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Fregatte „Bayern“ : Deutsche Marine verstärkt Engagement im Indo-Pazifik

Die Fregatte „Bayern“, hier noch in Südkorea Bild: dpa

Fast zwanzig Jahre lang war kein deutsches Kriegsschiff durch das Südchinesische Meer gefahren. Künftig soll es regelmäßige Missionen geben.

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          Die deutsche Marine will künftig regelmäßig alle zwei Jahre Kriegsschiffe in die Indo-Pazifik-Region entsenden. Das gab der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, am Dienstagabend in Singapur bekannt, vorbehaltlich entsprechender Entscheidungen der Bundesregierung. Anlass war der Hafenbesuch der Fregatte „Bayern“ in Singapur. In einem Vortrag auf Einladung des International Institute for Strategic Studies beschrieb Schönbach die aktuelle Mission der „Bayern“ als „Eisbrecher“ zur Vorbereitung für künftige Einsätze. Diese würden dann „wahrscheinlich auch in einem internationalen Format mit europäischen und transnationalen Marinepartnern“ stattfinden. Er schloss nicht aus, dass sich die Deutschen an Missionen unter Führung eines befreundeten Flugzeugträgerkampfverbands beteiligen könnten.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Für das Jahr 2023 sei die Entsendung zweier Schiffe geplant, einer Fregatte und eines Hilfsschiffs. Mit Blick auf die neue Fregattenklasse F125 Baden-Württemberg sei es denkbar, künftig Schiffe auch zwei Jahre am Stück in der Region zu stationieren und die Besatzungen an ort und Stelle auszutauschen. Zu deren Unterstützung könne ein „nicht-permanenter Logistik-Hub etabliert“ werden. Man führe bereits entsprechende Gespräche mit Singapur, aber auch mit Japan und Südkorea. Im nächsten Jahr werde die Bundeswehr Luftwaffen- und Cybersicherheitseinheiten in die Indo-Pazifik-Region entsenden, sagte Schönbach.

          Interessen als Handelsnation

          Laut einem Bericht der singapurischen Zeitung „Straits Times“ sagte der Vizeadmiral vorher im Gespräch mit Journalisten, dass während des nächsten Marineeinsatzes auch eine Durchfahrt durch die Taiwan-Straße wahrscheinlich sei. China reagiert auf solche Durchfahrten regelmäßig mit Drohgebärden. Im Fall der „Bayern“ habe man darauf verzichtet, weil man nicht „mit einem Hammer“ habe starten wollen, sagte Schönbach. Es ist die erste Mission eines deutschen Marineschiffs in der Region seit 19 Jahren.

          Die „Bayern“ war im August in Wilhelmshaven in See gestochen und hatte vor Singapur schon Australien, Guam, Japan und Südkorea besucht. Die Fregatte beteiligte sich an einer internationalen Beobachtermission zur Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea und fuhr durch das Südchinesische Meer. Einen geplanten Hafenbesuch in Schanghai lehnte China ab. Peking forderte Deutschland auf, „günstigere Bedingungen“ für einen Austausch zu schaffen. Schönbach schloss nicht aus, dass die Deutschen China auch bei künftigen Missionen einen Hafenbesuch anbieten würden. Deutschland sei daran interessiert, „sicherzustellen, dass kein Land ausgeschlossen wird“. Zur Begründung des verstärkten militärischen Engagements verwies er auf Deutschlands Interessen als Handelsnation.

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