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Deutsche Polizisten getötet : Bundesanwaltschaft ermittelt in Kabul

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Bundesanwaltschaft hat im Fall der drei in Kabul getöteten deutschen Polizisten die Ermittlungen übernommen. Die Beamten von BKA und Bundespolizei waren bei einem Bombenanschlag auf ihren Konvoi ums Leben gekommen.

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          Bei einem Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Mittwoch drei deutsche Polizisten getötet worden. Die Beamten waren laut Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vom Bundeskriminalamt (BKA) und der Bundespolizei nach Kabul entsandt worden. Zwei von ihnen seien Personenschützer des deutschen Botschafters in Kabul gewesen. Ein weiterer deutscher Polizist wurde bei dem Anschlag verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat in dem Fall inzwischen die Ermittlungen übernommen, wie ein Sprecher der Behörde in Karlsruhe mitteilte.

          Die Sicherheitsbeamten sollen auf dem Weg zu einem Schießstand im Bezirk Bagrami im Osten der afghanischen Hauptstadt gewesen sein, als am Straßenrand ein Sprengsatz explodierte. Die radikal-islamischen Taliban teilten auf ihrer Internetseite mit, sie hätten am Mittwochvormittag in Bagrami einen Anschlag mit neun Toten auf ausländisches Militär verübt. Angaben der Taliban über Opferzahlen sind oft deutlich übertrieben.

          Getöteter Polizist aus Karlsruhe

          Nach Berichten von Augenzeugen standen am Anschlagsort zwei weiße Geländewagen der Botschaft. Einer davon lag auf der Seite, ein anderer stand in der Nähe. Eines der Fahrzeuge ist nach Angaben der afghanischen Polizei zerstört und trägt eine deutsche Flagge. In Bagrami fährt die Bundeswehr seit mehreren Jahren Patrouille.

          Steigt die Gefahr für Deutsche in Afghanistan weiter?

          Örtliche Polizeikräfte hatten zunächst von drei getöteten deutschen Soldaten gesprochen. Das Verteidigungsministerium in Berlin dementierte diese Angaben aber. Zuletzt starben im Mai bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus drei deutsche Soldaten und fünf afghanische Zivilisten.

          Einer der getöteten Polizisten kommt nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums aus Karlsruhe. Innenminister Heribert Rech (CDU) äußerte sich am Mittwoch in Stuttgart betroffen über den Tod des 39 Jahre alten Polizeiobermeisters. Er war vom Polizeipräsidium Karlsruhe an das Bundeskriminalamt abgeordnet worden. Die drei bei dem Anschlag ums Leben gekommenen Beamten waren in der Hauptstadt Afghanistans zum Schutz der deutschen Botschaft eingesetzt gewesen.

          „Vor dem Terror der Taliban nicht zurückweichen“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den „schrecklichen Mordanschlag“. Im Namen der Bundesregierung und auch „ganz persönlich“ sprach sie den Angehörigen der drei Beamten ihr Beileid aus. Sie versicherte, dass die Bundesregierung alles dafür tun werde, die „Hintermänner des Anschlags ausfindig zu machen“. Das Attentat zeige, dass der Dienst der Polizisten mit großen Gefahren verbunden sei. Merkel äußerte sich bei einem Empfang für Polizisten, die während des G8-Treffens in Heiligendamm im Juni eingesetzt waren.

          Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte, die Hintermänner des Anschlages müssten schnellstens ermittelt und bestraft werden. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bekräftigte das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. Der hinterhältige Anschlag zeige, wie notwendig es sei, den Terrorismus dort weiter zu bekämpfen, sagte Jung bei einem Besuch im schleswig-holsteinischen Todendorf. „Wir werden unsere Aufgabe dort weiterhin erfüllen, Stabilität und friedliche Entwicklung in Afghanistan zu unterstützen.“ Sein Mitgefühl gelte den Familien der getöteten Personenschützer.

          Der Vorsitzende der SPD Kurt Beck äußerte sein Mitgefühl für die Opfer. „Was an zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu machen ist, wird jetzt zu untersuchen sein.“ Beck warnte aber vor einem überstürzten Kurswechsel beim deutschen Engagement in Afghanistan. „Jedes Ereignis dieser Art muss in die Debatten um das Mandat (der Bundeswehr) einbezogen werden. Man kann aber jetzt nicht unter dem aktuellen Eindruck eines solchen Ereignisses eine grundlegende Kurskorrektur einleiten“, sagte Beck bei einem Sommerbesuch in Marburg. Deutschland werde zum Aussöhnungs- und Normalisierungsprozess in Afghanistan auch weiter seinen Beitrag leisten müssen, erklärte Beck.

          Bartsch gegen Verlängerung der Mandate

          Der Vorsitzende der CSU Edmund Stoiber wandte sich ebenfalls gegen einen Abzug der deutschen Truppen: „Wir verteidigen letzten Endes mit unserem Einsatz in Afghanistan unsere Sicherheit hier.“ CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Lage in Afghanistan sei nach wie vor ernst: „Das Engagement in Afghanistan ist richtig und wichtig. Wir dürfen vor dem Terror der Taliban nicht zurückweichen.“

          Der Vorsitzende der FDP Guido Westerwelle sagte, er sei „tief betroffen“ vom Tod der drei Deutschen. „Die Opfer haben für Sicherheit und Stabilität in einem geschundenen Land gearbeitet. Wer vor dem Terror zurückweicht, kapituliert vor diesen Mördern.“ Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer sagten, man könne es „aus Verantwortung für Afghanistan und für das Engagement der deutschen Polizisten, Zivilisten und Soldaten“ nicht zulassen, „dass Bombenattentate der Taliban die Aufbauarbeit beenden“. Der Bundesgeschäftsführer der Linken Dietmar Bartsch plädierte hingegen dafür, die Mandate der Bundeswehr für Afghanistan nicht zu verlängern und „stattdessen verstärkt auf friedliche, wirtschaftliche Aufbauhilfe zu setzen“.

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte unterdessen eine bessere Vorbereitung von Beamten auf riskante Aufgaben im Ausland. Der Vorsitzende der GdP Konrad Freyberg sagte, das Risiko für die in krisengeschüttelten Ländern eingesetzten Polizisten steige enorm. Über den Tod der drei Botschaftsschützer zeigte er sich bestürzt. Freytag verlangte auch, dass der politische Stellenwert deutscher Polizeimissionen im Ausland erhöht werde.

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