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An der Grenze zu Mali : Deutscher Entwicklungshelfer in Niger entführt

  • Aktualisiert am

Anti-Terror-Übung der Armee in Niger Bild: AP

Bewaffnete Männer sollen an der Grenze zu Mali einen deutschen Entwicklungshelfer verschleppt haben. In der Region gibt es immer wieder Anschläge durch dschihadistische Gruppen.

          Im Niger ist nach örtlichen Behördenangaben ein deutscher Entwicklungshelfer entführt worden. Bewaffnete Männer hätten den Deutschen am Mittwoch nahe Ayorou in der Region Tillaberi an der Grenze zu Mali verschleppt, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP vom Präfekt von Ayorou. In der betroffenen Gegend sind Dschihadisten aktiv, es gibt häufig Anschläge.

          Der Deutsche arbeitete den Angaben zufolge für die Hilfsorganisation Help. Er und seine Kollegen informierten den Präfekt demnach am Morgen über ihre Reiseabsichten. Auf dem Rückweg von ihrem Einsatz seien der Deutsche und sein Fahrer dann „von bewaffneten Personen auf vier Motorrädern“ angehalten worden, sagte Präfekt Jando Rhichi Algaher. Die Angreifer hätten die beiden verprügelt, den Deutschen mitgenommen und das Fahrzeug in Brand gesetzt. Der Präfekt berief sich dabei auf die Aussage des Fahrers des Deutschen. Wie das Online-Portal ActuNiger berichtet, seien Islamisten für die Entführung verantwortlich.

          Die Hilfsorganisation „Help - Hilfe zur Selbsthilfe“ bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag den Vorfall. Sie sei in der Nacht informiert worden, dass ein erfahrener deutscher Kollege, der im Niger für die Organisation arbeite, offensichtlich verschleppt worden sei, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins, Bianca Kaltschmitt.

          „Wir haben alle nötigen Krisenmaßnahmen eingeleitet, wir können aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine näheren Angaben zu den Details des Vorfalles machen.“ Man stehe in engem Austausch mit der deutschen Botschaft vor Ort und dem Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes, sagte Kaltschmitt. Das Außenamt selbst wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

          Tillaberi gilt als äußerst instabil. Es gibt immer wieder Anschläge durch dschihadistische Gruppen. Ziele sind in der Regel militärische Einrichtungen und Flüchtlingslager. Im Oktober 2017 waren bei einem Anschlag in der Stadt Ayorou zwölf nigrische Polizisten getötet worden. Ebenfalls im Oktober wurden vier amerikanische und vier nigrische Soldaten in der Region getötet. Die nigrische Regierung sprach von einem Terroranschlag.

          Im Oktober 2016 war ein amerikanischer Entwicklungshelfer aus seinem Haus in Abalak in der Region Tahoua verschleppt worden. Ein nigrischer Soldat und ein Wachmann wurden dabei getötet. Von der amerikanischen Geisel fehlt bis heute jede Spur.

          Im benachbarten Mali ist die Bundeswehr mit mehr als tausend Soldaten an der UN-Mission Minusma beteiligt, die das Friedensabkommen und die Waffenruhe in Mali überwachen soll. Erst am Mittwoch beschloss die Bundesregierung zudem die Verlängerung des EUTM-Mandates in Mali. Ziel der 2013 von der EU gestarteten Mission ist die Ausbildung von Sicherheitskräften in dem westafrikanischen Krisenstaat. Das Bundeswehrmandat soll zudem ausgeweitet werden: So soll künftig auch eine Beratung und Ausbildung in den Sektorhauptquartieren der G5-Sahel Eingreiftruppe außerhalb Malis ermöglicht werden. Dazu zählen voraussichtlich Niger, Mauretanien und Tschad.

          Die Entführung des deutschen Helfers erfolgte überdies zeitgleich mit dem Beginn der Militärübung Flintlock, an der mehr als 1500 afrikanische, europäische und amerikanische Soldaten in dieser Region des Niger beteiligt sind.

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