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Deutsche Fahnder in Montenegro : Schnellboote voller Schmuggelzigaretten

Milo Djukanovic spricht von „Transitgebühren” Bild: picture-alliance / dpa

Will Ministerpräsident Djukanovic Montenegro nur deshalb von Serbien lösen, um ungehindert illegalen Nebengeschäften nachzugehen? Die Wahrheit ist beim Zoll in Augsburg zu erfahren. Deutsche Fahnder verfolgen die montenegrinische Mafia seit langem.

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          Am kommenden Sonntag entscheiden die Montenegriner über den künftigen Status ihrer Heimat. Die Bürger der 670.000 Einwohner zählenden Adriarepublik stimmen darüber ab, ob sich das Land der schwarzen Berge von Serbien lösen wird. Setzt sich Ministerpräsident Djukanovic durch, wird Europa um einen souveränen Staat reicher werden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der ehemalige kommunistische Jungfunktionär, der sich gerade noch rechtzeitig von Slobodan Milosevic losgesagt hatte, um später als dessen Gegner gelten zu können, betreibt seit Jahren die Trennung Montenegros von Serbien. Als Grund gibt er an, so komme Montenegro schneller in die EU. Die Opposition in Podgorica aber behauptet, Djukanovic wolle die Loslösung vor allem deshalb, weil er dann als Regierungschef eines souveränen Staates seinen illegalen Nebengeschäften besser nachgehen könne.

          Zentrum des Zigarettenschmuggels

          Die Wahrheit ist in Augsburg zu erfahren, oder genauer: bei Zolloberamtsrat Günther Herrmann und Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Kolb. Denn fast ein Jahrzehnt lang, von 1993 bis 2001, haben die beiden Beamten in einer Angelegenheit ermittelt, von der die Machthaber in Podgorica ungern hören: Montenegro war in den neunziger Jahren eines der Zentren des Zigarettenschmuggels.

          Djukanovic rechtfertigt sich heute damit, die „Ware“ sei lediglich in montenegrinischen Häfen zwischengelagert worden, wofür der montenegrinische Staat eine „Gebühr“ erhoben habe. Er spricht nicht von Schmuggel, sondern von „Zigarettentransit“, der sich im Einklang mit den Gesetzen (von Montenegro) befunden habe. „Die Ware verließ die montenegrinischen Gewässer völlig regulär und mit ordentlicher Dokumentation“, sagt er. Und zu den Vorwürfen der Ermittler, die Ladungen seien von Montenegro aus direkt auf den Schwarzmärkten der EU gelandet, sagte er einmal: „Das kann ich weder bestreiten noch bestätigen.“

          Günther Herrmann vom Zollfahndungsamt München, Dienststelle Lindau, stellt hingegen fest: „Die Darstellung Djukanovics ist eine Lüge. Was da gelaufen ist, ist Betrug, Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe. Wir haben lückenlos bewiesen, daß und wie über den Hafen von Bar in Montenegro immense Mengen von Zigaretten geschmuggelt wurden, zum Nachteil der EU“, sagt er.

          „Mickymaus-Firmen“

          Herrmanns Ermittlungen reichen zurück bis zum Beginn der neunziger Jahre, als Milosevics Herrschaft über sein kleines Restjugoslawien (bestehend nur noch aus Serbien und Montenegro) am Anfang stand. Jugoslawien war damals international isoliert. Ende Mai 1992 hatte der UN- Sicherheitsrat mit Unterstützung Rußlands Wirtschaftssanktionen verhängt. Die Aus- und Einfuhr sämtlicher Waren mit Ausnahme von Lebensmitteln und Medikamenten wurde verboten.

          Damals hätten die Zollfahnder festgestellt, daß immer mehr Zigaretten über Scheinfirmen aus der Schweiz nach Montenegro geliefert wurden, erzählt Günther Herrmann. „Jede Woche gingen etwa 25 Lastwagen mit Zigaretten aus der Schweiz nach Montenegro. Das konnte nicht stimmen. Was taten die Leute dort damit? Außerdem lagen den Transporten Rechnungen bei, denen jeder Zollfahnder ansehen konnte, daß sie getürkt waren.“ Herrmann spricht von „Mickymaus-Firmen“, die in der Schweiz, auf den Virgin Islands oder in Panama registriert waren.

          Ende 1993 unterrichtete das Zollfahndungsamt München Herrn Kolb über die Vorgänge. Die Staatsanwaltschaft wurde auch tätig. 1994 wurden zwei Franzosen am Zollübergang Lindau-Hörbranz mit gefälschten Papieren aufgegriffen und zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Insgesamt wurden 170 Beschuldigte zu kleineren Freiheitsstrafen verurteilt. Doch wie üblich wurden nur die Kriminellen am unteren Ende der Schmuggelkette erwischt. Kolb und Herrmann waren unzufrieden. „Wir haben uns gedacht, es könne doch nicht angehen, daß wir nur die Kleinen hängen und die Großen laufen lassen“, sagt Kolb.

          Die Beamten bissen sich an dem Fall fest

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