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Transatlantisches Verhältnis : Deutsche und Amerikaner sehen gemeinsame Wertebasis schwinden

Küsschen für die Kanzlerin: So nett hat Donald Trump Angela Merkel bei ihrem ersten Besuch noch nicht empfangen Bild: dpa

Die gemeinsame Wertegrundlage auf beiden Seiten des Atlantiks erodiert immer mehr, fürchtet rund die Hälfte der Deutschen und Amerikaner. Besonders skeptisch sehen die Deutschen die zukünftigen Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten.

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          Trotz der anhaltenden politischen Spannungen zwischen Washington und Berlin glaubt eine Mehrheit auf beiden Seiten des Atlantiks weiter daran, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland gemeinsame Werte teilen. Rund die Hälfte der Deutschen und Amerikaner ist aber überzeugt davon, dass diese gemeinsame Wertebasis zunehmend erodiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Atlantik-Brücke und des American Council on Germany, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im April zeitgleich in den Vereinigten Staaten und in Deutschland durchgeführt hat.

          Oliver Georgi
          (oge.), Politik

          Demnach glauben 50 Prozent der befragten Deutschen und 49 Prozent der Amerikaner, dass die gemeinsamen Werte schwinden. Nur 14 Prozent der Deutschen und 12 Prozent der Amerikaner finden, die gemeinsame Wertegrundlage sei noch intakt. Jeder fünfte Deutsche glaubt sogar, Europa und die Vereinigten Staaten teilten keine gemeinsamen Werte.

          Auch bei der Frage, welche die wichtigsten gemeinsamen Werte sind, herrscht nur bedingt Einigkeit. Zwar wird die freie Meinungsäußerung sowohl von Amerikanern (55 Prozent) als auch von Deutschen (66 Prozent) als wichtigster Wert gesehen. Bei den Deutschen folgen danach aber Demokratie (56 Prozent), der Schutz der Privatsphäre (33 Prozent) und Rechtsstaatlichkeit (32 Prozent). Den Amerikanern ist die Demokratie mit 36 Prozent deutlich weniger wichtig, sie rangiert hinter der Religionsfreiheit (38 Prozent) auf Platz drei und nur knapp vor dem Recht, Waffen zu tragen (30 Prozent).

          Hier wie dort werden der Kampf gegen den Terrorismus und der Klimawandel als wichtigste Herausforderungen gesehen. Generell belegt die Umfrage für beide Länder ein sinkendes Vertrauen in demokratische Institutionen. In Deutschland gaben 33 Prozent der Befragten an, wenig Vertrauen  zu haben, in Amerika 34 Prozent.

          Deutliche Unterschiede sieht die Umfrage bei der Bewertung der transatlantischen Handelsbeziehungen: Während mehr als ein Drittel der Amerikaner (36 Prozent) optimistisch ist, dass ein Freihandelsabkommen wahrscheinlich ist,  glauben das nur 15 Prozent der befragten Deutschen. In beiden Ländern wünscht sich aber eine große Mehrheit (67 Prozent der Deutschen und 69 Prozent der Amerikaner), dass die transatlantischen Beziehungen so bleiben wie derzeit oder sogar noch enger werden. 17 Prozent der Deutschen plädieren hingegen für weniger engere Beziehungen nach Washington – insbesondere Wähler der Linken (32 Prozent) und der AfD (21 Prozent).

          „Es reicht nicht mehr, die historische Verbundenheit zwischen Deutschland und den USA zu beschwören“, kommentierte der Vorsitzende der Atlantik-Brücke Friedrich Merz die Studie. „Wir müssen uns stärker über geteilte Interessen verständigen und die Zuversicht in gemeinsame Ziele stärken.“ Botschafter John B. Emerson, Vorsitzender des American Council on Germany und früherer amerikanischer Botschafter in Deutschland, erklärte, die Studie zeige, dass die Amerikaner mit Blick auf die Beziehung zu Deutschland optimistisch blieben und sich sogar eine  engere Bindung wünschten. Für die Studie wurden 2229 Amerikaner und 2000 Deutsche repräsentativ befragt.

          Mit Blick auf den Handelsstreit mit Washington hatte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zuvor für ein neues transatlantisches Handelsabkommen in abgespeckter Form ausgesprochen. „Der umfassende Ansatz von TTIP hat sich als nicht realisierbar erwiesen“, sagte Altmaier der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Man müsse darüber sprechen, „etwas Neues zu machen, etwa eine Verständigung über ausgewählte Industrieprodukte“. Nötig sei eine Lösung, „bei der Zölle insgesamt nach unten gehen, nicht nach oben“. Altmaier warnte davor, im Handelsstreit „fahrlässig in eine Spirale der Abschottung hineinzuschlittern“. „Wenn wir auf Schutzzölle zurückfallen, erinnert das an die Zeiten Bismarcks, an den Siegeszug des Protektionismus mit allen verheerenden Folgen“, so Altmaier.

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