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Deutschland und die Türkei : Machtspiel mit Erdogan

Merkel und Erdogan am Freitag in Istanbul Bild: AFP

Der türkische Präsident ist ein problematischer Partner. Doch wer die Kriege in Syrien und Libyen eindämmen will, kommt nun auch an der Türkei nicht mehr vorbei.

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          Großes Glück will der türkische Präsident empfunden haben, als er die Bundeskanzlerin in Istanbul begrüßen durfte. Das kann man Erdogan durchaus glauben. Wie Putin legt er großen, manchmal bis ans Peinliche grenzenden Wert darauf, im In- und Ausland als einer der mächtigen Akteure der internationalen Politik wahrgenommen zu werden. Dafür reicht es nicht, im Maybach vorzufahren oder auffallend spät zu feierlichen Veranstaltungen zu erscheinen. Erdogan und in noch größerem Maßstab Putin haben ihren wachsenden Machtanspruch auch mit militärischen Mitteln unterstrichen. In Syrien patrouillieren ihre Soldaten zusammen als Waffenbrüder, in Libyen stehen sie sich als Verbündete der verfeindeten Bürgerkriegsfraktionen gegenüber.

          In beiden Krisenstaaten nutzten Moskau und Ankara das Desinteresse Washingtons und die Ohnmacht Europas aus, um ihre strategischen Interessen zu verfolgen. Wer die Kriege in Syrien und Libyen eindämmen oder gar beenden will, kommt an Moskau und Ankara nicht mehr vorbei. Erdogan machte auch am Freitag deutlich, dass die Türkei „die libyschen Brüder“ nicht alleinlassen werde.

          Libyen und Syrien haben nicht zuletzt in der Flüchtlingsfrage strategische Bedeutung. Erdogan und Putin könnten jederzeit durch militärische Maßnahmen wie durch bloße Untätigkeit dafür sorgen, dass die Flüchtlingsströme wieder anschwöllen. Erdogan hat mehrfach damit gedroht. Er öffnete die Schleusen bisher aber nur einen Spaltbreit, weil die Türkei schon aus wirtschaftlichen Gründen an mindestens halbwegs guten Beziehungen zur EU und besonders zu Deutschland interessiert ist. Das ist Berlins stärkster Trumpf im Machtspiel mit diesem zunehmend autokratischen und auch außenpolitisch schwerer zu berechnenden Partner.

          Wer wie Merkel der Türkei Hilfe in Aussicht stellt, um das Elend der Flüchtlinge in der Türkei oder auch schon in Syrien zu lindern, verrät weder die eigenen Werte, noch schadet er seinen Interessen. Doch muss Erdogan bei jeder Gelegenheit verdeutlicht werden, dass Deutschland wieder Grenzen kennt – auch des Entgegenkommens.

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