das eigentliche Drama für Staatspräsident Sarkozy, der mit diesem Skandal vom (Reform-)Antreiber zum Getriebenen eines öffentlichen Misstrauens geworden ist.

          Korrespondieren nur noch über ihre Anwälte: Liliane Bettencourt (links) und ihre Tochter Francoise Bettencourt-Meyers im Juli 2007
          Korrespondieren nur noch über ihre Anwälte: Liliane Bettencourt (links) und ihre Tochter Francoise Bettencourt-Meyers im Juli 2007 : Bild: AFP

          Françoise Bettencourt-Meyers hat in einem jüngsten Interview mit der Zeitschrift „Elle“ beteuert, dass sie das nicht gewollt habe. „Mein einziges Ziel war es, zurück zu meiner Mutter zu finden“, sagt die Frau, die einmal das Kosmetikimperium ihres Großvaters erben will. Sie lebt das abgeschiedene Leben einer musisch hochbegabten Gelehrten, spielt am Flügel auf Konzertniveau, hat Bücher über die Bibel, den Dialog zwischen Christen- und Judentum und die griechischen Götter veröffentlicht. Die einzige Tochter von Liliane Bettencourt wohnt einen Steinwurf vom Anwesen ihrer Mutter in Neuilly-sur-Seine entfernt. Aber die beiden Frauen korrespondieren nur noch über ihre Anwälte oder über die Medien miteinander.

          „Ja, Geld kann rasend machen“, sagt Françoise Bettencourt-Meyers. Nach dem Tod ihres Vaters im November 2007 hat sie sich zu einer Klage gegen den Dandy François-Marie Banier entschlossen, wegen „Ausnutzung von Schwäche“. Sie glaubt, dass der Fotograf und (homosexuelle) Lebemann sich ihre 87 Jahre alte Mutter hörig gemacht hat, dass die spendable Witwe sich nicht getraute, ihm einen Wunsch auszuschlagen. Inès de la Fressange, das frühere Topmodell für Chanel, hat Banier einmal als gewieften Ausbeuter vermögender älterer Damen beschrieben: „Er behandelt sie schlecht, herrscht sie an, aber sie glauben, dass sei ein Zeichen besonderer Aufmerksamkeit.“

          Banier soll die Milliardärin geschlagen haben, weil sie die falsche Lippenstiftfarbe trug, er soll ihr weisgemacht haben, es habe im Juli in der Bretagne geschneit, damit sie ihre Tochter nicht besuche. „Ich mag ihn sehr. Er ist brillant, aber er hat kein Benehmen. Er ist sehr intelligent, aber er bringt mich um“, sagte Liliane Bettencourt ihrem Vermögensverwalter über ihren Günstling. Das Verfahren gegen Banier ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden, das Gericht hat zu viele neue Informationen zu prüfen.

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