https://www.faz.net/-gpf-8iuh3

Manöver im Baltikum : Fast zwei Drittel gegen „Säbelrasseln“ der Nato

  • Aktualisiert am

In Rauch eingehüllter Nato-Panzer während des Manövers „Anakonda“ im Juni auf dem Baltikum Bild: dpa

Außenminister Steinmeier hat mit seiner Kritik am Nato-Manöver „Anakonda“ an der Grenze zu Russland für Aufregung und Verstimmung gesorgt. Doch die Deutschen teilen seine Einschätzung.

          Fast zwei Drittel der Deutschen teilen die umstrittene Kritik von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am „Säbelrasseln“ der Nato. Nur neun Prozent unterstützen dagegen die Pläne der Bundesregierung, hunderte Soldaten zur Abschreckung Russlands ins Baltikum zu schicken. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor.

          Steinmeier hatte mit seiner Kritik am Verhalten der Nato gegenüber Russland massive Kritik der Union und der östlichen Bündnispartner auf sich gezogen. Er hatte gesagt: „Was wir jetzt nicht tun sollten, ist durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen. Wer glaubt, mit symbolischen Panzerparaden an der Ostgrenze des Bündnisses mehr Sicherheit zu schaffen, der irrt.“

          64 Prozent der 2054 Befragten unterstützten diese Haltung, nur 16 Prozent lehnten sie ab. Und das, obwohl 49 Prozent ein militärisches Vorgehen Russlands gegen die baltischen Staaten wie vor zwei Jahren auf der ukrainischen Krim für möglich halten. Nur 30 Prozent glauben nicht an ein solches Szenario.

          Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte die Aufrüstung der Allianz im Osten verteidigt. „Wir suchen intensiv nach Wegen, eine Eskalation zu verhindern. Gleichzeitig müssen wir auf ein Russland reagieren, das seine Militärausgaben seit 2000 verdreifacht hat, das sich viel aggressiver verhält und mit militärischer Gewalt Grenzen in Europa verändert hat“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

          Unterstützung hatte Steinmeier hingegen vom Russlandbeauftragten der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), erhalten. Erler warnte gar vor einer Eskalationsspirale zwischen Nato und Russland „bis hin zu Krieg“. „Stationierungsentscheidungen und Militär-Operationen schaukeln sich wechselseitig hoch. Das ist gefährlich“, sagte er. „Es ist gut, dass Außenminister Steinmeier darauf hinweist. Der Aufschrei zeigt, dass er da einen Punkt getroffen hat.“ Erler forderte, die Eskalation zu stoppen: „Genau aus solchen Entwicklungen heraus entstehen unkontrollierte Situationen bis hin zum Krieg.“

          Auf dem Nato-Gipfel am 8. und 9. Juli in Warschau soll die Entsendung von vier Nato-Bataillonen nach Polen und ins Baltikum beschlossen werden. Deutschland wird voraussichtlich die Führung des Bataillons in Litauen übernehmen.

          Weitere Themen

          Ein starkes Land in Angst

          70 Jahre KP-Herrschaft : Ein starkes Land in Angst

          China will sich an seinem Nationalfeiertag als selbstbewusste Großmacht präsentieren. Doch die Vorbereitungen darauf vermitteln eher den Eindruck einer Führung, die ihr eigenes Volk fürchtet.

          Topmeldungen

           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Sanierung gescheitert : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutscher Urlauber, die bei Neckermann und anderen Marken gebucht haben.

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.
           Unsere Sprinter-Autorin: Julia Anton

          F.A.Z.-Sprinter : Wenn einer eine Reise tut

          ... dann kann er was erzählen. Angela Merkel muss beim Klima-Gipfel in New York allerdings zunächst die Reisen ihrer Minister erklären, während andere Reisende Angst um ihren Urlaub haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.