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Deutschland und Großbritannien : Mister Brexit und Frau Nein

Britischer Premierminister Johnson, deutsche Kanzlerin Merkel am 21. August 2019 bei einem Besuch Johnsons in Berlin Bild: EPA

Lange Zeit sah London in Angela Merkel eine heimliche Verbündete. Dann wuchsen Zweifel, ob die deutsche Bundeskanzlerin die Briten wirklich besser versteht als die anderen Europäer.

          6 Min.

          Protestantisch, pragmatisch und ohne Pomp – für viele im Königreich ist Angela Merkel eine Bundeskanzlerin mit britischen Attributen, jedenfalls mit Tugenden, die man sich gerne selbst zuschreibt. Seit dem Kriegsende wurde vermutlich nur Helmut Schmidt für noch wesensverwandter gehalten; in seinem Fall zu Recht. 

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Das Bild, das sich die Briten von Merkel gemacht haben, ist nicht nur in vielen Schattierungen fragwürdig – es hat in den vergangenen Jahren wiederholt zu Fehlkalkulationen verleitet. Nur langsam verblasste die Idee, Merkel würde das Vereinigte Königreich besser verstehen, als es andere europäische Regierungschefs tun, und deshalb im Brexit-Prozess zugunsten der Briten eingreifen. Im Endspurt der Verhandlungen schlug die empfundene Nähe stellenweise in Distanz, in Kühle und sogar in Abneigung um: Von „Frau Nein“ schrieb eine große britische Sonntagszeitung Mitte des Monats und titelte, dass Merkel die Briten in den Verhandlungen „über zerbrochenes Glas kriechen“ lassen wolle. Auch sonst stehen die Zeichen nicht gerade auf Annäherung: Derzeit gibt es keine Flüge mehr aus Großbritannien nach Deutschland. Das wird zwar nicht mit dem Brexit begründet, sondern mit mutierten Coronaviren, passt aber ins Bild der Entzweiung. 

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